point_1Synagoge



Geschichte
Von den ehemals 140 niedersächsischen Synagogen, die vor 1933 existierten, sind heute nur noch ungefähr 40 als Gebäude erhalten. Zwei davon werden als Gedenkstätte und Museum genutzt. Zu diesen zählt die cirka 250 Jahre alte Celler Synagoge Im Kreise 24, die seit kurzem auch wieder ihrer ursprünglichen Bestimmung dient: Seit 1997 ist sie das Gotteshaus der Neuen Jüdischen Gemeinde Celle.

Zwischen 1676 und 1691 erhielten fünf Schutzjuden mit ihren Familien und Gesinde die herzogliche Erlaubnis, sich in der Altenceller Vorstadt (Blumlage und Im Kreise) niederzulassen. 1690 richteten diese Familien, die aus ungefähr 30 Personen bestanden, in einem Hinterhaus auf der Blumlage einen ersten Betsaal ein. Schon drei Jahre später wurde er auf Anordnung des Burgvogts zerstört, weil keine obrigkeitliche Genehmigung eingeholt worden war. Als dann die herzogliche Genehmigung erteilt worden war, kam es zur Wiedereinrichtung eines Betsaales in dem Privathaus des Isaac Maintz. Die genaue Lage dieses Hauses ist nicht bekannt.

Jüdischer Friedhof
klicken Sie auf die Bilder für eine größere DarstellungNicht in der Blumläger Vorstadt, sondern rund vier Kilometer entfernt nördlich der Aller wurde der jüdischen Gemeinde 1692 ein Friedhof zugewiesen. Hier, an der heutigen Straße Am Berge, dokumentieren noch erhaltene Grabsteine Beisetzungen von 1705 bis 1953. Nach dem Entwurf des Architekten Otto Haesler ließ die jüdische Gemeinde 1910 dort eine Friedhofshalle errichten, die 1974 wegen Baufälligkeit abgerissen wurde.

Synagoge
Erst 1737 erhielten die Juden im Fürstentum Lüneburg die Erlaubnis Synagogen zu bauen. 1738 erwarb die „Judenschaft Celle“ die beiden Grundstücke Im Kreise 23 und 24 und errichtete als Hinterhaus dazu um 1740 eine Synagoge, einen von außen schlichten Fachwerkbau, dessen Innenraum man im Stile des Spätbarock repräsentativ ausgestaltete. Die beiden Vorderhäuser wurden als jüdisches Schulhaus (Nr. 24) und als Wohnungen (Nr. 23 und Nr. 24) für verschiedene Gemeindebedienstete genutzt.

klicken Sie auf die Bilder für eine größere DarstellungAus der Gründungszeit stammt der Opferstock mit der Inschrift „Aron, Sohn des Rabbiners Josua Feibelman selig sein Andenken. In Celle 1740“. Diese Inschrift ist eine der wenigen Anhaltspunkte für das Alter der Synagoge. Der Bau der Synagoge erforderte eine hohe Verschuldung der Celler jüdischen Gemeinde. Erst das Testament des Hoffaktors Isaak Jakob Gans aus dem Jahre 1797 sicherte die langfristige Tilgung des Kredits. Schon 1765 hatte Gans der Celler Synagogengemeinde zum Andenken an seinen Vater Jacob Gans eine kostbare Stiftung übereignet: Ein Paar Rimonim (Thorakronen) und ein Tass (Thoraschild), heute Collection Jewish Historical Museum Amsterdam.

Über einen Zeitraum von fast 150 Jahren gibt es keinen Hinweis für bauliche Veränderungen am Gebäude der Celler Synagoge. Erst 1883 erfolgte eine umfangreiche Renovierung: Erweiterung der Frauenempore entlang der Westseite des Synagogenraums, Bleiverglasung der Fenster mit farbigen Scheiben und Überarbeitung der Ausmalung des Innenraums. Am Vorabend des jüdischen Neujahrsfestes 1883, dem 30. September, wurde der Umbau feierlich eingeweiht. Das späte 19. Jahrhundert wie die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts war eine Blütezeit der jüdischen Gemeinde, die cirka 110 Personen umfaßte. Bis 1933 (70 Personen) nahm die Zahl der Celler Juden stetig ab. Im Januar 1939 lebten 35 und im Oktober desselben Jahres nur noch 15 Personen jüdischen Glaubens in Celle.

Nationalsozialismus
In der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die Einrichtung der Celler Synagoge mit Äxten zerschlagen, die zwölf Thorarollen, die Kultgegenstände und die Gemeindebücherei auf die Straße geworfen. Das Gebäude durch Feuer zu zerstören, wurde nur unterlassen, weil dadurch die umliegenden Häuser in Mitleidenschaft gezogen worden wären. Ab 1942 diente das alte jüdische Schulhaus Im Kreise 24 als „Celler Judenhaus“. Auf engstem Raum wurden hier die Menschen unter totaler Überwachung bis zur ihrer Deportation in die Vernichtungslager untergebracht. Von hier aus wurde zum Beispiel das Ehepaar Oscar und Nanny Salomon im Juli 1943 nach Auschwitz deportiert. Auch Juden aus anderen Orten des Regierungsbezirks Lüneburg mussten hier die Zeit vor ihrer Deportation verbringen. Im Vorraum der Synagoge befinden sich Gedenktafeln, die emigrierte Mitglieder der ehemaligen jüdischen Gemeinde in Celle für ihre in den Vernichtungslagern umgekommenen Verwandten gestiftet haben.

Neubeginn
Nach Ende des 2. Weltkrieges und der Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen lebten im Mai 1945 in der Celler Heidekaserne ungefähr 1000 jüdische sogenannte displaced persons. Die Militärregierung beschlagnahmte die Gebäude der jüdischen Vorkriegsgemeinde Im Kreise 23/24 mit der Synagoge, das Haus Nr. 25 und den Jüdischen Friedhof Am Berge für die neu entstandene jüdische Gemeinde mit ihren Einrichtungen und für verschiedene jüdische Hilfsorganisationen. Im Hinterhof der Synagoge wurde 1945 eine Mikwe (Ritualbad) gebaut, die 1972/73 wegen Baufälligkeit abgerissen wurde.

klicken Sie auf die Bilder für eine größere DarstellungViele der displaced persons jüdischen Glaubens in Celle stammten aus osteuropäischen Ländern, ein großer Teil kam aber auch aus dem Deutschen Reich (40%). Sie warteten hier auf ihre Auswanderung nach Palästina, in die USA und andere Länder oder auf die Rückkehr in ihre Heimat. Der Rabbiner der Nachkriegsgemeinde, Mosche Olewski, emigrierte 1950 in die USA. Die kleine Celler Restgemeinde war dem Landesverband der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen angeschlossen und besuchte dann den Gottesdienst in der hannoverschen Synagoge. Das Jahr der Gemeindeauflösung ist nicht bekannt, 1967 wird sie letztmalig erwähnt.

klicken Sie auf die Bilder für eine größere DarstellungHeute gilt die Celler Synagoge als die älteste niedersächsische Fachwerksynagoge, die in ihren wesentlichen Bauteilen noch erhalten ist. Die heutige Einrichtung der Synagoge, z. B. das hölzerne Podest vor dem Thoraschrein und das Lesepult für die Thorarolle (Bima), entstammt der Zeit nach 1945. Eine umfassende Renovierung erfolgte 1973/74 durch die Stadt Celle, die das Gebäude 1969 erworben hatte. Am 20. Juni 1974 wurde die Celler Synagoge durch den Heidelberger Rabbiner Dr. Nathan Peter Levinson neu geweiht.

Museum und GotteshausSynagoge
Nach einer weiteren Renovierung 1996/97 wurde das Nachbarhaus Im Kreise 23 als Museum hergerichtet. Es beherbergt heute Wanderausstellungen zu unterschiedlichen Themen jüdischer Geschichte sowie eine Dokumentation zum jüdischen Leben in Celle. Die Synagoge selbst wird für Gottesdienste und Versammlungen der Neuen Jüdischen Gemeinde Celle und der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit genutzt.


 Aktuelles

zum Link Das Kind, der Tod und die Wahrheit 11.08.2010 
 
 
 
zum Link Zeitzeugengespräch mit Salomon Finkelstein 11.08.2010 
 
 
 
zum Link Zwischen allen Stühlen - Eine christlich-jüdische „Mischlingsfamilie“ von 1937 bis 1945 in Celle 04.08.2010 
 
 
 
zum Link Programm der Synagoge Celle (2. Halbjahr 2010) 20.07.2010 
 
zum Link Schüleraustausch mit Mazkeret Batya 16.04.2010 
 
Vom 7. bis zum 14. April 2010 besuchte erstmals eine Schülergruppe des Kaiserin-Auguste-Viktoria-Gymnasiums ihre Partnerschule, die Rabin High School, in Celles Partnerstadt Mazkeret Batya. Die Celler erwiderten damit den Besuch der israelischen Schüler  ...
 
 
zum Link Erste Celler Bürgerreise nach Israel 24.11.2009 
 
   

 Aktuelle Ausstellungen

06.08.2010 - 19.09.2010
Synagoge

John Elsas. Der Gespenster Berg. Collagen & Aquarelle


Stolpersteine - Gegen das Vergessen

Stolperstein 
 Interner Link Verlegte Stolpersteine


 


Wanderausstellung zur Ausleihe


 


Karte Synagoge



Kontaktadressen:

Interner Link Tourismus Region Celle GmbH

Interner Link Stadtarchiv Celle

Visitenkarte Ansprechpartner Gesellschaft f. christl.-jüd. Zusammenarbeit Celle e.V.

Visitenkarte Ansprechpartner Jüdische Gemeinde Celle e.V.


Öffnungszeiten und Führungen:

Synagoge Celle, Im Kreise 23-24, 29221 Celle

Dienstag bis Donnerstag: 15.00 - 17.00 Uhr
Freitag: 10.00 - 12.00 Uhr
Sonntag: 15.00 - 17.00 Uhr

Synagogenführungen und Themenführungen zur Geschichte der Juden in Celle sind auch außerhalb der Öffnungszeiten möglich, Anmeldung bei der Touristinformation Celle, Tel.: 05141/1212.


Literatur:

  • Zur Geschichte der Juden in Celle, Festschrift zur Wiederherstellung der Synagoge, Hg. Stadt Celle, Celle 1974.
     
  • N. Bar-Giora Bamberger, Der jüdische Friedhof in Celle, Memorbuch, Heidelberg 1992.
     
  • Juden in Celle, Biographische Skizzen aus drei Jahrhunderten, Hg. Stadt Celle, Schriftenreihe des Stadtarchivs und des Bomann-Museums Band 26, Celle 1997.
     
  • S. Glatter, A. Jensen, K. Keßler, U. Knufinke,
    Die Bauwerke und Einrichtungen der jüdischen Gemeinde in Celle, Hg. Stadt Celle, Kleine Schriften zur Celler Stadtgeschichte Band 2, Bielefeld 1997.
     
  • Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen, Hg. von Herbert Obenaus,,
    Göttingen 2005: Band 1: S. Obenaus, Celle, S. 394-421

Links zum Thema:
 
Externer Link Gedenkstätte Bergen-Belsen

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