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Umgang mit wassergefährdenen Stoffen


Im Hinblick auf die Umsetzung der europäischen Agrarreform in Deutschland und der daraus resultierenden Prüfung in Form von „Cross Complience“ ist die Untere Wasserbehörde zuständige Genehmigungs-und Überwachungsbehörde für Anlagen im Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (VAwS).
Um Sie, als Nutzer dieser für die Umwelt gefährlichen Stoffe, über die technischen und ordnungsrechtlichen Vorgaben nach der Verordnung über Anlagen zum Umgang wassergefährdender Stoffe (VAwS) hinzuweisen und zu informieren, sind die wichtigsten Anforderungen im Folgenden zusammengefasst.

Eigenverbrauchtankstellen


Als Eigenverbrauchstankstellen gelten stationäre Anlagen zur Betankung von betriebseigenen Fahrzeugen mit einem Lagervolumen kleiner 10.000 Liter. Der Jahresumsatz an Kraftstoffen darf 40.000 Liter nicht überschreiten. Bei höheren Umsätzen sind weiterreichende Anforderungen an die Tankstelle zu stellen.

Rechtliche Grundlagen

Zum Schutz des Bodens und des Grundwassers wurde von der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V. (DWA) für die Neuerrichtung, die Nachrüstung und den Betrieb von Eigenverbrauchstankstellen das DWA-Arbeitsblattt 781: Technische Regel wassergefährdender Stoffe (TRwS) 781 „Tankstellen für Kraftfahrzeuge“ erarbeitet.

Lagerbehälter

Lagertanks benötigen grundsätzlich eine Bauartzulassung vom Deutschen Institut für Bautechnik (www.dibt.de).
Einwandige Tanks müssen in bzw. auf einer flüssigkeitsdichten und mineralölbeständigen Auffangwanne stehen, für die ebenfalls eine Bauartzulassung vorzulegen ist oder eine Eingnungsfeststellung bei der Stadt Celle zu beantragen ist. Das Volumen der Auffangwanne (Rückhaltevolumen für die Lagerung) muss dem Gesamtvolumen des Lagertanks entsprechen, damit bei einem Schadensfall (Undichtigkeit) der Gesamtinhalt des Lagertanks sicher zurückgehalten wird und ein unkontrolliertes Ausbreiten der Kraftstoffe verhindert wird.
Bei doppelwandigen Tanks ist keine Auffangwanne erforderlich. Die Tanks müssen aber mit einem Leckanzeigegerät ausgestattet sein.
Unterirdische Tanks oder Rohrleitungen sollten möglichst vermieden werden. Wenn sie nicht umgänglich sind, müssen sie stets doppelwandig sein. Oberirdische Rohrleitungen oder Schlauchverbindungen müssen überall einsehbar sein und sollten daher nicht in Wände verlegt werden.
Bis zu einer Lagermenge von 2000 Litern können Kraftstoffe nach vorheriger Rücksprache mit der zuständigen Unteren Wasserbehörde ggf. auch in einem einwandigen GfK-Tank (glasfaserverstärkter Kunststoff) ohne zusätzliche Auffangwanne gelagert werden. Der Behälter muss dann allerdings auf einem flüssigkeitsdichten Boden aufgestellt sein. Desweiteren dürfen im Umkreis von 5 m um den Behälter keine Bodenabläufe vorhanden sein.

Außerhalb von Schutzgebieten...

... sind oberirdische Lagerbehälter über 1000 Liter einmalig bei Inbetriebnahme und wesentlicher Änderung durch einen anerkannten Sachverständigen überprüfen zu lassen.

Innerhalb von Schutzgebiete...

... sind oberidrische Lagerbehälter über 1000 Liter bei Inbetriebnahme und wesentlicher Änderung und danach in Abständen von 5 Jahren durch einen anerkannten Sachverständigen überprüfen zu lassen.

Abfüllfläche

Abfüllfächen sind Flächen einschließlich der Abtrennung (Aufkanntung) von anderen Flächen.

Sie müssen so beschaffen sein, dass im Schadensfall auslaufende Kraftstoffe sicher zurückgehalten, erkannt und beseitgt werden können. Generell gilt, dass die Größe einer Abfüllfläche zur Betankung von Fahrzeuge, sich aus der Länge (Radius) des Betankungsschlauches zuzüglich 1 m Sicherheit, sowie aus dem erforderlichen Rückhaltevolumen (R )für den Betankungsvorgang ergibt.
Abfüllflächen einschließlich der erforderlichen Verfugungen, Anschlüsse an Einbauten und Entwässerungsrinnen sowie Aufkantungen müssen flüssigkeitsdicht sein und den zu erwartenden Beanstpruchungen (Fahrzeuge, Witterung, Kraftstoffe, Tausalz) standhalten.
Die Planung und Herstellung der Abfüllfäche ist unter Mitwirkung einer kundigen Fachkraft durchzuführen. Die Betonlieferscheine und Gütenachweise sind aufzubewahren und der zuständigen Behörde oder einem Sachverständigen vorzulegen.

Verfugungen dürfen nur duch einen Fachbetrieb gemäß § 103 Niedersächsisches Wassergesetz (NWG) durchgeführt werden.Fugenmasse und Fugenbänder müssen dauerhaft elastisch und mineralöbeständig sein (z.B. aus Polysulfid).

Bei einer fehlenden Überdachung der Abfüllfläche (Tankstelle im Freien) muss das auf der Fläche anfallende, z.T. verunreinigte Regenwasser über einen Ölabscheider nach DIN 1999-100 : 2003-10 und DIN EN 858-1 und 2 vorbehandelt werden.

Die Größe der Abfüllfläche kann durch Spritzschutzwände oder geschlossene Türen begrenzt bzw. verkleinert werden. Diese Wände sind dabei so auszuführen, dass auftreffende Kraftstoffe sicher auf die Abfüllfläche abgeleitet werden.

Alle Umbau- und Reparaturarbeiten an Tankanlagen über 1000 Liter dürfen nur von zugelassenen Fachbetrieben durchgeführt werden.

Die Abfüllfläche einschießlich der Aufkantungen und Fugen ist bei Inbetriebnahme und wesentlicher Änderung und danach alle 5 Jahre durch einen anerkannten Sachverständigen überprüfen zu lassen.

Rückhaltevolumen

Austretende Kraftstoffe müssen schnell und zuverlässig erkannt, zurückgehalten und ordnungsgemäß entsorgt werden. Dafür ist unter anderem ein Rückhaltevermögen für die Kraftstoffmenge erforderlich, die bis zum Wirksamwerden geeigneter Sicherheitsvorkehrungen austreten kann.
Wenn der Tankvorgang unter ständiger Aufsicht erfolgt und die Tankvorrichtung (Ababeeinrichtung) über einen leicht erreichbaren Not-Aus-Schalter abgeschaltet werden kann, berechnet sich für den Tankbereich aus der Kraftstoffmenge, die innerhalb von 3 Minuten bei maximalen Volumenstrom eine Abgabeeinrichtung, freigesetzt werden kann.
Im Bereich der Tankanlage sind Hinweisschilder oder Betriebsanweisungen für das Verhalten im Gefahrenfall anzubringen und Ölbindemittel bereitzuhalten.

Befüll- und Abgabeeinrichtung

Die durch Tankwagen vorgenommene Befüllung von Lagertanks mit einem Volumen von mehr als 1000 Liter darf nur über einen festen Schlauchkupplungsanschluss oder eine Sicherheitseinrichtung (Abfüll-Schlauch-Sicherung) erfolgen. Des Weiteren ist eine Überfüllsicherung (Grenzwertgeber) Pflicht. Auch die Kraftstoffentnahme zum Betanken der Fahrzeuge darf hierbei nur über eine fest mit dem Behälter verbundene, selbsttätig schließende Zapfpistole erfolgen. Behälter bis 1000 Liter dürfen vom Tankwagen aus nur über eine selbsttätig schließende Zapfpistole befüllt werden. Zum Betanken der Fahrzeuge sind bei Tanks bis 1000 Liter auch elektrisch oder von Hand betriebene Pumpen (mit Absperreinrichtung) zulässig. Lagertanks oder freistehende Zapfsäulen sind mit einem Anfahrschutz (z.B. Kantsteine, kleine Mauer, o.ä.) auszurüsten.

Lagern und Abfüllen von Frisch- / Altölen in kleinen Mengen


Die folgenden Informationen beziehen sich ausschließlich auf die Lagerung sowie das Abfüllen von Frisch- bzw. Altöl in kleinen Mengen (>100 Liter ≤ 1000 Liter). Damit ist das in Kleinwerkstätten und landwirtschaftlichen Betrieben gebräuchliche „200 Liter-Fass“ gemeint.
Für größere Mengen sind weitere Vorschriften der „Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen“ (VAwS) heranzuziehen.
Frischöle (Mineralöl, synthetisch hergestellte Öle und Öle aus nachwachsenden Rohstoffen wie z.B. Raps) verändern nach Gebrauch als Schmier- oder Hydrauliköl ihre Eigenschaft und dadurch ihre Wassergefährdungsklasse. So haben Öle vor Gebrauch unterschiedliche Wassergefährdungsklassen [WGK 0 (nicht wassergefährdend) bis WGK 2 (wassergefährdend)]. Doch nach Gebrauch durch Hitze, Oxidationsprozesse und Abrieb haben sie alle die selbe Wassergefährungsklasse, nämlich WGK 3 (stark wassergefährdend) und damit bedürfen sie besonderer Vorsicht hinsichtlich des Lagerns und Abfüllens mit Rücksicht auf den Boden, das Grundwasser und der Oberflächengewässer.

Anforderungen an Anlagen zum Lagern und Abfüllen von Frischölen und Sammeln von Altölen

Aus rein arbeitsökonomischer Sicht wird Frisch- und Altöl an einer Stelle gemeinsam gelagert. So kann das Lagern und Abfüllen von Frischöl sowie das Befüllen und Sammeln von Altöl in einem Arbeitsschritt ohne lange Wege erfolgen. Rein technisch betrachtet handelt es sich somit um eine Kombination aus Lager- und Abfüllanlage.

Daraus ergeben sich folgende Anforderungen

für Stoffe der WGK 3 mit einer Lager menge größer 100 Liter und kleiner 1000 Liter (dadurch Gefährdungsklasse C) nach der „Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen“ (VAwS):
  • Auffangwanne für die Lagerung von Ölfässer, die mind. 10 % der Gesamtlagermenge oder den Rauminhalt des größten behälters aufnehmen kann. Der größere Wert ist anzusetzen.
  • Das Befüllen und Entleeren von Ölfässern ist nur gestattet, wenn dieses über einer stoffundurchlässigen Fläche erfolgt und austretende Öle zurückgehalten werden können. 
  • Altöl ist in einem für die Altöllagerun zugelassenen Behälter zu sammeln.
  • Das Befüllen der leeren Frischölfässer bei einem Lagervolumen über 100 Liter mit Altöl ist nur zulässig, wenn diese Behälter mit einer Füllstandsanzeige und einem großen Trichter versehen sind.
  • Für die Altöllagerung (Austausch des gefüllten Fasses durch ein leeres) werden an die Fläche keine weitergehenden Anforderungen gestellt. Wird das Altöl mit einem Tankwagen abgesaugt, so ist der Standplatz des Fahrzeuges und der Verlegebereich des Absaugschlauches als eine stoffundruchlässige Fläche herzustellen.
  • Der Altölsammelbehälter muss gegen Beschädigung von außen gesichert werden (Anfahrschutz).
  • Anlagen mit oberirdischen Lagerbehältern über 100 Liter Altöl sind vor Inbetriebnahme und danach in Abständen von 5 Jahren durch einen anerkannten Sachverständigen überprüfen zu lassen.
  • Die Prüfbescheinigungen müssen bei der Cross Compliance-Abnahme den Prüfern der Landwirtschaftskammer vorgelegt werden.
  • Anlagen der Gefährdungsklasse C müssen grundsätzlich durhc die Untere Wasserbehörde genehmigt werden. Sofern für die Anlage eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung erteilt wurde, ist eine Genehmigung erforderlich.
  • Zu beachten ist, dass die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung sowohl zum Lagern als auch zum Abfüllten gelten muss.

Silagelagerung


Lagerung in Feldmieten

Die Lagerung von Futter oder Biomasse als Silage in sogenannten "Feldmieten" stellt gegenüber der geordneten Lagerung in gebauten Anlagen eine Ausnahme dar, ist aber nach wie vor weit verbreitet.
Damit einher gehen jedoch beträchtliche Risiken für Oberflächengewässer und das Grundwas-ser, da der im Silierprozess entstehende Silage-Sickersaft stark wassergefährdend ist.

Jauche, Gülle und Silagesichersaft (JGS-Anlagen)

Gemäß des Niedersächsischen Wassergesetzes (NWG) müssen Anlagen zum Lagern und Ab-füllen von Jauche, Gülle und Silagesickersäften (JGS-Anlagen) so beschaffen sein und so ein-gebaut, aufgestellt, unterhalten und betrieben werden, dass der bestmögliche Schutz der Ge-wässer / des Grundwassers vor Verunreinigung erreicht wird.

Diese Anlagen sind in jedem Fall baugenehmigungspflichtig. Bei der Planung von derartigen Anlagen ist darauf zu achten, dass die entsprechenden DIN-Vorschriften eingehalten werden.

In Schutzgebieten sind erhöhte Anforderungen (z.B. Leckerkennungssysteme) an die Anlagen erforderlich. Bezüglich weiterer Informationen wenden Sie sich bitte an die Untere Wasserbe-hörde der Stadt Celle.

Lagerung von Stallmist und Geflügelkot

Auch die Lagerung von Stallmist und Geflügelkot muss so erfolgen, dass eine Gefährdung von Boden und Gewässer/Grundwasser auszuschließen ist.

Um das zu gewährleisten sind unter anderem folgende Anforderungen einzuhalten:
  • Rindermist und Schweinemist mit weniger als 25% TS müssen mindestens 3 Wochen auf einer festen Platte mit Auffanggrube für Sickerwasser gelagert werden (Vorlage-rung).
  • Die Lagerung von Stallmist und Geflügeltrockenkot auf dem Feld darf maximal 6 Mo-nate erfolgen.
  • Die Lagerung von Geflügelfrischkot ist auf dem Feld nicht zulässig
  • Die Lagermenge auf dem Feld ist auf die dort benötigte Menge zu beschränken
Bezüglich weiterer Informationen wenden Sie sich bitte an die Untere Wasserbehörde der Stadt Celle.