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24.06.2015

Pressemitteilung der Gleichstellungsbeauftragten aus der Stadt Celle zum Vortrag von Frau Luca Lehmann (,Beratungsstelle Braunschweig' der Menschenrechts- und Hilfsorganisation SOLWODI Niedersachsen e.V.) am 23. Juni, 16:30-18 Uhr

CELLE: Prostitution blüht im Dunkeln und ist zu einem Milliardengeschäft geworden. Schutz und Rechte von Prostituierten müssen verbessert werden.

Das Celler Frauenforum hatte am Dienstag (23.6.15) die Menschenrechts- und Hilfsorganisation SOLWODI Niedersachsen e.V. zu Gast. In ihrem Vortrag zu Frauenhandel und Prostitutionsgesetzgebung berichtete die Diplom Pädagogin Luca Lehmann von der ‚Beratungsstelle Braunschweig‘ über den aktuellen Diskussionsstand zur Änderung der Prostitutionsgesetze auf Bundesebene. Nach Einschätzung vieler Frauenorganisationen sind Schutz und Rechte der Frauen nach der Gesetzesänderung im Jahr 2002 zu kurz gekommen.

In dem Vortrag wurde deutlich, dass Prostitution und Menschenhandel mit statistischen Mitteln nicht zu fassen sind. Über eine informierte Öffentlichkeit und die Arbeit in Beratungsstellen werden unwürdige Lebensbedingungen und die an Prostituierten begangene Gewalt aufgedeckt und Verstöße gegen die im Artikel 1 des Grundgesetzes garantierte unantastbare Würde des Menschen sichtbar. Denn die betroffenen Frauen schweigen meist aus Angst. Anlauf- und Beratungsstellen bieten Hilfe an geschützten Orten, zeigen Ausstiegsmöglichkeiten auf. Sie bringen ihre Fachkompetenz in die Gesetzgebungsprozesse ein.

In der Folge der Gesetzesänderung von 2002 sind nicht die Freiheits- und Menschenrechte der Frauen sind gestärkt worden. Vielmehr hat sich ein Riesenmarkt mit Milliardenumsätzen entwickelt auf dem die Macht des Geldes herrscht. „Geld bestimmt den Willen der Beteiligten und eben dieses Geld fördert die Zuhälterei. Durch Geld wird der Körper der Frau zum Gebrauch gekauft. Dadurch wird die Frau entpersonalisiert“, erläutert Luca Lehmann.

Neuere Forschungsergebnisse zeigen, dass „Prostituierte erheblichen psychischen und physischen Gefährdungen ausgesetzt sind“ (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Jan. 2014). Selbstbestimmung und Gesundheit der Frauen stehen zur Disposition. Zum Schutz der Frauen und Minderjährigen fordert SOLWODI ein Verbot des Sexkaufs. Denn: „Der weibliche Körper darf nicht als Handelsware dienen“, unterstreicht Luca Lehmann.

Bis dieses Fernziel erreicht ist, sind Mindeststandards, verschärfte Gesetzte, Aufklärung, Beratung und Ausstiegshilfen nötig. „Wir brauchen aktive Frauen- und Menschenrechtsorganisationen, die Partei für Frauen in Not ergreifen. Der Vortrag hat eindrücklich gezeigt, wie groß die Not vieler Prostituierter ist, die unter den Folgen von Zwang, Gewalt und organisierter Kriminalität leiden. Daher ist auch die Arbeit der Beratungsstellen vor Ort und um Celle herum so wichtig. Die Möglichkeit sich anonym an eine Beratungsstelle zu wenden und dort von Fachkundigen begleitet zu werden, eröffnet Wege aus existenzieller Abhängigkeit hin zu mehr Macht über die eigene Lebensgestaltung“ unterstreicht die städtische Gleichstellungsbeauftragte, Rosemarie Lüters.

Prostituierte können sich direkt an SOLWODI oder an die Beratungsstellen vor Ort wenden, wenn Sie psychosoziale Betreuung und Beratung benötigen. Nähere Auskünfte erhalten Sie bei der Stadt Celle, Rosemarie Lüters unter Tel. 05141 12 568 oder gleichstellung@celle.de.