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Stolpersteine: Eckart Willumeit - Caroline-Mathilde-Straße 22

Eckart Willumeit kam am 21. Juni 1928 in Celle zur Welt. Seine Eltern waren Marie Else und der Malermeister Gottlieb Willumeit. Eckart hatte drei ältere Brüder, sowie eine Schwester, von der aber nicht bekannt ist, ob sie älter oder jünger war. Der Vater gehörte bis 1933 als Vertreter der NSDAP dem Bürgervorsteherkollegium an. Nachdem sich die Eltern getrennt hatten, zog die Mutter die Kinder alleine groß.

In der Krankenakte heißt es, dass Eckart Willumeits Aussehen „schon kurz nach der Geburt eigenartig“ gewesen sei. Er habe erst spät angefangen zu laufen und zu sprechen, wird als „entwicklungsverzögert“ und „mongoloid“ beschrieben. Die Schule und auch die Hilfsschule nehmen ihn nicht auf. 1937 ordnet das Celler Gesundheitsamt eine erste amtsärztliche Untersuchung an, das Ergebnis:

„Im ganzen gesehen hat man den Eindruck, daß es noch bildungsfähig ist, jedoch scheint die Mutter nicht in der Lage zu sein, sich derart mit dem Kinde zu beschäftigen, daß davon ein Erfolg zu erhoffen ist. Um einer drohenden vollständigen Verblödung vorzubeugen, halte ich eine Aufnahme in eine entsprechende Anstalt, z. B. Langenhagen, jetzt für dringend erforderlich.“

Am 13. August 1937 wird Eckart Willumeit in die Landes Heil- und Pflegeanstalt Hannover Langenhagen aufgenommen. Seine Mutter hatte nur zögerlich zugestimmt und ihn schließlich persönlich nach Langenhagen gebracht. Zwischen ihr und ihrem Sohn, von einer Krankenschwester unterstützt, entwickelte sich in der Folgezeit ein reger Briefverkehr, der davon zeugt, dass Eckart in Celle ein behütetes, von Fürsorge geprägtes Leben geführt hatte. Die Mutter besuchte ihn regelmäßig, Weihnachten durfte er zu Hause verbringen. In der Krankenakte ist vermerkt, dass Eckart sich gut eingelebt habe, ihm wird „Entwicklungsfähigkeit“ bescheinigt, er besucht nun auch die Schule.

Im März 1938 wird Eckart Willumeit mit anderen Kindern in die Anstalten der Inneren Mission Rotenburg a. d. Wümme verlegt. Er wurde dadurch in seiner Entwicklung massiv zurückgeworfen, sowohl körperlich als auch geistig. Die Mutter kann ihn nicht mehr regelmäßig besuchen, weil Rotenburg nur schwer für sie zu erreichen ist. Auch der Briefverkehr scheint abgerissen zu sein. In Rotenburg erkrankt Eckart zweimal schwer: zuerst eine Lungenentzündung, dann eine Grippe. Nachdem er von den Krankheiten genesen und in eine Außenstelle der Inneren Mission verlegt worden war, besserte sich sein Zustand.

Am 9. Oktober 1941 wurde Eckart Willumeit zusammen mit 129 weiteren Kindern in die „Kinderfachabteilung“ in Lüneburg verlegt. Hier wird er wieder krank. Über seinen Gesundheitszustand erhält die Mutter nur nichtssagende Mitteilungen. Eckart Willumeit stirbt am 18. Februar 1942. Er wurde 13 Jahre alt. Die offizielle Todesursache lautete „katarrh. Lun-genentzündung“. Obwohl Eckart keine seltene Krankheit oder Behinderung hatte, wurde eine Sektion durchgeführt und sein Gehirn entnommen und präpariert. Solches „Forschungsmate-rial“ lieferte die Lüneburger „Kinderfachabteilung“ regelmäßig an die Hamburger Universitätsklinik Eppendorf. Hier wurden auch Gehirnschnitte Eckart Willumeits 70 Jahre später wiedergefunden. Die Mutter wird über den Tod ihres Sohnes mit einem knappen Telegramm informiert. Eckart soll auf dem Friedhof der „Heilanstalt“ beigesetzt werden, seine Mutter setzt sich aber erfolgreich für eine Überführung nach Celle ein. In der Bescheinigung für die Überführung ist zu lesen:

„[…] starb in hiesiger Anstalt der Knabe Eckart-Adolf Willumeit aus Celle an katarrh. Lungenentzündung bei Mongoloide Idiotie und bdrs. Hilusdrüsentuberkulose. […] Der Tod ist nicht durch Gewalteinwirkung eingetreten.“

In Eckart Willumeits Krankenakte finden sich seit seiner Ankunft in Lüneburg nur noch wenige Eintragungen. Das wenige, was sich dort findet, lässt aber mit hoher Wahrscheinlichkeit den Schluss zu, dass Eckart durch eine Überdosierung des Medikaments Luminal ums Leben kam. Wie die meisten seiner Mitpatienten, die nach nur wenigen Monaten in Lüneburg starben. Dass Eckart Willumeit zu „wissenschaftlichen Zwecken“ getötet wurde, ist nicht mehr auszuschließen.