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Stolpersteine: Wilhelm Benecke - Hattendorfstraße 121


von Dr. Carola Rudnick

Wilhelm Benecke wurde am 27. September 1884 in Bevensen geboren. Er hatte zwei Schwestern und zwei Brüder. Wilhelm tat sich im Unterschied zu seinen Geschwistern schwer mit der Schule und erlernte keinen Beruf. Er wohnte als „Haussohn“ bei seinen Eltern und konnte nur durch Hilfsarbeiten zum Unterhalt beitragen. Im Alter von 38 Jahren zog Wilhelm Benecke zu seiner Schwester in die Hattendorffstr. 121 nach Celle. Ein Jahr später, im Jahr 1923 kam er mit seiner linken Hand in eine Ölmaschine und verlor bei dem Unfall zwei Finger. Zwei weitere Finger blieben steif. Infolgedessen bezog er eine kleine Rente, die jedoch ebenfalls nicht ausreichte, um davon alleine leben zu können.
Im Februar 1936 wurde er dem Amtsarzt des Gesundheitsamtes Celle vorgestellt. Da der inzwischen 51-jährige Wilhelm Benecke geistige Ausfälle habe, sich störrisch verhielte und seiner Schwester gegenüber gewalttätig gewesen sei, beantragte sein Schwager die Aufnahme in eine psychiatrische Einrichtung. Da eine Gemeingefährlichkeit jedoch zunächst nicht festgestellt werden konnte, wurde eine Aufnahme in der Pestalozzi-Stiftung in Großburgwedel empfohlen. Einen Monat später korrigierte der Amtsarzt seine Empfehlung. Am 4. April 1936 wurde Wilhelm Benecke daraufhin in die Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg aufgenommen.
Weil Wilhelm Benecke nach Auffassung der behandelnden Psychiater „zur Arbeit nicht zu gebrauchen“ war, wurde er in die Außenstelle Oerrel verlegt. Dort wurden Patient*innen zu landwirtschaftlichen Tätigkeiten „erzogen“. Am 29. Mai 1936 wurden Wilhelm Beneckes Fähigkeiten mit Hilfe eines Intelligenzbogens geprüft. Obwohl er nur wenige Fehler machte – so wusste er beispielsweise nicht, was sich hinter dem Kürzel „S. A.“ verbarg und wer der amtierende Reichskanzler war – kam der Arzt zu dem Ergebnis, Wilhelm Benecke sei „stumpf, ohne jede Einsicht“ und leide an „Schwachsinn“. Da sich Beneckes Zustand nicht verbesserte, er „untätig herumsteht“, kam er Ende 1939 wieder zurück in die Hauptanstalt nach Lüneburg. Erst kurz vor seiner Verlegung in die „Aktion T4“ habe er begonnen, sich in der Anstaltsküche „nützlich“ zu machen. Zu spät. Mit der knappen Beurteilung „Unzufrieden, arbeitsschwach […] stumpf“ wurde Wilhelm Benecke am 23. April 1941 in die Zwischenanstalt Herborn und von dort am 21. Mai 1941 in die Tötungsanstalt Hadamar verlegt. Er wurde am Tag seiner Ankunft mit Kohlenmonoxid vergast.

Quellen:
NLA Hannover Hann. 155 Lüneburg Acc. 2004/066 Nr. 7573
BArch R-179 Nr. 24250
HHStAW, Abt. 461 Akte 32061 Bd.17

Angehörige können sich gerne an Frau Dr. Carola S. Rudnick / an die "Euthanasie"-Gedenkstätte Lüneburg wenden unter info@gedenkstaette-lueneburg.de  bzw. (04131) 60 883 72.