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Jenny Schlüsselburg – Großer Plan 2/3

Jenny Schlüsselburg, geb. Neiovetz, am 1. Dezember 1881 in Marmaros-Sziget, Ungarn, geboren, besaß das Haus Hinter den Höfen 4. Hier lebten sie und ihr nichtjüdischer Ehemann Heinrich und betrieben ein Bordell. Am 15. November 1938 wurde ihnen „jegliches Abvermieten von Zimmern an Personen weiblichen Geschlechts“ verboten, mit der Begründung: „Mit Rücksicht auf Ihre jüdische Abstammung stellt Ihr Geschäftsbetrieb eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung dar.“

Am 19. November 1938 verkaufte Jenny Schlüsselburg ihr Grundstück für 8000 Mark. Der Verkauf wurde jedoch nicht genehmigt. Sie wollte dann an ihren Ehemann verkaufen, was die Bezirksregierung aber auch nicht genehmigte, mit der Begründung, dass „die Stadt Celle dieses Grundstück für eine neu anzulegende Straße benötigt“. Die Stadt kaufte das Grundstück im März 1940. Zu diesem Zeitpunkt wohnten Schlüsselburgs bereits zur Miete im Haus des jüdischen Kaufmanns Robert Meyer, Großer Plan 2/3. Bereits der erste Versuch, das Haus zu verkaufen, hatte die Behörden auf den Plan gerufen, die die Schlüsselburgs verdächtigten, dass Haus verkaufen zu wollen, um Deutschland zu verlassen. Um nun die „Ansprüche des Reiches auf Reichsfluchtsteuer“ zu sichern, erging ein „Sicherheitsbescheid“ über 17.000 RM.

Zuvor, im Jahr 1939, mussten Schlüsselburgs bereits 4.200 RM „Sühneabgabe“ und 1.050 RM „Judenvermögensabgabe“ bezahlen. Mit Ersterer sollten die Juden selber für die während des Pogroms am 9./10. November 1938 verursachten Schäden aufkommen.

Im Februar 1943 wurden Jenny und Heinrich Schlüsselburg verhaftet. Während Heinrich – ohne Angabe von Gründen verhaftet – nach einer Woche entlassen wurde, überstellte die Gestapo seine Frau am 6. März 1943 in das Polizeigefängnis Hamburg-Fuhlsbüttel, von wo sie am 29. April nach Auschwitz deportiert wurde. Hier kam sie am 12. September 1943 ums Leben.