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Marienwerder-Zimmer im Alten Rathaus

Am 18. Oktober 1953 übernahm die Stadt Celle die Patenschaft für die Heimatvertriebenen aus Stadt und Kreis Marienwerder. Manche Gemeinsamkeiten der beiden Städte wie Oberlandesgericht und Landgestüt spielten bei der Wahl der Patenstadt eine Rolle. Neben verschiedenen Erinnerungsstätten in der Stadt wie Straßennamen, an Marienwerder und Umgebung erinnern, oder dem Gedenkstein in den Triftanlagen für die Toten der Heimat war das Zusammentragen von Erinnerungsstücken im Marienwerder-Archiv eine wesentliche Aufgabe. Das Marienwerder-Archiv wuchs stetig: Nachlässe ehemaliger Marienwerderer, einzelne Objekte, Bilder und Schriftstücke, die von den Vertriebenen aus der Heimat mitgebracht wurden, kamen in die Sammlung und somit in die Ausstellung. Anfangs reichten zwei Nebenräume im Stadtarchiv, das damals im Gebäude Am Markt 4-6 untergebracht war, um die Sammlung zu präsentieren. In knapp 12 Jahren wuchs sie jedoch soweit an, dass neue, größere Räume notwendig wurden. In der Kalandgasse, heute Verwaltung des Bomann-Museums, fand das "Erinnerungszentrum für Marienwerder" auf verdoppelter Ausstellungsfläche 1965 eine neue Bleibe.

Knapp zwanzig Jahre wurde die Ausstellung an zentraler Stelle in der Nähe von Stadtkirche und Rathaus präsentiert, bis die Museumsverwaltung das Gebäude schließlich insgesamt benötigte. Die neuen Ausstellungsräume für das Marienwerder-Zimmer befanden sich Am Heiligen Kreuz 16 und wurden eigens für die Ausstellung ausgestattet. Nach 13 Jahren Am Heiligen Kreuz 16 erfolgte im Juni 1997 ein Umzug der Ausstellung in die Ross'sche Villa an der Magnusstraße 2. Die Sammlung war inzwischen so umfangreich, dass ein großer Teil magaziniert im Stadtarchiv verwahrt und nur einzelne herausragende Stücke in neuer Zusammenstellung der Öffentlichkeit präsentiert wurden. Besonders zu erwähnen sind die großen Modelle des Schlosses mit Dansker, ein wertvolles Korkmodell der Stadt und eine Vielzahl von historischen Plänen und Fotografien. Seit der letzten Überarbeitung der Ausstellung im Jahr 2011 wird auch auf die 1992 geschlossene Partnerschaft mit der polnischen Stadt Kwidzyn (Marienwerder) hingewiesen. Seit 2015 befindet sich die Ausstellung im Alten Rathaus und kann während der Öffnungszeiten besichtigt werden.

Von Beginn an hatte das Marienwerder-Archiv/das Marienwerder-Zimmer eine zentrale Bedeutung in der Erinnerung der ehemaligen Marienwerderer. Zu den jeweils seit 1953 in Celle stattfindenden Treffen der Heimatvertriebenen und ihrer Familien war und ist das Marienwerder-Zimmer erster Anlaufpunkt in Celle.