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SACHBUCH | Elisabeth Tova Bailey: Das Geräusch einer Schnecke beim Essen. 2014

Eine schwere Krankheit zwingt die Autorin für lange Zeit zur Bettlägerigkeit. Auch kann sie ihr Haus auf dem Land vorübergehend nicht mehr bewohnen, sondern wird in einer kleinen Stadtwohnung betreut.

Eine Freundin bringt ihr als Gruß aus der Heimat ein Veilchen mit, das sie aus dem Garten der Kranken ausgegraben hat. Es steht nun umgetopft auf einem Untersetzer auf der Fensterbank.

Vom Bett aus beobachtet die Kranke, dass gemeinsam mit der Blume auch eine Schnecke unfreiwillig mit zu Gast ist. Nun hat sie auch noch Verantwortung für ein Tier, das kann sie in ihrem Zustand gar nicht gebrauchen.

Sie beobachtet vom Bett aus den entschleunigten Tagesrhythmus ihrer Mitbewohnerin: sie schläft an einer bestimmten Stelle unter einem Blatt, erkundet die Umgebung und ernährt sich von abgestorbenen Pflanzenteilen. Der langweilige Speiseplan wird durch Gemüsereste ergänzt, wobei rohe Champignons besonderen Gefallen finden.

Genug Zeit zum intensiven Betrachten der einzelnen Kaubewegungen ist vorhanden und in der Stille des Krankenzimmers sind Kaugeräusche zu vernehmen! Wer es nicht glaubt, kann es sich im Internet anhören…

Um ihr den unfreiwilligen Aufenthalt zu erleichtern, wird ein Terrarium eingerichtet und per Fernleihe Fachliteratur über Weichtiere bestellt.

Zwischen den täglichen Beobachtungen sind nun auch Erkenntnisse aus der Fachwelt eingeflochten, die nach und nach den Blickwinkel der Autorin auf ihr eigenes Leben und dessen Endlichkeit verändern. Das Überleben einer Art hat nichts mit Größe zu tun, vielleicht sind Schnecken mit mehr Rüstzeug ausgestattet als der Mensch.

Ein gesunder Mensch in seinem Alltag hätte die Schnecke wahrscheinlich noch nicht einmal bemerkt. Ruhe ist nötig, um die Langsamkeit leben zu können.

Ein besonderes Buch und ein absoluter Lesegenuss!

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