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01.03.2021

ROMAN | Mary Basson: Die Malerin. 2017

Mary Basson arbeitet in der größten nordamerikanischen Gemäldesammlung Gabriele Münters, im Milwaukee Art Museum. Sie kennt sich aus mit der Künstlerin, hat aber kein kunsthistorisches Fachbuch sondern einen Roman geschrieben, der Fiktives aus dem Leben der Malerin zulässt.

Die junge Gabriele, genannt Ella, will Malerin werden, obwohl Anfang des 20. Jahrhunderts noch keine Frauen an der Kunstakademie München zugelassen werden.

Stattdessen besucht sie die Malschule „Phalanx“ und lernt dort ihren Lehrer Wassily Kandinsky kennen. Während eines Malaufenthaltes 1902 in Kochel am See kommen sich die beiden nicht nur in ihrer Kunst näher. Die arglose Ella erfährt allerdings erst bei dem unerwarteten Besuch seiner Cousine, dass er mit dieser verheiratet ist. Völlig enttäuscht reist sie ab, kann aber ihren Lehrer und Geliebten nicht vergessen, so dass sie wenig später an die Malschule zurückkehrt. Die Liaison geht weiter. Ein Jahr lang ist Kandinsky ihr Lehrer, er trennt sich von seiner Ehefrau und lebt mit Ella in einer offenen Beziehung zusammen. Immer wieder verspricht er ihr die Ehe, täuscht Ella in seinem egoistischem Verhalten und ist nur an seiner eigenen Karriere interessiert. Sie gerät dadurch immer mehr in den Schatten ihres Geliebten. bestärkt ihn aber weiterhin als Künstler und Mitbegründer des „Neuen Reiter“. Während Murnau und das gemeinsame gelbe Haus Treffpunkt für diese neue Künstlervereinigung wird, gerät Ellas Kunst völlig in Vergessenheit. Als der 1. Weltkrieg ausbricht, muss Kandinsky aus fadenscheinigen Gründen nach Russland reisen. Von dort kehrt er nicht zu Ella zurück, sondern heiratet eine jüngere Russin und zieht nach Weimar, um dort am Bauhaus zu lehren. Ella erlebt eine tiefe seelische Krise, von der sie sich nur langsam erholen kann. Trotz dieser Lebensenttäuschung wird sie später seine Bilder vor den Nazis retten und für die Nachwelt erhalten.

Wer einen kleinen Eindruck von der Beziehung zwischen diesen beiden Charakteren bekommen möchte und leichte Unterhaltung mag, wird dieses Buch verschlingen. Wer das emanzipatorische Porträt einer mutigen Künstlerin erwartet, wird allerdings enttäuscht werden.  


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