Seiteninhalt

Kleinkläranlage

Kleinkläranlagen sind dezentrale Anlagen zur Reinigung von häuslichem Schmutzwasser bis zu einer Abwassermenge von 8m³ pro Tag (Kleineinleitungen), das entspricht dem Abwasseranfall von etwa 50 Personen. Waren Kleinkläranlagen früher eine reine Übergangslösung, haben sie sich mittlerweile, auch aufgrund des technischen Fortschritts in der Anlagentechnik, zu einer dauerhaften Lösung in der Abwasserreinigung entwickelt.
Überall dort, wo kein Anschluss an die öffentliche Schmutzwasserentsorgung vorhanden ist, muss das Abwasser mittels Kleinkläranlagen gereinigt und abgeleitet werden.
Im Stadtgebiet der Stadt Celle werden derzeit ca. 500 Kleinkläranlagen betrieben. Diese Anlagen befinden sich hauptsächlich in den Ortsteilen Hustedt, Osterloh, Alvern und Hornshof sowie auf einigen Grundstücken in Ortsrandlage.
Bei der Stadt Celle ist die Untere Wasserbehörde (UWB) zuständig für das Thema Kleinkläranlagen.

Rechtslage bei Neubau und Nachrüstung

Das Niedersächsisches Wassergesetz (NWG) regelt, dass die Gemeinden das auf Ihrem Gebiet anfallende Abwasser einschließlich des in Kleinkläranlagen anfallenden Schlamms und des in abflusslosen Gruben gesammelten Abwassers zu beseitigen haben.
 
Per Satzung kann die Gemeinde für bestimmte Teile des Gemeindegebietes vorschreiben, dass die Nutzungsberechtigten der Grundstücke häusliches Abwasser durch Kleinkläranlagen zu beseitigen haben. Diese Regelungen hat die Stadt Celle in der Satzung zur Übertragung der Abwasserbeseitigungspflicht für das Stadtgebiet (Übertragungssatzung) getroffen.
 
Die Einleitungsgrenzwerte für Abwasser aus Kleineinleitungen sind in Anhang 1, Größenklasse 1, der Verordnung über Anforderungen an das Einleiten von Abwasser in Gewässer (Abwasserverordnung - AbwV) festgelegt. 
 
Die Anforderungen hiernach gelten als eingehalten, wenn eine KKA eingebaut und betrieben wird, für die das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (baZ) vergeben hat. In dieser Zulassung sind Anforderungen an den Einbau, den Betrieb und die Wartung der KKA festgelegt, so dass eine an die Einleitungsgrenzwerte ausgerichtete Funktionsweise gewährleistet ist.
 
Mit dem Kleinkläranlagen-Erlass des Nds. Umweltministeriums vom 21.12.2011 sind bei Neubauten und Nachrüstungen grundsätzlich nur noch Kleinkläranlagen mit einer baZ zu errichten. Hiervon abweichend können bei Neubauten von Pflanzenkläranlagen auch Anlagen nach dem Arbeitsblatt DWA-A 262 vom März 2006 zum Einsatz kommen. Die Einhaltefiktion nach AbwV gilt für diese Anlagen jedoch nicht, so dass hier eine behördliche Überwachung der Ablaufwerte erforderlich ist.
 
Der Erlass trifft ferner Regelungen zum Weiterbetrieb bestehender Kleinkläranlagen, die noch an den geltenden Stand der Technik anzupassen sind. Dieses sind Anlagen ohne Abwasserbelüftung, die den Regeln der DIN 4261 Teil 1 von 1991 entsprechen (Untergrundverrieselung, Filtergraben, Sickerschacht), die aus Gründen des Bestandsschutzes bis zum Ende ihres 15-jährigen Abschreibungszeitraumes, längstens bis zum 31.12.2017, weitergenutzt werden können.
 
Die Ableitung des gereinigten Abwassers in das Grundwasser ist nach geltender DIN 4261 Teil 5 vom November 2011 vorzunehmen. Hiernach werden Anforderungen an den Bau, den Betrieb und die Wartung von Versickerungsanlagen für biologisch aerob behandeltes häusliches Schmutzwasser geregelt.
 
Bereits der Erlass des MU vom 26.07.2002 zur Änderung der Abwasserverordnung und Neufassung der DIN 4261 Teil 1 vom Dezember 2002 stellt ausdrücklich fest, dass Wartungsverträge abzuschließen sind, um die regelmäßige Kontrolle und fachgerechte Wartung von Kleinkläranlagen mit dem Ziel einer dauerhaft stabilen Reinigungsleistung sicher zu stellen. Die Wartung darf nur von Fachkundigen durchgeführt werden, die nach Anleitung der baZ und der darin genannten Wartungshäufigkeit vorgehen.     

Planung ist das A und O

Die UWB unterstützt die Betreiber von Kleinkläranlagen in allen Fragen rund um das Thema dezentrale Abwasserbeseitigung und berät unabhängig bei Neubau oder Nachrüstung einer Anlage – kostenlos und gerne auch bei Ihnen vor Ort.

Um eine optimale Lösung zu bekommen, sind u. a. folgende Kriterien im Beratungsgespräch mit Fachfirmen und der UWB zu erörtern:

  • Können vorhandene Behälter weitergenutzt werden?
  • Wie groß ist die zur Verfügung stehende Fläche auf dem Grundstück? 
  • Wie viele Einwohner sollen an die Kleinkläranlage angeschlossen werden? 
  • Wie hoch ist der Grundwasserstand? 
  • Wohin kann das gereinigte Abwasser abgeleitet werden - Fließgewässer oder Grundwasser? 
  • Welches Verfahren kommt in Frage - technisch oder naturnah? 
  • Wie muss die Anlage bemessen werden? 
  • Wie erfolgt die fachkundige Wartung der Kleinkläranlage?

Eine detaillierte Produktberatung kann die Herstellerfirma liefern. Mit der Planung und dem Einbau von Kleinkläranlagen sind Fachplaner und Tiefbaufirmen zu beauftragen. Listen ortsüblicher Firmen können auf Anfrage von der UWB ausgehändigt werden.

Genehmigungsverfahren

Die wasserrechtliche Erlaubnis für die Einleitung von Abwasser aus Kleinkläranlagen erteilt die UWB. Hierzu gibt es in Niedersachsen zwei unterschiedliche Verfahren: Das „Anzeigeverfahren“ und das „Erlaubnisverfahren“.

Anzeigeverfahren

Nach § 96 Abs. 6 Nds. Wassergesetz (NWG) gilt die Erlaubnis zur Einleitung von Abwasser als erteilt, wenn die Errichtung (Neubau) oder wesentliche Änderung (Nachrüstung) einer Kleinkläranlage vor Beginn des Bauvorhabens der UWB angezeigt wird.
 
Die Anzeige erfolgt mittels eines behördlichen Vordrucks, der bei der UWB erhältlich ist, und muss mindestens 4 Wochen vor Baubeginn vollständig bei der UWB eingereicht werden. Die erforderlichen Unterlagen sind im Vordruck aufgelistet.
Dieses Verfahren ist nur bei Kleinkläranlagen mit allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung (baZ) möglich und generell üblich.
Der Umfang der einzureichenden Unterlagen unterscheidet sich nicht vom Erlaubnisverfahren, allerdings ist das Anzeigeverfahren für die Kleinkläranlagenbetreiber kostenlos, da die UWB für die Prüfung der Anzeige keine Genehmigungsgebühr erhebt.

Erlaubnisverfahren

Beim Erlaubnisverfahren wird mit dem Einreichen des Wasserrechtsantrags bei der UWB die wasserrechtliche Erlaubnis zum Einleiten des gereinigten Abwassers in ein Gewässer beantragt.
 
Der Antrag erfolgt mittels eines behördlichen Vordrucks, der bei der UWB erhältlich ist, und muss mindestens 4 Wochen vor Baubeginn vollständig bei der UWB vorliegen. Die erforderlichen Unterlagen sind im Vordruck aufgelistet.
Wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind, erteilt die UWB eine Wasserbehördliche Erlaubnis, für die eine Genehmigungsgebühr erhoben wird.
Bei Kleinkläranlagen ohne baZ, wie ein Pflanzenbeet nach DWA-A 262, ist das Erlaubnisverfahren verpflichtend, bei Kleinkläranlagen mit baZ kann es wahlweise durchgeführt werden.   
Befindet sich ein Grundstück innerhalb des Wasserschutzgebietes für das Wasserwerk Garßen, erteilt die UWB sowohl im Anzeigeverfahren als auch im Erlaubnisverfahren die erforderliche Ausnahmegenehmigung nach Wasserschutzgebietsverordnung, für die eine Gebühr erhoben wird.

Welche Gebühren fallen mit der Genehmigung an?

  • Das Beratungsgespräch mit der UWB – auch vor Ort – ist gebührenfrei. 
  • Für die Zustimmung zur Anzeige einer nach Bauart zugelassenen KKA im Anzeigeverfahren gem. §96 (6) NWG werden keine Gebühren erhoben. 
  • Für die Erteilung einer wasserbehördlichen Erlaubnis im Erlaubnisverfahren nach § 8 WHG beträgt die Gebühr 180 €. 
  • Für die Ausnahmegenehmigung nach Wasserschutzgebietsverordnung werden 40 € Gebühr erhoben. 
  • Die Abnahme durch die UWB bei Fertigstellung der Kleinkläranlage ist für einen einmaligen Termin vor Ort gebührenfrei.

Betrieb der KKA - Eigenkontrolle, Wartung und Fäkalschlammabfuhr

Der ordnungsgemäße Betrieb von Kleinkläranlagen beinhaltet eine regelmäßige Eigenkontrolle durch den Betreiber, eine regelmäßige Wartung und ggfs. erforderliche Instandsetzungen durch Fachkundige sowie die rechtzeitige Fäkalschlammabfuhr.
 
Die behördliche Überwachung erfolgt durch die UWB.

Eigenkontrolle

Eigenkontrollen dienen dazu, den Betrieb der Kleinkläranlage auch zwischen den einzelnen Wartungen im Auge zu haben – ähnlich wie die Ölstandskontrolle beim Auto.
 
Es müssen regelmäßig einfache Funktionskontrollen wie z. B.

  • Stromversorgung gegeben?
  • Wurde Alarm ausgelöst?
  • Staut Abwasser zurück?
  • Ist die Versickerung ausreichend?
  • Sind Leitungen verstopft?
  • Sind auf dem Pflanzenbeet zu viele Fremdpflanzen, die beseitigt werden müssen?
durchgeführt werden.
 
Besondere Fachkenntnisse sind hierfür nicht erforderlich, dennoch sind die Eigenkontrolle entscheidend für einen lange Lebensdauer und den wirtschaftlichen Betrieb der Anlage. 
 
Festgestellte Mängel sind unverzüglich durch den Betreiber oder eine Fachkraft zu beheben und im Betriebsbuch aufzuführen. Die UWB steht beratend zur Seite.

Wartung

Kleinkläranlagen sind regelmäßig durch Fachkundige unter Beachtung der allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung (baZ) bzw. der Betriebs- und Wartungsanleitung der Kleinkläranlage sowie der Anforderungen aus der wasserbehördlichen Erlaubnis zu warten.
 
Die Häufigkeit der Wartung variiert ja nach Reinigungsverfahren. Im Allgemeinen müssen naturnahe Analgen ein bis zweimal und technische Anlagen zwei bis dreimal pro Jahr gewartet werden.
 
Die Wartungsbeauftragten haben ihre Fachkunde durch die Teilnahmebescheinigung an einem landesüblichen Lehrgangssystem bei der UWB nachzuweisen. Dieses Fachkunde-Zertifikat wird einer Einzelperson erteilt und nicht einer Firma. Manche Herstellerfirmen bieten eigene Wartungskurse an und koppeln ihre Garantiebedingungen an die Wartung durch firmeneigenes Personal.
 
Zur Wartung  zählen je nach Reinigungsverfahren u. a. folgende Arbeiten: 

  • Einsichtnahme in das Betriebsbuch
  • Funktionskontrolle und ggfs. Austausch von maschinellen, elektrotechnischen und sonstigen Anlagenteilen
  • Funktionskontrolle und ggfs. Einstellung der Steuerung und Alarmfunktion
  • Schlammspielgelmessung und Beurteilung, ob entschlammt werden muss
  • Durchführen von Reinigungsarbeiten
  • Probenahme zur chemischen Analyse des Ablaufs
  • Kontrolle der Einleitung in ein Gewässer. 

Jede Wartung ist über ein Wartungsprotokoll zu dokumentieren, das Protokoll ist der UWB vorzulegen.

Fäkalschlammabfuhr

Die Entschlammung der Kleinkläranlagen erfolgt bedarfsgerecht. Voraussetzung hierfür ist, dass im Rahmen der Wartung regelmäßig die Schlammspiegelmessung durchgeführt wird. Ihr Wartungsunternehmen wird Sie über das Erfordernis der Entschlammung informieren.  
 
In der Stadt Celle darf nur der Klärwerk- und Kanalbetrieb die Kleinkläranlagen entschlammen. Hier ist die Entschlammung durch Sie oder Ihren Wartungsbeauftragten telefonisch zu beauftragen.
 
Wichtig ist, dass die KKA nach erfolgter Entschlammung wieder vollständig mit Frischwasser oder Brunnenwasser aufgefüllt wird. Das verhindert schädlichen Schlammabtrieb und ist bei Pflanzenbeeten wichtig, damit das Schilf sowie die Biologie im Filterkörper nicht unter Wassermangel leiden.

Gebühren

Behördliche Überwachung von Kleinkläranlagen

Auf Grundlage des Erlass des Nds. Ministeriums für Umwelt- und Klimaschutz vom 21.12.2011 sind bestimmte KKA behördlich zu überwachen.

Die Erlassregelung gilt im Wesentlichen für folgende Anlagen:

  1. Pflanzenbeete, die nicht nach den Grundsätzen des DWA Arbeitsblatt A-262 errichtet wurden, entsprechen nicht dem geforderten Stand der Technik (S.d.T.).
  2. Für Pflanzenbeete, die gem. den Grundsätzen des Arbeitsblattes ATV A-262 (Juli 1998) oder dem DWA Arbeitsblatt A-262 (März 2006) errichtet wurden, gelten die Anforderung der Abwasserverordnung[1] bis zum Ende Ihres Abschreibungszeitraumes (15 Jahre) als eingehalten.
  3. Filtergräben und optimierte Sandfiltergräben entsprechen ebenfalls nicht mehr dem geforderten Stand der Technik.
  4. Sonstige mechanisch-biologische KKA, die ohne gültige Bauartzulassung errichtet wurden oder deren Bauartzulassung abgelaufen ist und nicht erneuert wurde.

Spätestens ab dem 01.01.2018 sind alle o.g. KKA behördlich zu überwachen (auch wenn der Abschreibungszeitraum von 15 Jahren nicht abgelaufen ist).

Im Rahmen einer behördlichen Überwachung muss nachgewiesen werden, dass die Anlagen den Anforderungen nach dem S.d.T. entsprechen. Zum Nachweis wird eine Stichprobe aus dem Ablauf der KKA entnommen und analysiert. Der Chemische Sauerstoffbedarf (CSB) ist mit 150 mg/l einzuhalten, der Wert für den Biologischen Sauerstoffbedarf innerhalb von 5 Tagen (BSB5) mit 40 mg/l.

Aus Gründen des Umweltschutzes ist als gleichwertiges Verfahren die Bestimmung des TOC (total organic carbon > gesamter organisch gebundener Kohlenstoff) zulässig, wonach der 4-fache Wert des TOC als CSB gilt und einzuhalten ist. Dieser Parameter wird seitens der Stadt Celle zur Beurteilung herangezogen.

Der Erlass sieht vor, dass Anlagen, die den Grenzwert überschreiten, entsprechend nachzurüsten oder durch neue KKA zu ersetzen sind.

Die Beprobung der Anlage erfolgt durch ein akkreditiertes Labor. Seitens der Unteren Wasserbehörde findet parallel eine Prüfung der KKA auf technische und substantielle Mängel statt. Bei Bedarf können einzelne Punkte bereits vor Ort mit dem Anlagenreiber besprochen werden.

Die Ergebnisse der Beprobung und der Prüfung der Anlage wird im Nachgang schriftlich zusammengefasst und dem Betreiber zugeschickt.

Grundsätzlich gilt, dass mängelbehaftete Anlagen einem engeren Überwachungsrhythmus unterliegen als mängelfreie Anlagen.

Die Kosten für die behördliche Überwachung liegen derzeit bei ca. 100€.

Formulare