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Paula Ems und Leonie Hirschfeld – Am Markt 2

Paula Rosenthal kam am 23. April 1867 in Waltrop, Kreis Recklinghausen, zu Welt. Nach Celle kam sie durch die Heirat mit dem Kaufmann Julius Ems. Dieser eröffnete Ende 1895 im Haus Schuhstraße 52 einen Central-50-Pfennig-Bazar mit Kurz-, Galanterie-, Spielwaren, Haushaltsartikeln, Glas und Porzellan. Bald wurde das Angebot jedoch auf teurere Artikel ausgedehnt. Mit seinem Geschäftskonzept, dass u.a. Sonderaktionen wie Weihnachtsausstellungen umfasste, war er so erfolgreich, dass er 1904 das zentraler gelegene Geschäftshaus Am Markt 2 erwarb. Der im Oktober 1905 eröffnete „Central-Bazar“ wurde von der örtlichen Presse gerühmt und genoss einen sehr guten Ruf in Celle. Julius Ems war aktives Mitglied der Celler Synagogengemeinde: Seit 1900 war er zunächst Mitglied des Gemeindeausschusses, seit 1913 Rechnungsführer und von Mai 1916 bis zu seinem Tod zweiter Vorsteher der Gemeinde.

Nach kurzer schwerer Krankheit verstarb Julius Ems mit 52 Jahren am 25. März 1918. Er wurde auf dem jüdischen Friedhof in Celle beigesetzt. Seine Witwe Paula und die gemeinsame Tochter Leonie (geb. 21.12.1896) übernahmen das Geschäft, das weiterhin hohes Ansehen genießen sollte.

Leonie heiratete 1921 den Rechtsanwalt Dr. Albert Hirschfeld aus Detmold, wohin das Paar verzog. Vermutlich aus diesem Grund wurde das Geschäft an den Kaufmann und früheren Prokuristen Johann Bertram übergeben, der es noch einige Zeit weiter führte. Bis etwa 1935 waren dann die ehemaligen Ems’schen Geschäftsräume an das große jüdische Kaufhaus Freidberg vermietet. Die „Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben“ zwang Paula Ems und Leonie Hirschfeld 1939 zum Verkauf ihrer Häuser Am Markt 2 und Schuhstraße 53. Der Vertrag wurde in Hannover unterzeichnet, wo Paula Ems seit 1929 lebte.

Paula Ems wurde als 75jährige am 23. Juli 1942 von Hannover nach Theresienstadt deportiert. Dort starb sie am 12. März 1944. Ihr Name findet sich heute auf dem 1994 errichteten Mahnmal für die ermordeten Juden der Stadt Hannover. Die Tochter und der Schwiegersohn, Leonie und Dr. Albert Hirschfeld, wurden 1944 nach Auschwitz deportiert. Beide kamen dort um.