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Mit welchen Maßnahmen ist im Vollstreckungsverfahren zu rechnen?

Pfändung von Sachen ab § 27 NVwVG
Durch die Pfändung erwirbt der Gläubiger ein Pfandrecht an der Sache, das bedeutet, dass der gepfändete Gegenstand jetzt Eigentum der Vollstreckungsbehörde ist. Die gepfändeten Sachen werden entweder mitgenommen oder es wird ein Pfandsiegel angebracht und die Sache wird vor Ort gelassen. Die Pfändung betrifft nur alle beweglichen Sachen. Die Vollstreckungsbehörde darf daher alle beweglichen Sachen pfänden, mit Ausnahme von unpfändbaren Sachen. Die Pfandstücke werden später öffentlich versteigert.
Es ist strafbar einen gepfändeten Gegenstand zu zerstören, zu beschädigen, unbrauchbar zu machen oder das Pfandsiegel zu entfernen.

Bei der Pfändung von Sachen verweist das NVwVG teilweise in die Zivilprozessordnung (ZPO). Die Einzelheiten sind der ZPO zu entnehmen. Die ZPO enthält auch eine abschließende Aufzählung der unpfändbaren Sachen.
Pfändung von Geldforderungen ab § 45 NVwVG
Gepfändet werden verschiedenste Arten von Geldforderungen, z. B. Gehälter und Bankguthaben. Hierfür wird gegenüber dem Drittschuldner (z. B. der Bank, bei der ein Konto geführt wird oder dem Arbeitgeber) eine Pfändungs- und Einziehungsverfügung zugestellt. Ab Erhalt dieser Verfügung darf dann nicht mehr ohne weiteres das Geld ausgezahlt werden. Hier verweist das NVwVG für Einzelheiten ebenfalls in die ZPO.
Vollstreckung in das unbewegliche Vermögen ab § 58 NVwVG
Hierbei handelt es sich z. B. um die Vollstreckung in Immobilien. Vollstreckungsmaßnahmen sind hier u.a. Zwangsversteigerungen oder die Eintragung von Sicherungshypotheken in das Grundbuch. Die Einzelheiten werden auch hier über die ZPO geregelt.
Erzwingungshaft bei Bußgeldern § 96 OWiG
Wird eine rechtskräftige Geldbuße nicht fristgerecht gezahlt, so kann auf Antrag gegen den Betroffenen die Erzwingungshaft erlassen werden. Es ergeht also ein Haftbefehl. Den Vollzug des Haftbefehls kann man durch Zahlung abwenden. Der Freiheitsentzug wird in der Justizvollzugsanstalt vollzogen. Das Bußgeld kann nicht „abgesessen“ werden, es bleibt weiterhin bestehen. Die Erzwingungshaft dient lediglich als Druckmittel. Die Erzwingungshaft wird nicht von der Stadtkasse beantragt! Es obliegt der ersuchenden Behörde bzw. dem Fachdienst, diese zu beantragen.
Zwangsgelder
§ 67 Niedersächsisches Gesetz über die öffentliche Sicherheit und Ordnung (Nds. SOG)
Ein Zwangsgeld zieht auf ein Handeln oder Dulden ab, welches nur durch eine bestimmte Person erfolgen kann, z.B. das Abdichten der Kleinkläranlage durch den Grundstückseigentümer. Dem Zwangsgeld geht ein Bescheid voraus, in dem die konkrete Maßnahme festgesetzt wird. Erfolgt die Handlung innerhalb der angegeben Frist nicht, so ergeht eine Androhung eines Zwangsgeldes mit einer erneuten Frist. Erst danach wird das Zwangsgeld erlassen. Wird die entsprechende Handlung vollzogen, so erlischt auch das Zwangsgeld! Die entstandenen Verwaltungsgebühren müssen jedoch gezahlt werden. Erfolgt keine Zahlung und auch nicht die entsprechende Duldung oder Handlung, so kann die Ersatzzwangshaft beantragt werden.
Widerspruch und aufschiebende Wirkung § 66 NVwVG
Widerspruch und Klage gegen Vollstreckungsmaßnahmen haben keine aufschiebende Wirkung. Ein Widerspruch muss daher frist- und formgemäß gegen den ursprünglichen Verwaltungsakt erfolgen!