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Bauerngarten auf dem Waldfriedhof

Ein paradiesischer Zustand

Gärten haben in der Geschichte des Menschen schon immer eine große Rolle gespielt. Folgt man der biblischen Erzählung der Schöpfung, beginnt die Geschichte des Menschen in einem Garten. Dieses Paradies soll uns auch bei unserem letzten Gang begleiten. Ein Bauerngarten mit seinen typischen Elementen (Staketenzaun, Wegkreuz und Buchshecke) symbolisiert für viele Menschen diesen paradiesischen Zustand: eine Grundordnung sorgt für Form und Struktur und schafft damit gleichzeitig einen bunten und vielfältigen Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen.
Der Fachdienst Friedhöfe hat sich entschlossen, die alte Tradition der Bauerngärten fortzuführen und zu pflegen und erhält damit ein Stück Kulturgut. Denn ein Bauerngarten ist - anders als ein steriler Rasengarten - ein Fest für die Sinne. Vielfalt und Einfachheit, Urwüchsigkeit und Ordnung ergänzen sich in ihm zu einem lebendigen Ganzen. Gestaltet im Einklang mit der Natur und nicht gegen sie - das ist eines der Grundprinzipien der Bauerngartenkultur. Wir können heute viel von ihr lernen. Ein Bauerngarten, braucht nach dem Anlegen, nicht mehr Arbeitsaufwand als ein üblicher Garten. In diesen ländlichen Gärten wachsen alle Pflanzen in einem "geordneten Durcheinander". Durch die teilweise Selbstversamung vieler typischer Bauerngartenpflanzen sind Freiflächen kaum vorhanden.

Die Gestaltung

Hier wurde die klassische Form eines Rechtecks, mit kreuzenden Wegen in der Mitte, aufgenommen. In der Mitte der Wegeachse entstand ein Sechseck. Im Eingangsbereich, laden Pergolen, berangt mit Kletterhortensien und Kletterrosen, den Betrachter zum Verweilen ein. Buchsbaumhecken begleiten in Teilbereichen die Wegeflächen. Geschnittene Buchsbäume gliedern die Teilflächen und die damit verbundenen Wahl- und Urnenwahlgrabstätten. An einer erhaltenswerten Eiche wurde eine Rundbank zum Verweilen errichtet.

Die Materialien der Wege

Die Wege des Bauergartens wurden verschieden gestaltet. Die Hauptachsen sind klassisch als wassergebundene Wege mit aufgesetzten Erdkanten und Mineralgemisch aufgebaut worden. Die Seitenwege zu den einzelnen Grabstätten wurden mit Holzhäcksel angelegt

Die Bepflanzung

Welche Pflanze gehört in einen Bauerngarten und welche nicht?

Mit der Entdeckung neuer Länder und dem Entstehen weltweiter Handelsverbindungen erweiterte sich auch die heimische Gartenpflanzenpalette immer wieder um fremdländische Gewächse. Tagetes, Tulpe, Kapuzinerkresse und Dahlie sind Beispiele für "zugereiste" Pflanzen - und doch würde man sie in manchem Garten vermissen. Für die Eingangsbereiche sind alte duftende Kletterrosensorten ausgewählt worden.
Die Beete (Grabstätten) sind sehr verschieden genutzt. In der Hoffnung, die Vorstellungen jedes einzelnen Hinterbliebenen zu treffen, sei es ein Gemüsefan, ein Beerenobstliebhaber oder ein Liebhaber typischer Staudenpflanzen, haben hier viele Pflanzen ihren traditionellen Platz erhalten. Typische Staudenpflanzen sind zum Beispiel Rittersporn, Margeritte, Tränendes Herz, Pfingstrose, Lavendel, Frauenmantel, Anemone, Frühjahrs- und Herbstaster, Glocken- und Schlüsselblume, Lilie, Nachtkerze, Küchenschelle, Fette Henne und Ehrenpreis. Auch Rosensorten sind in Bauerngärten sehr beliebt. Zu den bekanntesten Küchenkräutern gehören sicherlich Lavendel, Thymian, Salbei, Schnittlauch, Rosmarin, Zitronenmelisse, Pfefferminze, Monatserdbeere, Liebstöckel, Oreganum, Waldmeister und Baldrian.
Übrigens: Der Buchsbaum wurde früher an den alten Bauernhäusern dafür verwendet, damit Wasseradern abgeschirmt wurden. Wenn Störfelder durch das Haus gingen, wurden vor und hinter dem Haus Buchsbaum gesetzt.

„Ohne Zaun kein Garten“, diese Weisheit steckt schon im Wort Garten selbst. Denn es kommt vom indogermanischen Wort „ghortos“ (das Eingefasste, Umfasste) und vom althochdeutschen „gerta“ (Rute, Stecken). Im althochdeutschen Wort „gart“ steckt auch eine sprachliche Verbindung zu (um)gürten.

Auch der Paradiesgarten, in dem sich der Schöpfungsgeschichte zufolge die ersten Menschen befanden, hatte einen "Zaun", wenn auch nur einen verbalen: Gott hatte dem Menschen erlaubt, von allen Früchten zu essen. Nur die vom Baum der Erkenntnis sollte er nicht anrühren. Bekanntlich konnten die Menschen trotzdem nicht davon lassen und Gott warf sie aus dem Paradies.

Ein heiles Fleckchen Erde

So gesehen ist ein Garten immer ein heiles Fleckchen Erde, in dem Mensch und Natur friedlich zusammenwirken: Der Garten versorgt den Menschen, während diesem die Aufgabe aufgetragen ist, "zu bebauen und zu bewahren". Hier kennt die Phantasie keine Grenzen. Im Eingangsbereiche sind Rosenbogen aus geschälten Ahornstämmen entstanden. Diese wurden in ihrer ursprünglichen Wuchsform erhalten und symbolisieren somit die Persönlichkeit jedes einzelnen Individuums. Dieses soll sich auch in den - durch die Hinterbliebenen in Auftrag gegebenen - personenbezogenen Grabsteinen widerspiegeln. Die Steine müssen zwar handwerklich bearbeitet sein, können aber eine gewisse Robustheit ausstrahlen. Für die ausgewiesenen Wahlgräber werden auch Stelen zugelassen. Bei den Urnenwahlgräbern wären auch Pfeiler möglich. Sehr hübsch fürs Auge ist auch ein Rosenobelisk im mittleren Wegebereich.
Zu den sonstigen Gestaltungselementen gehören auch noch Buchsbaumkugeln in verschiedenen Größen. Eine halbrunde Bank lädt am Ende eines Weges unter einer alten Eiche zum Verweilen in diesem romantischen Gärtchen ein.