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Integrationsleitbild der Stadt Celle

1. Stellenwert von Integration

  • Die Integration von Migranten und Migrantinnen ist in Celle eine wichtige Aufgabe. Migration wird zum Mainstreaming-Thema erhoben, in Stellenwert und Definition dem Gender Mainstreaming (Geschlechterbewusstes Handeln) ähnlich. Das bedeutet, dass bei allen wichtigen Entscheidungen die Belange von Zugewanderten und Einheimischen in ihren Besonderheiten berücksichtigt und beide Bevölkerungsanteile gleichwertig einbezogen werden.
  • Aus Besonderheiten erwächst allerdings nicht der Anspruch auf eine Sonderrolle, d. h. Integration beinhaltet das Zusammenleben in gemeinsamer Verantwortung und gemeinsamer gesellschaftlicher Teilhabe, wo immer es möglich ist.
  • Integration ist zu unterscheiden von Interessenvertretung. Interessenvertretung ist ein legitimes demokratisches Recht und steht jeder gesellschaftlichen Gruppe zu. Zielrichtung von Integration ist jedoch immer die Entwicklung von Gemeinsamkeiten oder der Austausch über Unterschiede mit dem Ziel eines Konsenses. Interessenvertretung fällt somit nicht unter das Leitbild.
  • Integration ist als sich fortentwickelnder Prozess zu verstehen, an dem alle Bürgerinnen und Bürger mitwirken sollen.
  • Integration hat so früh wie möglich einzusetzen und nicht erst als Reaktion auf Konfliktsituationen. Dazu ist u. a. ein ausreichendes, niedrigschwelliges Angebot von Information und Kommunikation vorzuhalten.
  • Integration vollzieht sich auf der Grundlage der freiheitlich demokratischen Grundordnung und unter Beachtung geltender Gesetze des Aufnahmelandes.

2. Ergebnisoffenheit

  • Integration soll zu friedlicher Koexistenz und zugleich auch zu neuen fruchtbaren Formen der eigenen Identität führen. Entscheidend ist die freiwillige Entscheidung des Individuums in einer auf Pluralität angelegten Gesellschaft. Sie findet ihre Grenzen in den Gesetzen und Rechtsnormen des Aufnahmelandes und insbesondere in den Persönlichkeitsrechten, die das Zusammenleben regeln.

3. Orientierung

  • Integration zielt auf ein friedliches und kooperatives Zusammenleben unter Wahrung kultureller und religiöser Identität.
  • Integration ist nur möglich unter Anerkennung und Beachtung der Rechtsordnung und Gesetze der Bundesrepublik.
  • Respekt, Toleranz und Akzeptanz führen dazu, dass unterschiedliche Haltungen Platz in unserer Gesellschaft haben und gelebt werden können.
  • Integration zielt nicht auf Gleichmacherei aber im demokratischen Sinne auf Erweiterung der Möglichkeiten, die der bewussten Entscheidung des Einzelnen unterliegen (z. B. Wahlmöglichkeiten: Partner, Freundeskreis, Lebensform).
  • Integration bedeutet gleichzeitig Rücksichtnahme auf kulturelle Unterschiede und die Bereitschaft zur Zugehörigkeit zur Gesellschaft des Aufnahmelandes. Die Aufnahmegesellschaft soll andere Werte akzeptieren.
  • Im Sinne von Integration ist die Gleichheit der Chancen zur Teilhabe an der Gesellschaft anzustreben (z. B. in Vereinen, Kultur, Nachbarschaft etc.).

4. Beachtung im Alltag - Selbstverpflichtung

  • Das Integrationsleitbild verpflichtet die gesellschaftlichen Gruppen zur Anwendung und den Einzelnen zur Beachtung im Lebensalltag. Institutionen und Menschen, die sich diesem Leitbild verpflichtet fühlen, sehen Integration als Selbstverpflichtung im oben genannten Sinne und sind bereit, Integration aktiv zu fördern und zu nutzen. Sie weisen dies ggf. auch nach.
  • Die Selbstverpflichtung umfasst die vorurteilsfreie Aufforderung an Migrantinnen und Migranten, sich aktiv im Sinne der jeweiligen gesellschaftlichen (gemeinnützigen) Organisationsziele zu beteiligen. Dies setzt allerdings das ernsthafte Bemühen zur Teilnahme an diesen Angeboten voraus. Fördern und fordern ist somit als wechselseitiger Prozess zu verstehen.

5. Beispiele von Integration:

  • Angleichung an die herrschenden Bildungschancen in Familie, Erziehungsinstitutionen und Beruf durch die Möglichkeiten von Qualifizierung (Nachqualifizierung), insbesondere Spracherwerb;
    • Vermittlung von Haltungen, die Grundlage für die Einhaltung von Regeln und Normen im Aufnahmeland sind;
    • Interesse und die Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit Haltungen, die in den Herkunftsländern traditionell gelebt werden insbesondere in Regeleinrichtungen der öffentlichen Erziehung sowie deren Akzeptanz, soweit sie dem Bildungs- und Erziehungsauftrag nicht entgegenstehen;
    • Möglichkeiten schaffen, die eigene Kultur zu (er-)leben, aber auch anderes kennen zu lernen, insbesondere durch interkulturelle Begegnungen;
    • Lernen, selbstbewusst nach Überlegung und Entscheidung, als Individuum selbstbewusst entscheiden zu können und zu dürfen (Emanzipation);

  • Praktische Beispiele:
    • Beteiligung und Schaffung von Voraussetzungen zur Beteiligung in allen wichtigen Lebensfeldern (Kita, Schule, Ausbildung, Stadtteil, Politik);
    • Schaffung von Anlässen der Begegnung z. B. durch Stadtteilfeste;
    • Beratung in allen Lebensfragen und die Bereitschaft zur Inanspruchnahme (z. b. Erziehungsberatung, Sozialberatung, Berufsberatung etc.);
    • Öffnung von Projekten, Institutionen und Betrieben für die Anliegen von Migranten und Migrantinnen und die Bereitschaft, diese aktiv zu fördern, zu unterstützen und einen angemessenen Beitrag zu leisten;
    • etc.

6. Förderung

  • Öffentliche Förderung durch die Stadt oder Förderung durch andere Institutionen, die sich dem Leitbild Integration verpflichtet fühlen, erfolgt unter Beachtung der Grundsätze dieses Leitbildes. Die Einhaltung der Grundsätze sind ggf. aufgrund spezieller Verfahren nachzuweisen.

In Kraft gesetzt durch den Rat der Stadt Celle