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Eberhard Schlotter: Mediterrane Landschaften

Ausstellung im Bomann-Museum Celle
bis 24. April 2005
Der Süden war für Eberhard Schlotter seit seiner Kindheit das ferne verheißungsvolle Land, das ihm aus den Italien-Aquarellen seiner Vorbilder Albrecht Dürer und Karl Blechen entgegenstrahlte.

Seine ersten Reisen führten ihn zu Beginn der 50er Jahre nach Italien, Frankreich und Spanien. Fasziniert von dem Licht und der intensiven Farbigkeit der mediterranen Landschaft, beschloss er 1956 nach Spanien zu ziehen. Zusammen mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter ließ er sich in dem kleinen verfallenden Fischerort Altea an der Costa Blanca nieder. „Wir wohnten unter einem Dach und kochten auf offenem Feuer und hatten abends kein Licht. Wir lebten von 400 Mark, das war die Miete aus Deutschland. Ich konnte ungestört malen und durchwanderte diese Landschaft. Langsam öffnete sie ihre Arme und schloss mich ein.“

Eberhard Schlotter kehrte also Deutschland den Rücken und zog damit auch die Konsequenz aus seiner Enttäuschung über die künstlerische und politische Entwicklung der Nachkriegszeit. Er wollte seinen Weg unabhängig verfolgen und sich auf seine eigenen Ursprünge besinnen. Spanien bot dafür ideale Bedingungen: die Lebensweise war einfach, die jahrhundertealten Traditionen bestimmten noch den Alltag der Menschen und die Natur war intakt.
Bis heute hat die spanische Natur nichts von ihrer Anziehungskraft auf Eberhard Schlotter verloren. Bei seinen Streifzügen durch die Landschaft hat er immer seine Aquarellutensilien im Gepäck. Mit dem Pinsel notiert er Landschaftseindrücke, die er später auch für seine Ölgemälde nutzt. Es sind jedoch keine oberflächlichen Notizen seiner Umgebung, sondern sie entspringen einer meditativen Versenkung in das Motiv.
Für das Charakteristische der mediterranen Landschaft, ihr Licht, ihre Farben und Formen findet Eberhard Schlotter prägnante künstlerische Formulierungen. Aber nicht die unbeschwerte Heiterkeit des Südens erregt sein Interesse. Düstere Landschaften, weite, einsame Strände, Boote am Strand, Fensterausblicke und verwitternde Hauswände sind seine Motive. Sie sind jedoch nicht nur Bestandsaufnahmen des Gesehenen, sondern häufig auch Metaphern für seine Auseinandersetzung mit Einsamkeit und Vergänglichkeit. Er malt, was ihn innerlich berührt. Dabei reagiert er auf kleine, unscheinbar wirkende Sensationen der Natur, die sich in dem Zusammentreffen von Formen und Farben dem Auge des Künstlers darbieten.
Die Landschaftsaquarelle Eberhard Schlotters zeichnen sich durch ein reizvolles Nebeneinander von raschen, spontanen Studien und sorgfältigen Ausarbeitungen aus. Durch seinen virtuosen Umgang mit den schwierigen und vielfältigen Möglichkeiten dieser künstlerischen Technik erweist sich Schlotter als begnadeter Aquarellist.
Aus dem umfangreichen Stiftungsbestand wurden über 40 Landschaftsaquarelle ausgewählt, die der Künstler während der letzten 50 Jahre in seiner Wahlheimat Spanien geschaffen hat.