Seiteninhalt

Eberhard Schlotter. Faust Aspekte

01.04.2000 - 28.01.2001
Im Bomann-Museum Celle zeigte die Eberhard-Schlotter-Stiftung eine Ausstellung zum Thema Faust. Es handelt sich um Arbeiten Eberhard Schlotters (geb. 1921) aus den 80er Jahren. Sie veranschaulichen die intensive Auseinandersetzung des Künstlers mit Aspekten aus Johann Wolfgang von Goetes Faust.
Die Anregung zur Beschäftigung mit einem der Hauptwerke deutscher Literatur kam in diesem Fall von einem Auftraggeber. 1984 wurde Eberhard Schlotter von einer Bank beauftragt, die Erschaffung des Papiergeldes, also einen Bruchteil des gesamten Faust, künstlerisch umzusetzen. Es entstand der Radierzyklus Johann Wolfgang von Goethe / Faust, II. Teil 1. Akt / "Die Erfindung des Papiergeldes". Dieses Mappenwerk beinhaltet 24 Radierungen sowie den Text des ersten Aktes aus dem 2. Teil des Faust. In der Ausstellung werden sämtliche in der Mappe enthaltenen Radierungen gezeigt.

Von der Arbeit an dem oben angesprochenen Mappenwerk inspiriert, schuf der Künstler zusätzlich etliche Ölgemälde, Radierungen und Zeichnungen. Eberhard Schlotter widmete sich diesem Themenkomplex nicht als Illustrator im eigentlichen Sinne.
Er hat vielmehr mit Hilfe unterschiedlicher Techniken - quasi schlaglichtartig - ihm wesentlich erscheinende Facetten dieses umfangreichen Werkes beleuchtet. Für den Künstler ist die intensive Arbeit mit Literatur, eher Anstoß zur Entwicklung eigener Geisteswelten, so daß er keinerlei Interesse an einer "werkgetreuen Bebilderung" der jeweiligen Vorlage hat. Den einzelnen Bildern Textpassagen oder gar Protagonisten zuordnen zu wollen, bietet sich aus diesem Grund - bis auf wenige Ausnahmen - kaum an.

Eine ausgesprochene Faszination ging für Eberhard Schlotter offenbar von dem Karneval am Hofe des Kaisers aus (Faust, der Tragödie zweiter Teil, erster Akt). Hier haben insbesondere die Kostüme, die Masken sowie die Figuren der klassischen Antike die Beachtung des Künstlers gefunden und seine Phantasie angeregt. Es ist naheliegend, dass Eberhard Schlotter den Karneval als Metapher auf das Leben versteht. Einerseits der Mummenschanz, als Schmelztiegel für sämtliche Bereiche menschlicher Existenz: Menschen und deren Masken, Realität und Fiktion, Leichtigkeit und Schwere, Freude und Melancholie. Andererseits das Rollenspiel, das Maskieren, die Verschlüsselung als Anspielung auf die Unwahrhaftigkeit der Menschen, mit der der Künstler selbst zeitlebens zu kämpfen hatte.