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26. November 2008 – 13. April 2009

Träume aus Zucker, Marzipan und Schokolade

Zucker fand in den Gesellschaften des Mittelalters und der Renaissance nur als Gewürz Verwendung. Erst als auf karibischen Zuckerrohrplantagen die Produktion des raffinierten Zuckers gelang, konnten größere Mengen hergestellt und der Konsum gesteigert werden. Dies führte im 17. Jahrhundert zu einer neuen Unterscheidung des Geschmacksverständnisses in pikant und süß. Süße Desserts schlossen nun die Mahlzeiten ab.

Es entstand das Zuckerbäckergewerbe, dem die Fertigung der süßen Köstlichkeiten oblag. Zucker war aber weiterhin teuer und so blieb der Verzehr der kostbaren Zuckerwaren zunächst ebenso der höfischen Gesellschaft vorbehalten wie die im 16. Jahrhundert über Mexiko nach Spanien gehandelte Schokolade. Erst die Entdeckung des Rübenzuckers und die Möglichkeiten der industriellen Fertigung ließen die Schokolade im Laufe des 19. Jahrhunderts vom Modegetränk des Adels zum erschwinglichen Konsumgut in fester Tafelform für breite Bevölkerungsschichten werden.

Die Ausstellung spürte den fast vergessenen Traditionen der Zuckerbäckerei und ihren engen Verbindungen zur Kunst nach. Einflüsse von Historismus, Jugendstil und Bauhaus wurden in Tortendekorationen, gebacken von der Werkstatt Ognibeni in Braunschweig, sichtbar. Eindrucksvolle Szenarien aus Zucker, Schokolade und Marzipan entführten in die sinnenfrohe Welt des Genusses. Neben der Zuckertafel der „Jülicher Hochzeit“ zeigten kunstvoll geformte Marzipanfiguren auf Torten aus der Werkstatt Maria Theresia Worch, Bamberg, die Möglichkeiten des essbaren Materials heute und lassen an Porzellanfiguren denken. Die Kunst der Pralinen-, Eis- und Schokoladeherstellung wurde in der Ausstellung ebenso thematisiert wie die Kaffeehauskultur. Ein weiteres Highlight bildete die Privatsammlung von Jürgen Will, Wernigerode, mit historischen Objekten zur Kulturgeschichte von Kakao und Schokolade. Hinzu kamen Leihgaben aus der Sammlung Café Müller, Celle, die den Arbeitsbereich des Konditors anschaulich machen.

Eine Besonderheit der deutschen Esskultur ist der „Kaffeeklatsch“. Vor 300 Jahren eroberte damit ein Hauch aristokratischer Lebenskunst die bürgerlichen Wohnzimmer; die Ausstellung zeigte die Herkunft dieses Rituals und räumte mit Klischees auf. Zahlreiche Leihgaben aus Privatsammlungen und Museen ließen 300 Jahre süße Ernährungsgewohnheiten lebendig werden.