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Fotografien von Klaus M. Frieling

19. August 2016 – 23. Januar 2017

Der Schuss, der nie fiel

Perestroika in Russland und friedliche Revolution in der damaligen DDR beendeten 1989 die Ära des „Kalten Krieges“. Der „Eiserne Vorhang“, der Ost und West seit 1947 geteilt hatte, verlor mit dem Fall der Berliner Mauer seinen Schrecken. Die deutsche Teilung – und die von ganz Europa – wurde überwunden, ohne dass auch nur ein einziger Schuss gefallen war. War das Gegenüber noch kurz zuvor „der Feind“, so war das Militär – hier Bundeswehr, dort die bisherige Nationale Volksarmee – jetzt ein Faktor des Zusammenwachsens dessen, „was zusammen gehört“.

Ein dreiviertel Jahr nach der Wiedervereinigung 1990 übte erstmals ein westdeutscher Bundeswehr-Verband in den neuen Bundesländern. 136 Soldaten eines Transportbataillons aus dem schleswig-holsteinischen Heide bezogen feldmäßig Quartier im bei Rostock gelegenen mecklenburgischen Dorf Retschow.

Der Celler Journalist Klaus M. Frieling begleitete diese Premiere vor 25 Jahren und berichtete damals in Bild, Text und Ton. Vor allem an der verlassenen ehemaligen DDR-Grenzkontrollstelle Gudow-Zarrentin entstanden eindrucksvolle Fotografien: Dort, wo Stasi-Mitarbeiter noch wenige Monate zuvor Transitreisende auf dem Weg zwischen Hamburg und Berlin mit strengem Blick kontrolliert hatten, trafen die Bundeswehrsoldaten bei einer Rast auf verwaiste und verwüstete Abfertigungsgebäude sowie verrottende Autowracks. Zeugnisse einer „Zwischenzeit“ – heute sind die Anlagen nahezu komplett demontiert. Auf dem Gelände des ehemaligen Überganges findet sich mittlerweile eine Autobahnraststätte und „Mecklenburgs Gewerbegebiet Nr. 1“.