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Museumssnack

Historische und kulturgeschichtliche Museen zeigen Ausstellungsstücke, die von vergangenen Zeiten, Ereignissen und Menschen erzählen. Durch sie soll nachvollziehbar werden, wie Menschen einst dachten und handelten. Und so wollen sie uns dazu bringen, unser eigenes Denken und Handeln kritisch zu hinterfragen. Auch das Bomann-Museum folgt dieser Motivation in seinen Ausstellungen und in seiner Sammel-Tätigkeit. Doch was häufig übersehen wird, obwohl es kaum zu übersehen ist, ist das größte Objekt des Bomann-Museums: Das Museum selbst. Die Gründungsgeschichte dieses Hauses ist nicht nur spannend, sondern gibt auch einen Einblick in das Welt- und Selbstverständnis einer Gruppe von Menschen in einer Zeit des Umbruchs. Damit ist sie ungemein aktuell. 

Die Geschichte des Bomann-Museums beginnt weit entfernt in Bayern. Dort wird 1852 das Germanische Nationalmuseum gegründet. Den Beschluss dazu fasste eine Versammlung von deutschen Geschichts- und Altertumsforschern. Die Gründung des Germanischen Nationalmuseums wurde von Bürgerlichen im ganzen Land mit Begeisterung wahrgenommen. Denn das Bürgertum wurde im Laufe des 19. Jahrhunderts immer bedeutender und selbstbewusster. Es strebte mit seinem Lebensstil danach, den Unterschied zum Adel immer unscheinbarer zu machen. Und zugleich gehörten Bildung zu den Eckpfeilern bürgerlicher Kultur. Daraus entstand ein immer breiteres Interesse an Kunst, das es nötig machte, nach anderen Ausstellungsorten für Kunstwerke zu suchen, als adelige Höfe. Dieses Bedürfnis befriedigten die Museen und Museumsvereine, die nach der Gründung des Germanischen Nationalmuseums in allen Teilen des Landes entstanden. 

Die Begeisterung erreichte auch das Celler Bürgertum. Bereits in den 1870er Jahren versuchte man einen Museumsverein und ein städtisches Museum zu gründen. Man scheiterte jedoch aus verschiedenen Gründen. Erst mit der Feier zum 600jährigen Bestehen der Stadt Celle war ein gewichtiger Grund gefunden, wegen dessen due Stadt die Gründung von Verein und Museum unterstützte. Und schon bald waren auch erste, kleine Räumlichkeiten für das neue Vaterländische Museum gefunden. Was es jedoch sammeln und ausstellen würde, war nicht so recht klar. Der Museumsverein setzte sich zunächst aus Bürgern und Offizieren zusammen, die sich aus verschiedenster Motivation beteiligten. Sie sammelten querbeet alles, was ihnen von kultureller Bedeutung zu seinen schien. 

Eines dieser Vereinsmitglieder war der Wollgarn-Fabrikant Wilhelm Bomann, der 1848 in Celle geboren wurden war und nach Lehrjahren, die ihn unter anderem auch nach New York verschlagen haben, in die Stadt zurückgekehrt war. 1898 übernahm er den Vorsitz des Museumsvereins und brachte eine klare Vorstellung mit, wie das Museum auszusehen habe. Bomann war Anhänger der Heimatbewegung. Diese Bewegung ist ein Phänomen, dass seit der Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland, aber auch anderen europäischen Staaten auskam. Zu dieser Zeit nehmen die Industrialisierung sowie die Nationalstaatenbildung und die damit verbundene Zentralisierung Fahrt auf. Sie verändern die bekannte Lebenswelt der Menschen massiv, sorgen für Irritation und Angst vor dem Unbekannten. Die Heimatbewegung macht sich demgegenüber dafür stark, auch das Bekannte, Traditionelle und Regionale zu erhalten. Denn nur, wenn man dieses nicht verloren gehen ließe, könne man sich in einer neuen, modernen Welt wohlfühlen. Als Bewahrer dieser traditionellen und regionalen Lebens- und Arbeitsweisen sah man eben nicht Städte und Fabrikarbeiter, sondern das zeitenlos verwurzelte Bauerntum.

Auch in Celle fand die Heimatbewegung starken Anklang. Denn auch Niedersachsen industrialisierte und urbanisierte sich merklich, wenn auch nicht so stark wie andere Regionen in Deutschland. Hinzu kam die Eingliederung Hannovers in Preußen 1866 und die Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871, wodurch die politische Autonomie der Region verloren ging. Das Traditionelle der Region zu bewahren, um sich mit dieser neuen Gesamtsituation arrangieren zu können, war daher von großer Bedeutung. Und so schaffte Wilhelm Bomann ein Sammlungskonzept für das Vaterländische Museum, dass sich auf die Geschichte der Stadt und die ländliche Kulturgeschichte der Region der Heide konzentrierte. Das Museum sollte in seinen Ausstellungen weniger historische Ereignisse thematisieren, als vielmehr durch inszenierte Ensembles Kulturbilder von Lebens- und Arbeitsweisen. Denn seiner Meinung nach zeigt sich die ganze Bedeutung alltäglicher Gegenstände erst aus dem Kontext und Zusammenhang mit anderen Dingen. Er hoffte so, einer breiten Masse die Tradition der Region vermitteln und somit diese erhalten zu können.

Diese Art von Ausstellung diente schon immer dazu, die Besucher zur Diskussion darüber anzuregen, wie man in der Vergangenheit gedacht, gehandelt und gelebt hat, wie man dies in der Gegenwart tut und wie man es in Zukunft tun möchte. Daher kommt ihnen besonders in Zeiten des Umbruchs und der gesellschaftlichen Debatte große Bedeutung zu. Und das macht das Bomann-Museum auch nach 129 Jahren des Bestehens noch immer aktuell und relevant.