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SACHBUCH | Mehmet Daimagüler, Ernst von Münchhausen: Mangelhaft: hinter den Mauern deutscher Gefängnisse. 2019

Die Rechtsanwälte Daimagüler und von Münchhausen befassen sich in diesem Sachbuch mit dem Alltag in deutschen Gefängnissen. Dabei gehen sie sehr strukturiert vor. In der Einleitung stellen sie sich die Frage, welchen Sinn Strafen haben, und greifen dabei auch kurz das Strafsystem in den USA auf. Bevor sie einzelne Gefängnisse in Deutschland vorstellen, schildern sie die Erlebnisse eines Gefangenen, der in Untersuchungshaft genommen wird. Danach werden 15 Strafanstalten beschrieben, deren Geschichte, das Leben und die Arbeit, die Besuchsregelung, Wohnen und Schlafen, Essen und Trinken, Medien und Konsum, die Zellen, das Personal und die Freizeitgestaltung. Die Autoren gehen einigen Gefängnismythen auf den Grund. Ist die Untersuchungshaft weniger schlimm als die Strafhaft? Das ist falsch. Ist der offene Vollzug so etwas wie Freiheit? Das ist ebenfalls falsch. Richtig ist, dass die meisten Insassen wegen Vermögensdelikten im Knast sitzen.

Am Ende des Buches wird ein Wörterbuch mit 91 Begriffen aufgeführt, die im Knast gebraucht werden. Die Leser und Leserinnen erfahren, dass eine „Acht“ Handschellen bedeuten und der Anstaltskaffee als „Panzersprit“ oder „Spüli“ bezeichnet wird.

Erwähnenswert ist das Buch auch deswegen, weil auf sieben Seiten die JVA Celle beschrieben wird, die man von außen immer gerne für ein französisches Schloss hält.