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05.07.2022

Dämmerschoppen für die Wirtschaft: Zusammenfassung der Rede von OB Nigge

CELLE. Nach rund zwei Jahren corona-bedingter Pause, lud die Verwaltung endlich wieder zum Dämmerschoppen, dem traditionellen Format zum Netzwerken zwischen Wirtschaft, Politik und Verwaltung, ins Stadtpalais ein. Unterstützt wurde die Veranstaltung dabei einmal mehr durch den bewährten Partner NiedersachsenMetall.

Es liegt in der Natur der Sache, dass die Wirtschaft im Fokus der Rede von Oberbürgermeister Dr. Jörg Nigge stand. Diese habe in den vergangenen Jahren bis heute große Herausforderungen zu meistern. Hätten viele dank staatlicher Hilfen die Corona-Krise noch recht gut überwunden, so stünden sie derzeit durch den Ukraine-Krieg und den daraus resultierenden weltweiten Effekten vor enormen Erschwernissen.
„Leider haben wir auf kommunaler Ebene keine Möglichkeiten, Unternehmen hinsichtlich der aktuellen globalen Herausforderungen zu unterstützen. Als unsere Aufgabe erachte ich, Ihnen die Rahmenbedingungen zu schaffen, die Sie benötigen, um erfolgreich arbeiten zu können und natürlich dort zu helfen, wo es uns möglich ist “, sagte der OB und meinte damit die agile Wirtschaftsförderung und das nicht minder agile Innenstadtmanagement, welche die Anliegen im Sinne „One face to the customer“ aufgreifen und Lösungen erarbeiten.

„Schaffen jährlich 400 bis 500 Arbeitsplätze“

Was er unter agiler Wirtschaftsförderung versteht, untermauerte Nigge sogleich mit Zahlen und Fakten. „Seit fünf Jahren begleiten wir in Celle die Schaffung von rund 400 bis 500 Arbeitsplätzen. Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist hier die Verfügbarkeit von Gewerbeflächen. Seit etwa fünf Jahren prosperiert der ehemalige „Ladenhüter“ Kolkwiesen, also das Gewerbegebiet in Wietzenbruch. Hier werden voraussichtlich im nächsten Jahr die letzten Flächen verkauft.“ Ebenso erfreulich: die Entwicklung des neuen Gewerbegebietes „Auf der Grafft“. Viele Flächen sind in fortgeschrittenen Verkaufsverhandlungen. Nigge: „Generell hat sich in den letzten Monaten gezeigt, dass es einigen Unternehmen aufgrund der aktuellen Preisentwicklungen mittlerweile schwerfällt, ihre Investitionsvorhaben zu finanzieren. Daher scheitern leider Grundstücksverkaufe vermehrt kurz vor dem Ziel. Dennoch ist die Nachfrage deutlich höher als das Angebot, sodass ich zuversichtlich bin, auch diese Flächen schnell vermarkten zu können.“ Und für die Zukunft werde bereits vorgesorgt: „Damit wir in einigen Jahren nicht mit leeren Händen dastehen, starten bereits jetzt die Planungen für ein neues Gewerbegebiet in Groß Hehlen. Auch hier haben sich bereits mehrere Interessenten gemeldet.“

Wirtschaftsstandort Celle stabil unterwegs

Generell ist Celle als Wirtschaftsstandort stabil unterwegs. Dazu verwies der OB auf allgemeine Kennzahlen. Nach Jahren leichten Wachstums konsolidiert sich - trotz der Corona-Beschränkungen - die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in einigen Wirtschaftszweigen am Arbeitsort Celle auf die Größenordnung von mindestens 35.000 jährlich. So waren es 2021 35.232 und in 2020 35.565 Beschäftigte. Für Celle als starken Wirtschaftsstandort spricht auch der hohe Einpendlerüberschuss, der sich in den letzten zwei Jahren zwischen etwa 10.000 bis 10.500 Personen bewegte.
Insgesamt schneidet Celle aktuell auch beim Standortranking des Netzwerks „Die Deutsche Wirtschaft“ gut ab. Von 3.835 Städten liegt die Residenzstadt derzeit auf Platz 120 und konnte sich damit gegenüber dem Vorjahr um 22 Plätze verbessern. Die Städte werden hier nach ihrer Bedeutung für Unternehmen gelistet. „Dass unsere Wirtschaftsförderung erfolgreich arbeitet, sehen wir unter anderem an genau solchen Rankings“, betont der OB. „Wir stehen als mittelgroße Stadt in Deutschland recht weit oben.“ Das sei zum einen das Verdienst der ansässigen Unternehmen. Zum anderen höre er immer wieder aus eben jenen Kreisen, dass sie über die städtische Strategie aus Agilität, Geschwindigkeit, Flexibilität, Verbindlichkeit und den Blick über den Tellerrand auf Celle aufmerksam geworden sind. Eine Strategie die damit aufgehe.

Studie belegt erfolgreiche Arbeit

Die hervorragende Arbeit der Celler Stadtverwaltung und ihrer Wirtschaftsförderung belege auch die im vergangenen Jahr veröffentlichte Studie zum Regionalprofil für den Arbeitsmarkt Celle, welche im Auftrag des Arbeitgeberverbandes NiedersachsenMetall vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln erhoben wurde. Diese bescheinige, dass Celle ein sehr attraktiver Standort für Unternehmen ist, in den vergangenen fünf Jahren vom Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt profitiert hat. Zudem sei die unbürokratische Verbindung zwischen Verwaltung und Wirtschaft hervorzuheben, an denen es vielen Konkurrenzstädten mangele.

Attraktiver Standort braucht attraktives Umfeld

Vor allem die Strategie, den Standort Celle an sich attraktiv zu gestalten, wird dort stark hervorgehoben, denn Arbeitskräftemangel begegnet man nur mit einem attraktiven Umfeld. „Die attraktiven Arbeitsplätze schaffen Sie und haben Sie“, wandte sich Nigge an die Gäste. „Aber die Familien der Mitarbeiterschaft müssen sich wohlfühlen. Deshalb schaffen wir seit fünf Jahren Wohnraum in hohem Maße und versuchen, die Fehler der Vergangenheit zu korrigieren. Nicht nur mehrere hundert Grundstücke wurden und werden ausgewiesen. Auch mehrere hundert Wohneinheiten - bis hin zu völlig neuen Wohnformen wie Tiny Houses - sind im Entstehen.“ Hundert Kita-Plätze wurden und werden geschaffen. Bis zum Ende dieses Jahres kommen circa 200 weitere hinzu - samt völlig neuer Kitas. „Wir bauen Schulen komplett neu beziehungsweise sanieren so, dass die Kinder hier mit fortschrittlicher Technik und unter modernsten räumlichen Bedingungen groß werden können.“

Infrastruktur durch Breitband zukunftsfähig

Für den Wohn-, Arbeits- und Wirtschaftsstandort Celle ist es essenziell, dass die Infrastruktur auch hinsichtlich Breitband zukunftsfähig wird, leitete der OB zum Thema Glasfaser über. „Unserer Wirtschaftsförderung ist es gelungen, Sondierungen so zu führen, dass sich sowohl die Deutsche Glasfaser, als auch die SVO rein privatwirtschaftlich, also ohne städtisches Geld, von den äußeren Stadtteilen Richtung Stadtzentrum vorarbeiten.“ Aktuell vermarktet die SVO im Hehlentorgebiet, Bauarbeiten finden in Wietzenbruch, Boye, Klein Hehlen und Vorwerk statt. Die Deutsche Glasfaser ist derzeit in der Ausbauplanung für „ihre“ Stadtteile. Mit Baumaßnahmen ist nach den Sommerferien zu rechnen. „Mir ist wichtig, dass mittelfristig auch Lösungen für die zentralen Stadtteile gefunden werden, selbst wenn dort die nominelle Verfügbarkeit von Bandbreite bereits hoch ist und es den Anbietern schwerer fallen wird, Neuverträge mit Kunden abzuschließen.

Innenstadt – „Herzensthema & DNA“

Selbstverständlich fehlte auch das große „Herzensthema“ an diesem Abend nicht: die Entwicklung der Innenstadt. „Die Altstadt ist für mich die DNA, das zentrale und wesentliche Element einer gesunden Stadt. Aus diesem Grund setzen wir alles daran, sie zu vitalisieren, sie interessanter und attraktiver zu gestalten. Seit meinem Amtsantritt leistet die Verwaltung hier so erfolgreiche Arbeit, dass mittlerweile viele andere mittelgroße Städte auf Celle schauen und unsere Maßnahmen nachahmen“, sagte Nigge nicht ohne Stolz. Weiterhin liege das Augenmerk auf drei Kernaufgaben:

  • Ertüchtigung der historischen Substanz für Wohn- und Gewerbezwecke mit Mitteln der Städtebauförderung
  • Reduzierung von Leerständen
  • Verbesserung der Aufenthaltsqualität.

Von Stadtmöblierung bis „Pitch your Business“

Und dann folgte die große Aufzählung all´ dessen, was bisher ins Werk gesetzt wurde: Eine neue Stadtmöblierung, Blumenampeln an Laternen, die seinerzeit von Unternehmen gesponserten Pflanzgefäße mit Sitzgelegenheiten, die Neugestaltung einiger Straßen und Plätze. Viele neue, kleine, feine Geschäfte und gastronomische Angebote. Jüngstes „Werkzeug“: der Existenzgründungswettbewerb „Pitch your Business“, dessen Sieger sich seitens der Stadt über ein Jahr Mietfreiheit zur Umsetzung ihrer Geschäftskonzepte freuen können. Die Erreichbarkeit der Innenstadt ist auch über markierte Radwege besser geworden. Über ein Mobilitätskonzept wird aktuell erkundet, wie öffentliche Angebote zwischen Stadtteilen und der Innenstadt noch besser werden können.

„Alles in Allem ist unsere Innenstadt gut aufgestellt“, fasste der OB zusammen. „Ich bin stolz auf das Erreichte. Doch das ist kein Grund, sich darauf auszuruhen. Von daher lasse auch nicht locker, fortwährend neue Energie und Ideen zu entwickeln. Denn eine Innenstadt ist unter dem Druck des Online-Handels und kriegs- und teuerungsbedingter Käuferzurückhaltung, sehr wohl auch fragil. Daher müssen wir wachsam sein und weiterhin Impulse setzen.“

Mit „Start Ups“ junge Menschen für Celle begeistern

Einer dieser Impulse für die Innenstadt, ist für Nigge das neue Start Up-Center, das im Herbst in der Roß`schen Villa eröffnet wird. Gründerinnen und Gründer aus Celle, der Region und weit darüber hinaus, die mit ihren Geschäftskonzepten ein Auswahlgremium überzeugen, können sich über drei Jahre Mietfreiheit und über zwei weitere mit reduzierter Miete freuen. „Alleinstellungsmerkmal ist, dass wir über die Allerland GmbH parallel auch für Wohnraum sorgen und so hoffentlich junge Menschen für Celle begeistern können.“ Diese bekommen über die Wirtschaftsförderung und deren personelles Netzwerk sowie über Mentoren aus örtlichen Unternehmenskreise bestmögliche Unterstützung. Erste Gründerinnen und Gründern haben sich bereits gemeldet.

Zudem dankte der OB allen Celler Unternehmern, die sich in den vergangenen Monaten über den Wirtschaftsclub oder individuell für Sumy und die Ukraine eingesetzt haben. „Dieses Engagement ist aller Ehren wert und wird in der Ukraine sehr honoriert! Wenn Sie sich weiter einbringen möchten: die Planungen für einen neuen Hilfstransport sind bereits angelaufen, unser städtisches Spendenkonto, das ausschließlich für unsere Partnerstadt Sumy verwandt wird, ist weiterhin existent.“

Quelle: Pressestelle