Hauptmenü
Inhalt
ALLRIS - Auszug

23.02.2012 - 5 "Schwarzsein im Deutschsein" - Vortrag von Hugu...

Reduzieren

Wortprotokoll

Herr Blaise Pokos, der als Diplom-Pädagoge bei der CD-Kaserne beschäftigt ist, stellt anhand einer PowerPoint Präsentation Ergebnisse seiner Dissertation „Schwarzsein im Deutschsein – Zu Vorstellungen vom Monovolk in der Schule und deren Auswirkungen auf die Schul- und Lebenserfahrungen von deutschen Jugendlichen mit schwarzer Hautfarbe: Handlungsorientierte Reflexionen zur interkulturellen Öffnung der Schule und zu Rassismus kritischer Schulentwicklung“ vor (ISBN 978-3-643-11440-2).

 

Herr Pokos legt seine zugrundeliegenden Überlegungen zum von ihm selbst bestimmten Begriff des „Monovolks“ dar und stellt die Fragestellungen seiner Promotion vor. Er geht dabei zunächst der Frage nach, wie die Vorstellung eines Monovolks entstanden ist  und zeigt anhand der Analyse von Geschichtsbüchern die Entwicklung dieser Ideologie bis zur Gegenwart auf. Sodann fragt Herr Pokos, ob die Konzepte „Deutsch“ und „Schwarz“ in der deutschen Alltagsrealität miteinander verbunden werden. Dabei werden die Wirkungen des Monovolk-Konzepts auf die Lebenserfahrungen, die Identitätsbildung und auf die schulischen Leistungen von deutschen Jugendlichen mit schwarzer Hautfarbe untersucht. In einem empirischen Abschnitt werden die Ergebnisse der mit Jugendlichen geführten Interviews präsentiert. Am Ende seiner Promotion fragt Herr Pokos welche handlungsorientierte Reflexionen für den schulischen Alltag abgeleitet werden können.

 

Herr Pokos führt aus, die Vorstellung eines Monovolks sei in der deutschen Gesellschaft  - wenn auch in latenter und subtiler Form - präsent und führe zur Unterscheidung von „Deutschen“ und „Nicht-Deutschen“. Diese Unterscheidung finde im Schulsystem, am Arbeitsmarkt und in anderen gesellschaftlichen Bereichen statt und werde durch das Heranziehen von gängigen Merkmalen wie äußerer Anschein, Klang des Namens, sprachlicher Akzent etabliert. Dieses Monovolk-Verständnis von „Deutschsein“ sei eine wirkungsmächtige Realität, der sich auch Deutsche mit schwarzer Hautfarbe ausgesetzt sehen. Die Auswertung der Interviews mit Jugendlichen schwarzer Hautfarbe, deren Eltern und Lehrkräften zeigt auf, dass die Monovolk-Vorstellungen an deutschen Schulen präsent seien und erhebliche, dramatische Auswirkungen auf die Identitätsbildung und die schulische Leistung dieser Jugendlichen hätten.  In den Interviews werde deutlich, wie junge Deutsche mit schwarzer Hautfarbe vor allem in der Schule Ausgrenzung und Diskriminierung – wegen der in der deutschen Gesellschaft verankerten Vorstellung vom Monovolk – erleben und zugleich mit dieser Realität sehr unterschiedlich umgehen.

Als Lösungsvorschlag für Veränderungen an Schulen legt Herr Pokos sein Modell der kulturellmultifacettierten Gesellschaft dar. Es ist eine Art kulturelle Ökumene, wobei die Suche nach der kulturellen Einheit in der Vielheit im Vordergrund  steht, ohne dabei die angestrebte Einheit als etwas Starres, Unbewegliches zu postulieren und zu konstruieren.

Herr Pokos fordert zu mehr Mut auf,  Schwierigkeiten und Missverständnisse der interkulturellen Begegnung anzusprechen, deutlich zu benennen und dafür gemeinsam Lösungen zu suchen.  Er fordert zudem, die Schulleiterinnen und Schulleiter der Celler Schulen in die Arbeit des Integrationsausschusses einzubeziehen.

Frau Vorsitzende Langhans bedankt sich herzlich bei Herrn Blaise Pokos für die Präsentation  und seine sehr engagierte Darstellung der Thesen und des Fazits seiner Promotion.

Herr Alin fragt, wie es gelingen kann, die Schulen in den Integrationsausschuss einzubinden.

Herr Kizilyel schlägt vor, als Ausschuss in den Schulen Präsenz zu zeigen und die Arbeit des Integrationsausschusses dort vorzustellen.

 

Reduzieren

Anlagen