13.11.2012 - 4 Vorstellung Frau Rosemarie LütersGleichstellung...
Grunddaten
- TOP:
- Ö 4
- Sitzung:
-
Sitzung des Integrationsausschusses
- Gremium:
- Integrationsausschuss
- Datum:
- Di., 13.11.2012
- Status:
- gemischt (Protokoll genehmigt)
- Uhrzeit:
- 17:00
- Anlass:
- Sitzung
Wortprotokoll
Frau Lüters bedankt sich für die Einladung und berichtet über ihre beruflichen Tätigkeiten, während denen sie insbesondere Kontakt zu Menschen mit Migrationsgeschichte gehabt habe. So habe sie in den 80er Jahren in Hannover für Terres des Hommes mit Kindern mit kurdischem Hintergrund und in den 90er Jahren in Erstaufnahmeeinrichtungen für Asylbewerberinnen und Asylbewerber mit den Schwerpunkten Frauenarbeit und Sprachförderung gearbeitet und dabei stets das Ziel verfolgt, für alle Beteiligten Normalität herzustellen. Seit dem Jahr 2000 gehöre die Förderung der Teilhabe auch zu ihrem Forschungsschwerpunkt. Bei der Evaluation von Lernprogrammen in der frühkindlichen Bildung wie Rucksack habe sie die Frage untersucht, welche Mechanismen zu entwickeln seien, um die Beteiligung von Eltern zu erhöhen. Dieser Fragestellung habe sie sich zusammen mit anderen auch bei der niedersachsenweiten Forschung unter dem Titel Fremdheit überwinden - Zusammenarbeit gestalten gewidmet, deren Ergebnisse in dem Praxisleitfaden für die Arbeit mit Müttern und Vätern in Kindertageseinrichtungen veröffentlicht worden sind. Die Broschüre (Schriftenreihe der Fakultät V - Diakonie, Gesundheit und Soziales der Fachhochschule Hannover, 2011) gebe den pädagogischen Fachkräften in den Kindertagesstätten Denkanstöße und Arbeitshilfen, um die Eltern zu beteiligen. Ein Schwerpunkt liegt in der Zusammenarbeit mit Müttern und Vätern mit Migrationshintergrund.
Frau Lüters führt weiter aus, aus ihrer Sicht sei ein Augenmerk auf die Frage zu richten, welche Bevölkerungsgruppen oder Personen unterschiedlicher Herkunft bisher noch nicht so stark beteiligt werden. In Celle erfahre und erlebe sie viel Engagement, hier passiere viel. Daraus leite sie die Bitte ab, auch die Gleichstellungsbeauftragte auf entstehende Problemlagen hinzuweisen.
Frau Vorsitzende Seitz fragt Frau Lüters, welche konkreten Ziele sie verfolge oder welche aktuellen Projekte sie anstoßen möchte.
Frau Lüters erklärt, ihr Ziel sei es, die Beteiligung an Projekten zu gewährleisten und zu erhöhen. Wenn sie die Ausgangsbedarfslage beispielweise von Alleinerziehenden in den Blick nehme, gehöre für sie die Betrachtung der Situation von Migrantinnen auch dazu. Ebenso gilt es beim Projekt Neuer Start zur Wiedereingliederung in den Beruf gezielt auch Migrantinnen anzusprechen und zu erreichen. Die Beteiligung von Migrantinnen am Internationalen Frauentag sei auch anzustreben.
Frau Vorsitzende Seitz unterbricht die Sitzung und erteilt Frau Habekost das Wort.
Frau Habekost erkundigt sich nach der Situation von Ausländerinnen und Ausländern ohne gefestigten Aufenthaltsstatus, die einen nachrangigen Zugang zum Arbeitsmarkt haben.
Frau Lüters bittet darum, betroffene Personen auf bestehende Angebote wie das bei der Volkshochschule Celle laufende Projekt AZF II Arbeitsmarktzugang für Flüchtlinge aufmerksam zu machen.
Frau Habekost fragt ferner, wie Frauen mit gesichertem Status, die einen Anlauf zur Berufstätigkeit unternehmen, dabei unterstützt werden können.
Frau Lüters erklärt, bei Projekten, die keinen einschränkenden rechtlichen Vorgaben unterliegen, können Frauen über Einrichtungen erreicht werden, die sie selbst oder ihre Familienangehörige aufsuchen. Eine Ansprache von Müttern kann ebenfalls über Sprachförderung/Sprachkurse oder auch über Stadtteilarbeit erfolgen. Frau Lüters führt weiter aus, sie wolle einen beteiligungsorientierten Ansatz verfolgen und dabei bestehende Netzwerke und Akteure wie das Stadtteilmanagement in der Neustadt-Heese einbinden.
Frau Vorsitzende Seitz setzt die öffentliche Sitzung fort.
Herr Morina fragt nach weiteren Schwerpunkten der Gleichstellungsbeauftragten.
Frau Lüters erklärt, sie wirke an allen Vorhaben mit, die die Gleichberechtigung von Frauen und Männern zum Ziel haben. Weitere Aufgaben, wie die Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Berufstätigkeit von Frauen und Männern bei der Stadt Celle, seien im Niedersächsischen Gleichberechtigungsgesetz genannt. Sie wolle sich auch mit den zahlreichen Einrichtungen und Institutionen in der Stadt Celle befassen, um jeweils gezielt dorthin vermitteln zu können. Schließlich komme es ihr darauf an, bei vorhandenen Lücken, wo bisher sich niemand kümmert, tätig zu werden.
Herr Pokos erkundigt sich nach der Mitwirkungsmöglichkeit bei der Anerkennung von ausländischen Berufsabschlüssen.
Herr Stadtrat Kassel bedankt sich für den Hinweis auf diesen Bereich und erklärt, alle Beteiligten tun bisher zu wenig. Diese Aufgabe sei nur zusammen mit dem Landkreis Celle, der Arbeitsagentur und unter Einbeziehung auch von Unternehmen zu bewältigen.
Frau Lüters ergänzt, sie selbst werde im Januar 2013 Frau Sabine Mix, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Arbeitsagentur Celle, zu diesem Thema treffen.
Herr Pokos berichtet von seinen eigenen Erfahrungen durch die Teilnahme an einem Ergänzungsprogramm an der Universität Oldenburg, das ihm ermöglicht habe, konkrete Kompetenz in Deutschland zu erwerben. Es sei aus seiner Sicht wichtig, Personen an bestehende Einrichtungen und Institutionen zu vermitteln.
Ratsvorsitzender Falkenhagen weist auf Ergänzungsprogramme von Bildungsträgern hin und meint, die Gesellschaft brauche gut ausgebildete Menschen, er denke an Ingenieurinnen aus Staaten der früheren Sowjetunion, die in Deutschland arbeiten können. Das Jobcenter müsse ein originäres Interesse daran haben, dass diese Personen auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen können.
Herr Stadtrat Kassel weist darauf hin, dass diese Personen für die Arbeitsagentur nachrangig sind, wenn sie keine Leistungen beziehen.
Frau Klukon berichtet über die Situation einer Kinderärztin aus der russischen Föderation, die aus Scham Leistungen zu beziehen, unterqualifiziert beschäftigt sei und zudem ehrenamtlich wirke, um den Bezug zu ihrem Beruf teilweise zu halten. Ihre Qualifikation sei ohne Berufsausübung aber nicht aktuell und erschwere ihre Rückkehr in den Beruf. Hier sei es notwendig, vorausschauend zu planen.
Herr Morina merkt an, die Situation für Ausländerinnen und Ausländer habe sich erst in diesem Jahr verbessert. Die Anerkennung von ausländischen Abschlüssen war früher eine Angelegenheit der Bezirksregierungen. Nach ihrer Abschaffung war viele Jahre eine Lücke entstanden, erst mit dem Anerkennungsgesetz und einem geregelten Verfahren können Ausländer in Deutschland ihre Qualifikation anbieten. Er habe den Eindruck, Asylsuchenden, deren Anträge noch nicht beschieden sind, werden dagegen Steine in den Weg gelegt.
Herr Pokos merkt an, es sei wichtig diesen Gruppen Angebote zur Weiterqualifizierung zu machen. So sei das Angebot der Universität Oldenburg, das zu seiner eigenen Ausbildung Passende gewesen, da es auf seine Qualifikation aufbaute. Er fragt, welche Instrumente angewandt werden können, um diese von ihm und anderen gerade beschriebenen Potenziale zu kanalisieren.
Herr Stadtrat Kassel bestätigt die Wichtigkeit des Sachverhalts, erklärt das Thema in den Blick zunehmen und dankt Frau Lüters für die Vorstellung ihrer Arbeitsschwerpunkte.
