03.12.2025 - 13 Abschluss einer Städtepartnerschaft mit der bra...
Grunddaten
- TOP:
- Ö 13
- Gremium:
- Rat der Stadt Celle
- Datum:
- Mi., 03.12.2025
- Status:
- gemischt (Protokoll genehmigt)
- Uhrzeit:
- 17:00
- Anlass:
- Sitzung
- Beratung:
- öffentlich
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- 01 Ratsangelegenheiten und Repräsentationen
Oberbürgermeister Dr. Nigge erklärt, Celle sei seit vielen Jahrzehnten eine Stadt, die den Blick über die eigenen Grenzen hinaus in die Welt richte. Die bestehenden Städtepartnerschaften stünden für internationale Offenheit, Völkerverständigung und für die Überzeugung, dass Begegnungen zwischen Menschen ein wertvoller Beitrag zum friedlichen Miteinander leisteten. Dabei stehe vor allem der Austausch abseits politischer Ebenen im Fokus, welcher von der Stadt Celle gefördert werde. Seit Jahrzehnten bestehe der Kontakt zwischen Menschen in der brasilianischen Stadt São Sebastião do Cai und Celler Bürgern. In São Sebastião do Cai lebten viele Menschen mit deutschen Wurzeln, die Sprache und Tradition bis heute pflegten. Die brasilianische Seite habe mehrfach den Wunsch geäußert, diese Beziehung zu vertiefen und in eine offizielle Städtepartnerschaft zu überführen. Eine Städtepartnerschaft wäre für beide Seiten kein Abschluss, sondern der Anfang eines Rahmens, der mit Leben erfüllt werden müsse. Städtepartnerschaften seien Impulsgeber für Neugier, Austausch und gegenseitiges Verständnis. Sie stärkten internationale Zusammenarbeit und beugten Vorurteilen vor. Weiterhin böten sie den Bürgern die Möglichkeit, ein Stück globale Verbundenheit ganz praktisch zu leben. Er bitte den Rat um Zustimmung.
Ratsfrau Thomsen stimmt dem Oberbürgermeister in dem Punkt zu, dass Städtepartnerschaften in der heutigen Zeit von besonderer Bedeutung seien, insbesondere, weil es sich dabei um ein zivilgesellschaftliches Unterfangen handele. Während Machthabende wechselten, bleibe die Zivilgesellschaft bestehen. Trotzdem sehe ihre Fraktion die angestrebte Städtepartnerschaft kritisch. Die große geographische Entfernung stelle – organisatorisch wie finanziell - eine erhebliche Hürde dar. Eine Städtepartnerschaft lebe von regelmäßigen Begegnungen, Austauschprogrammen und gemeinsamen Projekten. Die Kosten für Austauschprogramme seien jedoch bereits heute kaum noch zu schultern. Dazu komme, dass an keiner der Celler Schulen Portugiesisch gelehrt werde. Sie sehe nicht, welche Schule die personellen und finanziellen Ressourcen für den Aufbau eines Austauschprogrammes aufbringen könnte. Eine Partnerschaft, die aufgrund von Distanz, Kosten und fehlenden Strukturen kaum genutzt werden könne, laufe Gefahr, nicht lebendig zu sein und eine Belastung für Verwaltung, Schulen und das Ehrenamt darzustellen. Ihre Fraktion schlage daher vor, die Freundschaft zu Brasilien zu pflegen, ohne eine offizielle Partnerschaft einzugehen. Zudem solle die vorhandene Energie lieber in die Belebung der bestehenden Partnerstädte fließen. Dafür könne man beispielsweise das in Kürze anstehende 25-jährige Jubiläum mit Tulsa zum Anlass nehmen. Sie werde einer neuen Städtepartnerschaft daher nicht zustimmen.
Beigeordneter Ohl stellt fest, es gehe bei dieser Vorlage nicht um eine Freundschaft, sondern formal um eine Partnerschaft. Er glaube, dass dieser Ansatz falsch ist. Eine Partnerschaft müsse von unten wachsen, die Verbindung müsse vor dem Entstehen einer Partnerschaft bereits vorhanden sein. Die Entscheidung über eine Partnerschaft solle vertagt werden. Er werde daher nicht zustimmen.
Ratsfrau Holz berichtet, sie habe die Stadt São Sebastião do Cai in diesem Jahr besucht und sei dankbar für die Gelegenheit, das Land und die dort lebenden Menschen kennengelernt zu haben. Diese Stadt sei eng mit der deutschen Einwanderung in Brasilien verbunden, es werde dort Deutsch gesprochen und an den Schulen gelehrt. Sie habe zudem erfahren, dass es bereits vor einigen Jahren Kontakt zwischen dem Bürgermeister der Stadt und Celle gab und ein Besuch in Celle stattgefunden habe. Ein weiterer Besuch in Celle sei bereits geplant. Sebastião do Cai suche sehr viel Kontakt nach Celle und lade immer wieder Gruppen zu sich ein. Die SPD-Fraktion werde daher zustimmen.
Beigeordneter Brammer spricht sich dafür aus, eine Freundschaft bzw. Partnerschaft nicht aus monetärer Sicht zu bewerten. Celle habe viele Städtepartnerschaften, mit denen aktuell der Austausch stillliege. Er stimme Beigeordnetem Ohl in dem Punkt zu, dass eine Partnerschaft von unten wachsen müsse. Der Rat sei jedoch die Vertretung der Bürgerinnen und Bürger, sodass er das „Unten“ vertrete. Daher spreche er sich für die Partnerschaft aus.
Ratsherr Espe merkt an, das fehlende Portugiesisch-Angebot an den Celler Schulen stelle kein Problem dar. Schließlich werde in Celle auch kein Finnisch oder Ukrainisch gelehrt. Er bedanke sich bei Ratsfrau Holz für den Bericht aus dem Besuch in Brasilien. Die FDP-Fraktion werde der Beschlussvorlage zustimmen.
Ratsherr Trenkenschu erklärt, auch die AfD-Fraktion werde zustimmen. Er sei in Zeiten der nationalen Krisen froh über jede Brücke. Die neue Partnerschaft stelle eine Brücke dar, die auf der menschlichen Ebene verbinde.
Beigeordneter Dr. Bischoff spricht sich dafür aus, die Partnerschaft abzuschließen. Sollte es nicht funktionieren, könne diese auch wieder beendet werden. Es solle zur Kenntnis genommen werden, dass São Sebastião do Cai großes Interesse an einer Städtepartnerschaft geäußert habe. Es sei ein Gebot der Höflichkeit, diesen Wunsch anzunehmen. In einer Welt, die immer kleiner werde, solle dem Ganzen eine Chance gegeben werden. Seine Fraktion werde daher zustimmen.
Ratsherr Zobel berichtet, es habe in der Vergangenheit bereits Vorschläge gegeben, mit Angola oder Japan Städtepartnerschaften einzugehen. Damals sei auch nicht einfach eine Partnerschaft geschlossen worden. Zudem sei das Beenden einer Städtepartnerschaft nicht unkompliziert. Die Grünen schätzten den Wert von Städtepartnerschaften. Wichtige und funktionierende Beispiele seien Meudon, Kwidzyn und Sumy. Im Gegensatz dazu funktionierten die Partnerschaften zu Celle-Ligure und Holbaek derzeit nicht, was am fehlenden gesellschaftlichen Engagement liege. Der Austausch müsse aus der Gesellschaft erwachsen, nicht durch eine Entscheidung des Rates festgelegt werden.
Bürgermeisterin Fiß stimmt der Rede des Oberbürgermeisters zu. Sie selbst habe bereits mehrere Austausche miterleben dürfen. Gerade in der heutigen Zeit sei es wichtig, Freundschaften auch im Ausland zu pflegen. Ihre Fraktion werde daher zustimmen.
Oberbürgermeister Dr. Nigge zeigt sich irritiert über die Diskussion über Freundschaft und Partnerschaft. Es gebe immer mehr Feindseligkeiten in der Welt, weshalb es wichtig sei, jungen Menschen und Schülern zu zeigen, wie es in anderen Teilen der Welt aussehe. Er habe erst vor Kurzem eine Schülergruppe aus Thailand empfangen. Der internationale Austausch sei ein Instrument, das Vorurteile und Grenzen sprengen könne. Er sei absolut überzeugt von der Anzahl der mit Celle bestehenden Partnerschaften und wünsche sich in der heutigen Zeit sogar noch mehr. Er spreche sich dafür aus, die Chancen zu ergreifen.
Der Rat der Stadt Celle beschließt anschließend mehrheitlich bei drei Gegenstimmen und vier Enthaltungen eine Städtepartnerschaft mit der brasilianischen Stadt São Sebastião do Cai.
