17.01.2019 - 4 Abriss Nordwallhalle
Grunddaten
- TOP:
- Ö 4
- Sitzung:
-
Sitzung des Sportausschusses
- Gremium:
- Sportausschuss
- Datum:
- Do., 17.01.2019
- Status:
- gemischt (Protokoll genehmigt)
- Uhrzeit:
- 17:00
- Anlass:
- Sitzung
- Vorlage:
-
BV/0366/18 Abriss Nordwallhalle
- Beratung:
- öffentlich
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- 50.3 Sport
- Ziele:
- Anpassung der Infrastruktur an die Bedürfnisse des Breiten- und Leistungssports
- Beschluss:
- geändert beschlossen
Wortprotokoll
Der Ausschussvorsitzende Herr Ehlers bittet zu Beginn dieses Tagesordnungspunktes trotz der vergangenheitsbedingten Emotionalität des Themas um eine sachliche Diskussion.
Kommunalpolitiker dürften nicht nach gefühlsmäßigen Aspekten entscheiden.
Seines Erachtens gäbe es bei der Nordwallhalle einen erheblichen Sanierungsstau, der aus Steuergeldern behoben werde müsste, wenn man die Halle nicht abreißen würde.
Herr Ehlers spricht sich deshalb unter der Bedingung für den Abriss aus, dass dieser nicht zu Lasten des Sports gehen dürfe.
Stadträtin Frau McDowell stimmt Herrn Ehlers zu. Eine Sanierung oder ein Neubau wäre für die Stadt finanziell nicht leistbar.
Durch den Abriss entstünden, wie in der Vorlage dargestellt, keine bedrohlichen Einschränkungen des Sportbetriebs.
Der stv. Dezernatsleiter „Bauen und Umwelt“ Herr Schucht erläutert die städtebaulichen Hintergründe zu dem vorgeschlagenen Abriss. Besonders zu beachten sei, dass es sich bei dem Hallenabriss nur um einen kleinen Teil eines komplexen Gesamtmaßnahmenpaketes zur städtebaulichen Umgestaltung des Nordwalls handele.
Der Hallenabriss könne nicht isoliert, sondern nur im Rahmen des Gesamtpaketes betrachtet werden. Die Abrisse am Nordwall könnten nur nach und nach, in einem detailliert getakteten und aufeinander abgestimmten Verfahren erfolgen.
Im März diesen Jahres seien die ersten Abrisse geplant, Anfang 2020 solle dann die Norwallhalle abgerissen werden.
Bei der städtebaulichen Neubesiedlung des Nordwalls, der als „urbanes Gebiet“ ausgewiesen ist, sei insbesondere das Grundstück der Nordwallhalle von besonderer Bedeutung.
Auf Nachfrage von Ratsherr Schoeps erläutert Herr Schucht, dass in einem vom Gesetzgeber so bezeichneten „urbanen Gebiet“ Wohnbebauung vorgesehen sei, allerdings ohne Vorgabe eines prozentualen Anteils.
Ratsherr Dr. Hörstmann würde es begrüßen, wenn der Abriss Hand in Hand mit der Übergabe der neuen Burghalle erfolgen könnte und lobt die kooperative Haltung des MTVE Celle in der derzeitigen Diskussion.
Herr Ehlers gibt dazu bekannt, dass nach den Planungen des Landkreises die Übergabe der Burghalle am 28.02.2020 erfolgen solle.
Ratsfrau Rodenwaldt-Blank erklärt, dass die SPD-Fraktion gegen einen Hallenabriss sei.
Ihrer Meinung nach sage der Sportentwicklungsplan aus, dass es zu wenig Hallenkapazitäten gäbe, worauf die SPD bereits hingewiesen hätte.
Außerdem würde mit der Nordwallhalle ein historisches Denkmal abgerissen. Die Holzkonstruktion der Halle von Otto Hetzer hätte Seltenheitswert. Bei Otto Hetzer handele es sich um den Pionier der Holzbaukunst, den man ähnlich wie Otto Haesler in Celle ehren müsse.
Die Halle solle daher in den Bestand des neuen Nordwalls integriert und unter Denkmalschutz gestellt werden.
Ratsherr Schoeps entgegnet dem Vorschlag der SPD, dass es für einen Antrag auf Denkmalschutz zu spät sei. Wenn man das gewollt hätte, hätte man dies schon lange auf den Weg bringen können.
Der stv. Dezernatsleiter „Bauen und Umwelt“ Herr Schucht erklärt, dass er den Wunsch der SPD auf Erhalt des historischen Wertes zwar nachempfinden könne, dass es aber schwerwiegendere Gründe für den Abriss gäbe und Stadtentwicklung auch Veränderung bedeute. Außerdem müssten mehrere Millionen investiert werden und die Halle verfügt über so eklatante Mängel, dass die Stadt mittelfristig ggf. ihrer Verkehrssicherungspflicht nicht mehr dauerhaft nachkommen könne.
Ratsfrau Fündeling stimmt dem Abriss aus den in der Vorlage genannten Gründen zu.
Sie ist der Meinung, dass es derzeit noch ungenutzte Hallenkapazitäten gäbe. Außerdem würde die neue Burghalle im kommenden Jahr fertiggestellt und man müsse abwarten, wie sich die Situation darstellen wird, wenn der MTVE Celle tatsächlich einen neuen Gymnastikraum bauen würde.
Auch Ratsherr Schoeps spricht sich für seine Gruppe aus Kostengründen eindeutig für den Abriss aus. Für das, was nicht in die Paul-Klee-Schule verlagert werden kann, solle auf dem Saarfeld eine Kompensation geschaffen werden.
Stadträtin Frau McDowell verweist dazu auf den entsprechenden Antrag der FDP-Fraktion aus dem Jahr 2017 (AN/0227/17), der dies bereits damals eingefordert hatte.
Frau McDowell plädiert allerdings dafür, dass man die Themen „Abriss der Nordwallhalle“ und „Neubau auf dem Saarfeld“ nicht vermischen solle.
Hallenmäßig käme man auch ohne die Nordwallhalle aus. Ca. 120 Hallenstunden vor 21 Uhr seien derzeit unbelegt und die neue Burghalle käme noch hinzu.
Von 17:50-17:53 Uhr erhält der Präsident des MTVE Celle im Rahmen einer vom Ratsherr Schoeps beantragten Sitzungsunterbrechung Gelegenheit sich zur Thematik zu äußern.
Ratsherr Dr. Hörstmann spricht sich für den Abriss aus, da man sprichwörtlich gesagt „kein gutes Geld dem schlechten hinterherwerfen solle“. In der Halle wäre schon seit Jahren Schimmel vorhanden.
Ratsfrau Kohnert fordert, dass vor dem Abriss die neue Burghalle stehen müsse und fragt danach, was nach dem Abriss mit dem Kinderturnen des MTVE passieren würde?
Fachdienstleiter Jugendarbeit, Sport Herr Nothdurft verweist dazu auf die 120 freien Hallenstunden, die Möglichkeit zur Nutzung der Paul-Klee-Schule und weitergehende Kapazitäten, die durch verstärkte Hallenkontrollen und ein verbessertes Hallenmanagement durch die eingeführte Hallenbelegungssoftware zu erwarten seien.
Die Bedingung, dass die neue Burghalle fertig sein müsse, sähe die Verwaltung daher nicht.
Das beratende Mitglied Herr Nieber plädiert ebenfalls für den Abriss, wobei allerdings sichergestellt sein müsse, dass auch innenstadtnahe Sportstätten vorhanden seien.
Der Ausschussvorsitzende Herr Ehlers unterstreicht dies durch Verweis auf einen entsprechenden aktuellen CDU-Antrag vom 14.01.2019.
Der finanzielle Aufwand zum Erhalt der Halle sei nach Auffassung von Herrn Nieber einfach zu groß. Auf den ersten Blick würde neuen Mitgliedern zwar das historische Ambiente in der Halle auffallen, auf den zweiten Blick allerdings, dass die Sportstätte nicht mehr zeitgemäß sei. Und das wäre schon vor 10 Jahren so gewesen!
Aus historischen Gründen wäre laut Herrn Nieber einzig das markante Portal am Eingang rettenswert.
Auf seine Frage, ob die Nutzung der Paul-Klee-Schule als Ausweichstandort für den MTVE sichergestellt sei, bejaht dies Frau McDowell. Dies sei dem Verein auch durch den Landrat bestätigt worden.
Das beratende Mitglied Herr Hagos stellt klar, dass aus Sicht eines Sportlers die völlig veraltete Halle sportlich nicht mehr attraktiv sei. Dies müsse im Fokus des Sportausschusses stehen und nicht die Frage, ob die Halle einen Wert als Denkmal hätte.
Außerdem sei die Parkplatzsituation mangelhaft. Kompensationsmöglichkeiten gäbe es auch im Haus der Vereine.
Ratsherr Schoeps und das beratende Mitglied Herr Sohnemann fragen, ob der Abriss der Nordwallhalle erst im 2. Halbjahr 2020 erfolgen könne, wenn die Burghalle definitiv fertig sein müsste?
Daraufhin stellen Stadträtin Frau McDowell und Herr Schucht klar, dass der Abriss auf keinen Fall verschoben werden könne. Bei dem genannten Termin Anfang 2020 handele es sich bereits um den letztmöglichen Termin. Baulich und finanziell könne der Abriss nicht aus dem von Herrn Schucht ausführlich dargestellten Gesamtpaket herausgelöst werden. Es sei alles, wie bereits erläutert, ganz eng und aufeinander abgestimmt getaktet. An dem Zeitplan hingen zudem Fördermittelfristen.
Als unverbindliche Empfehlung vom beratenden Mitglied Herrn Hagos nimmt Herr Schucht trotzdem die Anregung mit, dass, wenn es sich doch irgendwie ergeben würde, der Abriss erst im 2. Quartal erfolgen sollte.
Um die in der Diskussion vorgebrachten Anregungen zu berücksichtigen, formuliert der Ausschussvorsitzende Herr Ehlers folgenden Beschlussvorschlag und lässt darüber abstimmen:
„Unter der Voraussetzung, dass bei einem Wegfall der Hallenzeiten der Nordwallhalle der Sportbetrieb zufriedenstellend aufrecht erhalten werden kann, empfiehlt der Sportausschuss dem Verwaltungsausschuss den Abriss der Nordwallhalle im Jahr 2020.“
Der Sportausschuss stimmt mit 5 Ja- und 2-Nein Stimmen dem BV zu.
