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ALLRIS - Auszug

29.05.2008 - 10 Umbenennung der "Kurt-Blanke-Straße"

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Wortprotokoll

Ratsvorsitzender Dr. Haack berichtet, dass sich der Verwaltungsausschuss in seiner Sitzung am 27.05.2008 mit der Thematik befasst habe. Der Verwaltungsausschuss habe dem Rat empfohlen, den Straßennamen „Kurt-Blanke-Straße“ einzuziehen. Ein neuer Name für die Straße solle in der Ratssitzung im Juli beraten und festgelegt werden.

 

Beigeordneter Rejmann erklärt, dass es Teilen des Celler Rats schwer falle, sich mit der Thematik Nationalsozialismus in Celle zu befassen. Insbesondere sei es schwierig, die widersprüchliche Rolle von Personen, die einerseits aktiv das NS-Regime unterstützten und sich andererseits, nach dem Krieg, erfolgreich um die Stadt Celle und seine Bevölkerung gekümmert hätten, zu begreifen. Beigeordneter Rejmann wirft die Frage auf, wie sich Personen, die heute in der Politik aktiv seien, verhalten hätten, wenn sie in der damaligen Zeit gelebt hätten. Es sei auf jeden Fall wichtig und richtig, sich mit der Historie auseinanderzusetzen. Im Interesse der Stadt Celle sei der Rat nunmehr aufgefordert zu handeln und den Straßennamen „Kurt-Blanke-Straße“ einzuziehen.

 

Beigeordnete Dr. Peters erklärt, dass bei der Benennung der „Kurt-Blanke-Straße“ diese Entscheidung des Rates bei einer Enthaltung einstimmig erfolgt sei. Nunmehr liege die wissenschaftliche Arbeit von Martin Jungius und Wolfgang Seibel zum Wirken Kurt Blankes Nationalsozialismus vor. Sie erklärt, dass der Oberbürgermeister im vergangenen Jahr zur Thematik „Ernst Meyer“ viel Grundsätzliches gesagt habe. Die Einziehung des Straßenamens „Kurt- Blanke- Straße“ sei unumgänglich.

 

Beigeordneter Zobel berichtet, dass die Einziehung des Straßennamens „Ernst-Meyer-Allee“ im vergangenen Jahr ein unvermeidbarer Schritt gewesen sei. Nun befände man sich ein Jahr später in einer ähnlichen Situation. Die Vergangenheit habe Celle erneut eingeholt. Dieses sei wieder von außen an die Stadt herangetragen worden und nicht durch eigene Aufarbeitung erfolgt. Jedoch sei die Reaktion nunmehr eine andere als im vergangenen Jahr. Es besteht Einvernehmen im Rat, zügig zu handeln und auch die Vergangenheit aktiv aufzuarbeiten. Hierzu wurde die Verwaltung beauftragt, eine Liste derjenigen Personen zusammenzustellen, die nach 1945 vom Rat der Stadt Celle durch Straßenbenennungen, Namensgebungen für Sportstätten, Verleihungen von Ehrenbürgerwürden oder Ehrenringen geehrt wurden. Anhand dieser Liste soll im Bundesarchiv oder Stadtarchiv nachgeforscht werden, ob sich unter den Geehrten Persönlichkeiten befinden, die vor 1930 geboren wurden und aktiv am Unrechtsregime des Nationalsozialismus mitgewirkt haben. Sollten solche Anhaltspunkte gefunden werden, so soll ein historisch-fachwissenschaftliches Institut die näheren Umstände des jeweiligen Falles erkunden.

Es sei eine große Herausforderung für die Stadt Celle, wie man mit der Erinnerungskultur umzugehen gedenke. Denkbar sei z.B. die Einrichtung eines Raumes hierzu im Museum.

 

Ratsherr Falkenhagen führt aus, dass er Dr. Kurt Blanke seit den 80er Jahren kannte. Dieser sei für ihn aufgrund seines juristischen Wissens, seines persönlichen Einsatzes und seines kommunalpolitischen Engagements ein Vorbild gewesen. Es sei nunmehr bitter zu sehen, dass „die Medaille auch eine andere Seite habe“.

 

Der Rat beschließt einstimmig die Einziehung des Straßennamens „Kurt-Blanke-Straße“.