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ALLRIS - Auszug

08.03.2016 - 3 Kooperativer Sportentwicklungsplan für Celle, V...

Beschluss:
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Wortprotokoll

Die Ausschussvorsitzende lässt den bisherigen Werdegang des Sportentwicklungsplans kurz Revue passieren.

Sie dankt besonders der Planungsgruppe für ihre engagierte Mitarbeit und der Verwaltung für die Ausrichtung der bisherigen Planungsgruppensitzungen.

Stadtrat Kassel verweist auf die heutige Beschlussvorlage und betont, dass man auch zukünftig den kooperativen Weg der inhaltlichen Umsetzung des Sportentwicklungsplanes fortsetzen werde. In diesem Zusammenhang dankt er besonders dem LSB/KSB für die geleistete Unterstützung.

Auch zukünftig könnten Verbesserungen nur gemeinsam vorangetrieben werden und nicht über die Köpfe der Beteiligten.

Er bittet Herrn Dr. Eckl insbesondere zur Bevölkerungsprognose im Sportentwicklungsplan um einige zusätzliche Anmerkungen; diesbezüglich deuten doch einzelne Anzeichen auf einen Trend zum Positiven hin.

 

Die Ausschussvorsitzende erteilt Herrn Dr. Eckl das Wort.

 

Herr Dr. Eckl bedankt sichr die heutige Einladung und erläutert anhand von Folien die wesentlichen Verfahrensgänge einer Kooperativen Sportentwicklungsplanung.

Sportentwicklung sei ein vielschichtiger Begriff, heiße aber mehr als die Planung von Sportstätten.

Es gehe vielmehr um Angebote an alle Sporttreibenden, um Organisationsstrukturen und generell an die Anforderungen von Sport- und Bewegungsräumen.

Die Grundzüge der Bestandsaufnahme, der Bedarfsanalyse und die Kooperative Planung mit den lokalen Expertinnen und Experten werden von ihm vorgestellt.

 

Auf die Zusammensetzung der Planungsgruppe geht er besonders ein und unterstreicht, dass gerade eine bunte Mischung unterschiedlicher Akteure auch die verschiedensten Blickwinkel auf das Celler Sportgeschehen eröffnet haben.

Hierzu habe auch die Celler Bevölkerung beigetragen. Eindeutiges Indiz hierfür seien die hohen Rücklaufquoten der Befragungsbögen.

Er macht aber auch deutlich, dass alle von der Planungsgruppe erarbeiteten Ergebnisse Handlungsempfehlungen an die Politik seien. Entscheidungen seien dann ausschließlich von ihr zu treffen.

 

Er stimme Herrn Stadtrat Kassels Anmerkung zur Bevölkerungsprognose zu.

Seinerzeit, das war der Prognosestand bzw. das Zahlenmaterial von 2009, sei man von einer sinkenden Einwohnerzahl und gepaart mit einem Anstieg des Durchschnittsalters ausgegangen. Dies habe sich jedoch nicht bewahrheitet.

Alle Zeichen stehen eher auf eine Trendumkehr, wobei die Auswirkungen des Flüchtlingszustromes noch nicht einmal einberechnet seien.

So wisse man mittlerweile, dass die Einwohnerzahl von Celle nun wieder deutlich 70.000 Einwohner übersteige.

 

Stadtrat Kassel ergänzt diese Aussagen mit zusätzlichen Informationen zum Geburtenzuwachs und zur Schulentwicklungsplanung.

 

Anhand des Sportentwicklungsplanes zitiert Dr. Eckl einige essentielle Aussagen und belegt sie mit weiteren Informationen und Zahlen u. a.:

 

  • Ein hoher Organisationsgrad in sportlicher Hinsicht sei in Celle zu verzeichnen
  • Es gäbe einen überdurchschnittlich hohen Versorgungsgrad an Flächen und Räumen, allerdings mit baulichen Mängeln
  • Bei der Sportförderung sei die Stadt relativ gut aufgestellt
  • Etwa 54% der Befragten halten Celle für eine sport- und bewegungsfreundliche Stadt
  • Die Sportvereine benennen Mitarbeit im Verein und Bindung von Mitgliedern als größte Probleme
  • Fast 80% aller Sportvereine haben weniger als 300 Mitglieder.

 

Zum Versorgungsgrad an Hallen, der in den Wintermonaten schon jetzt knapp bemessen sei, konstatiere er durch den Wegfall der Halle am Nordwall und der Altstädter Schule eine weitere Verschlechterung.

Von daher sei ein Neubau einer Mehrzweckhalle in der Nähe der bisherigen Standorte unbedingt notwendig. Sinnvoll sei dies in der Form einer Mehrzweckhalle mit Bedarf für Zuschauer inklusive Sportveranstaltungen, da diese Hallentypen in Celle unter repräsentiert bzw. veraltet sind.

 

Ähnliches gelte hinsichtlich des Versorgungsgrades in den Wintermonaten für Sportplätze, hier müsse schon über weitere Ertüchtigungen und allwettertaugliche Flächen z. B. Ersatz durch Kunstrasen oder eine Kalthalle nachgedacht werden.

 

Auf Nachfrage von Bürgermeister Dr. Hörstmann erläutert er den Berechnungsmodus bei der Ermittlung von Sportflächen.

Auf den Einwand, dass allein eine zahlenmäßige Betrachtungsweise betreffend einer Über/Unterversorgung an Flächen nicht unbedingt zielführend sei -schließlich müsse das Sporttreiben in der Nachbarschaft möglich sein- entgegnet er, dass man schon, zumindest bei den Erwachsenen, eine gewisse Mobilität voraussetze.

Dies sei seiner Ansicht durchaus zumutbar, wobei er das stadtteilbezogene Denken der Nutzer nicht verkenne.

Zum Stadtteildenken führt er noch aus, dass dieses sich in der Regel als Hindernis für eine sinnvolle Zukunftsentwicklung erweise, Abhilfe könne ein zentrales Sportstättenmanagement schaffen.

 

Konkret denke er hier an die Aufgabe der Herrenwiese, die ein Verein mit lediglich 2 Mannschaften nutze. Diesem müsste dann eine andere Spielstätte zugewiesen werden.

Die Situation hier sei eben eine andere als in Vorwerk oder Westercelle.

 

In diesem Zusammenhang weist er auf die mögliche Übertragung von Sportflächen an die Vereine hin. Hier gäbe es verschiedene Denkmodelle, angefangen von der Vollpflege und Unterhaltung bis hin zu Vereinbarungen mit nur der Erledigung von Kleinstarbeiten.

Auch über eine wie auch immer geartete Erhebung von Nutzungsgebühren müsse nachgedacht werden. Er warne aber vor einer pauschalen Erhebung bspw. mit einer pro Kopf- Pauschale. Vor allem müsse immer der Steuerungsgedanke stehen.

 

Überdies sei bei der Celler Sportrderung festzustellen, dass sie über Gebühr in die Infrastruktur investiere.

Gefragt seien Wege, die Sportvereine über Anreizsysteme zu ermutigen, vorhandene Strukturen zu hinterfragen und zu optimieren. So müsse sich seiner Meinung nach auch die kommunale Sportförderung ausrichten.

Eine überwiegende Mittelausgabe in Infrastruktur verhindere aber eine originäre Sportförderung wie z. B. eine Erhöhung der Jugendbeihilfen.

Nach seinem Wissen läge diese derzeit bei € 2,55 pro Jugendlichem und Jahr. Er kenne Kommunen, die mit € 20,- und mehr pro Jugendlichem fördern.

 

Weitere Ansatzpunkte könnten bspw. sein:

  • Neuformulierung der Sportförderungs- Richtlinien deckungsgleich mit denen des Landkreises
  • rderung von Projekten in den Vereinen
  • Einheitliche Nutzungsverträge
  • Definition von Zugangsvoraussetzungen von städt. Fördermitteln oder auch die
  • Einführung von Nutzungsgebühren.

 

Herr Stadtrat Kassel ergänzt, dass die überwiegende Ausrichtung der finanziellen Mittel in Infrastruktur geändert werden solle. Derzeit steure man nicht zielgerecht und verwalte nur nach (Haushalts)Plan. Beispielsweise werde die unbedingt notwendige semiprofessionelle Arbeit in den Vereinen überhaupt nicht unterstützt. Viele kleinere Vereine beklagen, dass sich schwer jemand für die Vorstandsarbeit finden lasse, da es an konstruktiver Unterstützung in den Vereinen fehle.

 

Es entspinnt sich eine lebhafte Diskussion.

Ratsherr Hagos weist auf das Fitnessprogramm „Hansefit“ hin, ähnliches könne er sich auch in Celle vorstellen, und fragt nach den Kosten einer Kalthalle, die Dr. Eckl mit rd. € 500.000 Herstellungskosten und € 3.000 jährlich für Beleuchtung beziffert,

 

Das Für und Wider von Nutzungsgebühren wird diskutiert.

rgermeister Dr. Hörstmann weist darauf hin, dass es keinen Sinn mache, den Vereinen erst einmal das Geld aus der Tasche zu ziehen, es dann aber wieder an anderer Stelle zurück fließen zu lassen. Die Vereine wüssten schon selbst, wie sie ihre Gelder einsetzen.

Ratsherr Blidon gibt zu bedenken, dass auch bei allen neuen Ideen, die Vereine ihr Kerngeschäft nicht vernachlässigen können.

 

Auch künftig müsse der Rasen gemäht und Türschlösser geölt werden.

 

Die Ausschussvorsitzende weist daraufhin, dass es heute nicht darum gehe, Entscheidungen zu treffen oder Sachfragen abschließend zu diskutieren.

So vertieft sei die Politik noch nicht in die Materie eingestiegen.

Beigeordneter Ehlers unterstreicht das Gesagte und ergänzt, dass momentan Befunde und Leitlinien vorlägen. Von zu treffenden Entscheidungen sei man noch weit entfernt.

Ratsherr Schoeps knüpft an diese Aussage an und fordert zeitliche Eckpfeiler für die Umsetzung des Sportentwicklungsplans.

 

Im Ausschuss ist man sich einig, dass der Sportentwicklungsplan nicht in einer Schublade verschwinden dürfe, auch wenn die Umsetzung oftmals mit hohen finanziellen Aufwendungen verbunden sein werde.

An dieser Stelle bittet beratendes Mitglied Herr Sohnemann den Ausschuss, den Vereinen offen und fair gegenüber zu treten. Nur gemeinsam könne es gelingen, den Sportentwicklungsplan umzusetzen.

 

Die Ausschussvorsitzende bedankt sich bei Herrn Dr. Eckl für seine Ausführungen und wünscht einen guten Nachhauseweg.

 

Mit 6 Ja-Stimmen bei einer Gegenstimme wurde folgender geänderter Beschluss gefasst:

 

Die Verwaltung wird beauftragt, die im Sportentwicklungsplan aufgeführten Vorschläge aufzugreifen und gemeinsam mit der Planungsgruppe und den Celler Vereinen Möglichkeiten der Umsetzung zu erörtern und sie sodann den politischen Gremien zur Entscheidung wieder vorzustellen. Der Sportausschuss geht davon aus, dass dies bis Anfang des kommenden Jahres geschieht.

 

 

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Anlagen zur Vorlage