Mitteilungsvorlage - MV/0009/05
Grunddaten
- Betreff:
-
Suchtprävention in der Jugendsozialarbeit
- Status:
- öffentlich (Vorlage abgeschlossen)
- Vorlageart:
- Mitteilungsvorlage
- Federführend:
- Vorzimmer FB 4
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | PA |
|---|---|---|---|---|
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●
Erledigt
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Jugendhilfeausschuss
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Vorberatung
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08.02.2005
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Sachverhalt:
Auf Grundlage der Theorien der Kinder- und Jugendarbeit und
der Handlungsmaximen des Bundesjugendplans steht dieses Praxiskonzept im
direkten Zusammenhang mit den Konzepten und den Angeboten der Mobilen
Jugendarbeit, des Jugendschutzes und der Schulsozialarbeit.
Eine Praxis, die stationär nicht gebunden ist und stärker
auf Projekte und mobile niedrigschwellige, also adressatennahe Angebote setzt.
Dieses Konzept richtet die Kinder- und Jugendarbeit stark am Ziel der
Aufklärung und Prävention aus.
Vernetzung
Das beinhaltet mannigfaltige Kooperationsbeziehungen zu
anderen Institutionen wie z. B. Polizei, Allgemeiner Sozialdienst,
Psychosoziale Beratungsstelle und Kriminalpräventionsrat.
Grundlage für das Konzept sind die Modelle einer lebensweltorientierten
und akzeptierenden Kinder- und Jugendarbeit.
Berücksichtigt werden folgende Ansätze:
Mädchen- und Jungenarbeit,
interkulturelle Ansätze,
kulturpädagogische Konzepte,
sportorientierte Konzepte,
erlebnispädagogische Konzepte usw.
Die Arbeit in der Suchtprävention orientiert sich an den Anforderungen
der Kinder- und Jugendarbeit:
Freiwilligkeit
Die pädagogische Arbeit zeichnet sich gegenüber anderen
institutialisierten Handlungsfeldern besonders durch das Prinzip der
Freiwilligkeit aus. Die Aktivitäten werden „angeboten“,
verpflichten jedoch nicht zur Teilnahme.
Partizipation
Partizipation von Kinder- und Jugendarbeit wird unterstützt.
Das bedeutet, Kindern und Jugendlichen Handlungsfelder
anzubieten, in denen sie selbst Organisation und Mitbestimmungsvarianten
erproben können. Sie sollen lernen, wie sie auf gesellschaftliche Entwicklungen
und Planungen Einfluss nehmen können.
Integration
Die unterschiedlichen Interessen und Bedürfnisse kultureller
Orientierungen, Milieus und Lebenswelten, unterschiedliche Ethnien und
religiöse Orientierungen werden in die Angebote eingebunden.
Lebensweltorientierung
Angebote und Projekte werden an Erfahrungen, Fähigkeiten,
Wünschen, Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen angebunden. Die Anliegen
von Kindern und Jugendlichen werden ernst genommen und die unterschiedlichen
Sozialisationsbedingungen und kulturelle und milieuspezifische Besonderheiten
berücksichtigt.
Gruppenorientierung
Soziale, kulturelle und politische Kompetenzen werden im
sozialen Kontext des Lernens gefördert.
Biografieorientierung
Die spezifischen Hintergründe und Entwicklungen von Kindern
und Jugendlichen werden berücksichtigt und differenziert betrachtet.
Alltagsorientierung
Die Angebote docken an Lebenswelt und Alltag der
Jugendlichen an, um für diese auch erreichbar zu sein.
Förderung der Selbstwertkompetenzen
Die pädagogische Praxis orientiert sich daran und versucht,
Kindern und Jugendlichen sich ihre Fähigkeiten bewusst zu machen und dieses zu
fördern. Dies hilft ihnen, bei vorhandenen Kompetenzen Krisen und
Unsicherheiten zu überwinden.
Regionalisierung und Dezentralisierung
Spricht für sich.
Prävention und Beratung - Mobilität und Niedrigschwelligkeit
als Konzept
„So wenig, wie es nur eine Ursache für Sucht gibt, so
wenig gibt es nur die (eine) Sucht. Natürlich haben nicht alle Süchte die
gleiche Bedeutung, auch die Gefährdung, die von ihnen ausgeht, ist
unterschiedlich. Wer aber erfolgreich Suchtprävention gestalten will, muss
danach fragen, was diesen Süchten gemeinsam ist, welche Ursachen es sind, die
das Entstehen von süchtigem Verhalten begünstigen, damit man sie erkennen und
sich davor schützen kann.“ (Bundeszentrale für gesundheitliche
Aufklärung)
Alkohol
In Deutschland gibt es ca. 9,3 Mio. Menschen zwischen 18 und
69 Jahren mit riskantem Alkoholkonsum. Davon weisen ca. 2,7 Mio. einen
missbräuchlichen Alkoholkonsum auf. (Bundeszentrale für gesundheitliche
Aufklärung)
Drogen
Zahlen und Trends aus zwei Befragungen der Europäischen
Kommission von mehr als 7.600 Jugendlichen im Jahr 2004.
„Im Jahre 2004 stimmten 79 % der Jugendlichen eher der
Ansicht zu, dass auf Partys leicht an Drogen zu kommen ist.
50 % der Befragten wurde 2004 Cannabis angeboten, ein
Drittel hatte 2004 Cannabis probiert. Dies bedeutet eine Zunahme gegenüber
2002.
Mehr Jungen als Mädchen gebrauchen Cannabis und andere
Suchtmittel.“
Die Neugier bleibt auch für 2004 der Hauptgrund für das
Ausprobieren von Drogen.
64 % sehen in der Abhängigkeit die Hauptfolge des
Drogenkonsums.
Ein Drittel der Befragten sieht einen Zusammenhang zwischen
dem Konsum von Alkohol und Drogen (ein Anstieg von 5 % seit 2002) und zwischen
dem Verbrauch von Tabak und Drogen (ein Anstieg von 7 %).
53 % der Befragten meinen, dass verstärket Betreuung und
Wiedereingliederungsmaßnahmen angeboten werden müssen, um die Drogenproblematik
besser in den Griff zu bekommen.
49 % der Befragten halten Strafmaßnahmen gegen Dealer und
Drogenschmuggler bzw. gegen Drogenproduzenten für besonders wichtig.
42 % vertreten die Ansicht, dass Informationskampagnen ein
wichtiges Mittel zur Bewältigung der Drogenproblematik sind.
Der am 25. November 2004 in Brüssel vorgestellte
Jahresbericht der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht
zeigt einen Rückgang drogenbedingter Todesfälle bei gleichzeitig steigendem
Cannabiskonsum bei Jugendlichen auf.
„Cannabis ist der am häufigsten konsumierte illegale
Suchtstoff. In Deutschland haben über 9 Mio. Menschen Erfahrung mit
Cannabis, fast 400.000 weisen einen missbräuchlichen oder abhängigen Konsum
auf. In der Altersgruppe der 18 – 29jährigen hat die Verbreitung von
Cannabis zwischen 1992 und 2002 um das 2,7- fache zugenommen. Jeder Zweite, der
heute wegen des Konsums illegaler Drogen zum ersten Mal in seinem Leben eine
Beratungsstelle aufsucht, kommt wegen Cannabis. Die vom Bundesministerium für
Gesundheit und soziale Sicherung beauftragte Studie über cannabisbezogene
Störungen hat eine Zunahme bei den Beratungen in den erfassten ambulanten
Einrichtungen auf fast das 6-fache innerhalb von 10 Jahren festgestellt. Neben
Cannabis spielen auch Alkohol, Ecstasy und harte Drogen eine wesentliche
Rolle.“
Aufklärung und Prävention
Schwerpunkt der pädagogischen Arbeit wird neben der
Vermittlung von Beratungs- und Therapieangeboten die Aufklärung und Prävention
sein. Diese Angebote müssen an der Zielgruppe ausgerichtet werden und eine
glaubwürdige Kommunikation ermöglichen, die mit der Lebensweise und den Erfahrungen
der Jugendlichen im Einklang steht. Für Beratung und Aufklärung gilt das
Beispiel der akzeptierenden Jugendarbeit.
Diese Akzeptierung bedeutet ein Ansetzen an den bestehenden
Gruppierungen und den sozialen Problemen, die diese Gruppierungen aufweisen. Es
entwickelt sich eine Form analog zur niedrigschwelligen Drogenarbeit. Dieser
niedrigschwellige Ansatz geht davon aus, dass die belehrende Bekämpfung des
Problems nur von höchst begrenzter Wirkung ist und daher eine
sozialpädagogische Arbeit notwendig macht, die diejenigen Probleme in den
Mittelpunkt stellt, die die Jugendlichen haben und nicht die Probleme, die sie
machen. Zuerst geht es darum zu akzeptieren, dass Jugendliche selbst für sich
zumeist einen Sinn darin sehen, sich so und nicht anders zu orientieren. Sie
werden ihre Auffälligkeiten nur dann ablegen, wenn sie für sich sinnvollere und
befriedigendere Wege entdeckt haben. Akzeptieren heißt allerdings nicht, dass
alle Handlungen der Jugendlichen positiv kommentiert werden. Lebensweltnahe Ansätze
sollen den Zugang zu den Adressaten erleichtern. Dieses bedeutet, dass die
Aufklärung sich an dem aufzuklärenden, deren Biografien und sozialen Umfeld
orientiert.
Evaluation
Auf der Grundlage von
Handlungszielen wird die pädagogische Arbeit der Suchtprävention weiter
konzeptioniert, konkretisiert und strukturiert. Hieraus entwickelt sich ein
Ziele- und Maßnahmenplanung, die die Handlungen und Tätigkeiten dokumentiert.
Dieser Prozess ist fortlaufend und hat sich den veränderten
Bedingungen anzupassen.
Ziele und Maßnahmen werden wie in der Schulsozialarbeit
S.M.A.R.T formuliert:
S =
spezifisch konkrete Teilziele werden
bewertet
M =
messbar die Zielerreichung lässt
sich messen
R =
realistisch das Ziel ist erreichbar
T =
terminiert ein Zeitrahmen wird
festgelegt.
Zielgruppe
Kinder und Jugendliche.
