Mitteilungsvorlage - MV/0258/12
Grunddaten
- Betreff:
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Sachstand Kooperationsnetzwerk / Clustermanagement "Erdöl, Erdgas, Erdwärme"
- Status:
- öffentlich (Vorlage abgeschlossen)
- Vorlageart:
- Mitteilungsvorlage
- Federführend:
- 80.1 Wirtschaftsförderung, Immobilien und Stadtmarketing
- Zuständigkeit:
- (Dr. Susanne Schmitt)
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | PA |
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Erledigt
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Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Liegenschaften
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Anhörung
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27.06.2012
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Erledigt
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Verwaltungsausschuss
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Anhörung
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Sachverhalt:
Im August 2010 erhielt die Stadt Celle den Zuwendungsbescheid zum beantragten Projekt Kooperationsnetzwerk / Clustermanagement „Erdöl, Erdgas, Erdwärme“. Das Gesamtbudget beträgt 751.275,-- € über einen Zeitraum von drei Jahren und wird mit 75% aus EFRE-Mitteln bezuschusst. Die Celler Wirtschaft ist mit 9% beteiligt, die übrigen 16% trägt die Stadt Celle. Zur Bündelung der Celler Wirtschaft im Clustermanagement wurde zu Projektbeginn der GeoEnergy Celle e.V. mit zehn Gründungsmitgliedern ins Leben gerufen. Das satzungsgemäße Ziel des Vereins ist die Förderung neuer Technologien, Standards und Infrastrukturen für die effiziente Erschließung und Nutzung der Energieträger Erdöl, Erdgas und Erdwärme. Im Fokus stehen dabei die technologische Entwicklung sowie die sichere und wirtschaftliche Nutzung der Geothermie.
Die Geschäftsstelle des Projektes wurde zunächst in Räumen der Congress Union Celle eingerichtet. Mitte 2011 zog die Geschäftstelle in das OECN um. Mit der operativen Umsetzung des Clustermanagements wurde ab Juni 2011 die Innos Sperlich GmbH beauftragt. Gleichzeitig wurde die Entscheidungsverantwortung für das Projekt Clustermanagement über eine Kooperationsvereinbarung mit der Stadt Celle auf den GeoEnergy Celle e.V. übertragen. Sein Vorstand berät und entscheidet regelmäßig über Aktivitäten und Maßnahmen im Projekt. Dem Fachdienst 80 der Stadt Celle obliegen weiterhin das Finanzcontrolling sowie die administrative Abwicklung gegenüber der NBank. Personell wird die Geschäftsstelle durch Frau Wittke unterstützt, die bis zum Projektende von einem Teil ihrer Aufgaben in der Stadtverwaltung freigestellt ist.
Die Unterstützung der inhaltlichen Arbeit sowie die Einbindung der Netzwerkpartner erfolgt über verschiedene Arbeitskreise. So unterstützt der Arbeitskreis Marketing die Öffentlichkeitsarbeit, Messebeteiligungen, Veranstaltungen und Internetpräsenz des Kooperationsnetzwerkes. Die Arbeitkreise Oberflächennahe Geothermie, Mitteltiefe Geothermie sowie Tiefe Geothermie stellen die Potentiale und Referenzen der Netzwerkmitglieder zusammen als Grundlage für die weitere Projektentwicklung. Da die mitteltiefe Geothermie in NorddeutschIand aufgrund der speziellen Geologie - z.B. Salzstocklagen - eine Besonderheit darstellt, sollen zu diesem Thema in Kooperation mit dem Niedersächsischen Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie LBEG sachbezogenen Schriften verfasst werden.
Seit der Hannover Messe 2011 präsentiert sich das Kooperationsnetzwerk auf dem Celler Gemeinschaftsstand mit der entsprechenden öffentlichen Breitenwirkung. Darüber hinaus ist die Hannover Messe die geeignete Plattform für Lobbyarbeit in Richtung Politik und Verwaltung. Gespräche wurden u. a. mit der Bundeskanzlerin, den niedersächsischen Ministerpräsidenten, Umweltminister und Wirtschaftsminister, Staatssekretären sowie EU-Kommissaren geführt.
Für eine entsprechende Präsenz in der Fachwelt beteiligte sich das Celler Kooperationsnetzwerkes an den Branchenmessen /-kongressen GeoEnergia in Karlsruhe (November 2010) und in Bochum (November 2011) jeweils mit einem Gemeinschaftsstand mit 10 beteiligten Celler Unternehmen. Auf der norddeutschen Geothermietagung im Oktober 2011 im Geozentrum Hannover trat das Netzwerk als Kooperationspartner auf. Es beteiligte sich im Ausstellungsbereich und referierte zum Auftakt der Veranstaltung in einer Keynote-Präsentation über die Chancen für die norddeutsche Geothemie-Industrie. Im Februar 2012 präsentierte sich das Celler Cluster auf der Fachmesse /-kongress GeoTherm in Offenburg gemeinschaftlich mit sechs Celler Firmen.
Im September 2011 wurde vom Clustermanagement zum ersten Mal der internationale Fachkongress für Tiefbohrtechnologie „Celle Drilling“ in der Congress Union Celle mit großem Erfolg durchgeführt. Insgesamt nahmen 275 Teilnehmer an der zweitägigen Veranstaltung teil und verfolgten 40 Fachbeiträge aus Wissenschaft und Wirtschaft. Aufgrund der guten Resonanz soll die Konferenz künftig im jährlichen Turnus als Branchentreff für die Tiefbohrtechnologie fortgeführt werden. Die zweite Celle Drilling, die im September dieses Jahres stattfinden soll, bereitet der GeoEnergy Celle e.V. in eigener organisatorischer Verantwortung vor.
Das Kompetenznetzwerk / Clustermanagement wird die Realisierung des Celler Geothermieparks in der Trift maßgeblich unterstützen. Unternehmen aus dem Netzwerk stellen derzeit geeignete Exponate für die dauerhafte Ausstellung im Außenbereich zusammen. Neben Bohrgestängen, Bohrlochköpfen und Bohrmeißeln werden weitere Werkzeuge die Kompetenzen in der Erdöl-, Erdgas- und Geothermie-Industrie am Wirtschaftsstandort Celle dokumentieren. Darüber hinaus wird derzeit in der Celler Bohrmeisterschule ein Ausstellungsraum zum Thema Geothermie eingerichtet, der den Geothermiepark thematisch ergänzt. Im Rahmen des Clustermanagements wurden drei Geothermiemodelle erstellt – jeweils für oberflächennahe, mitteltiefe und tiefe Geothermie. Sie veranschaulichen leicht verständlich verschiedene Erschließungskonzepte und Nutzungsmöglichkeiten der Erdwärme und waren bereits auf der dem Celler Gemeinschaftsstand auf der Hannover Messe ein Besuchermagnet. Die Modelle werden durch die Bohrmeisterschule betreut und im Ausstellungsraum Geothermie ihren Platz finden, sofern sie nicht anderenorts im Einsatz sind.
Im Auftrag des Clustermanagements wurde im Mai 2011 die Studie „Geothermische Potentiale im Stadtgebiet von Celle“ von der Geodienste GmbH fertig gestellt. Die Studie bescheinigt für die Stadt Celle hervorragende geologische Bedingungen zur Nutzung der Erdwärme in allen Tiefenlagen von der oberflächennahen über die mitteltiefe bis hin zur tiefen Geothermie. Die Ursache hierfür liegt u. a. in der sogenannten „Hot-Spot“ Lage von Celle, bei der in vergleichbaren Tiefen höhere Untergrundtemperaturen anzutreffen sind. Darüber hinaus begünstigen die vorliegenden Salzstrukturen im Celler Raum die Geothermischen Nutzungspotenziale positiv. Besondere Betrachtung fanden in der Studie die Gebiete Allerinsel, Congress Union Celle, Celler Badeland, Gewerbegebiet Klein Hehlen / Hollenkamp, Celle Südost (Baker Hughes Gelände).
Mit dem Celler Badeland befindet sich das erste Projekt aus der Studie in der Planungsphase. Im Auftrag der Stadtwerke Celle erstellt die Geodienste GmbH aus Garbsen derzeit ein technisches Gutachten, das die Machbarkeit sowie Umsetzungsszenarien für eine geothermischen Beheizung der Schwimmbeckenwasser darstellt. Im Fokus des Gutachtens steht dabei ein geologischer „Nutzungshorizont“ in mittlerer Tiefe von ca. 800 Metern.
Bereits in der Umsetzung befindet sich das Projekt „Geothermische Wärmeversorgung der neuen Celler Hauptfeuerwache“ Grundlagen für die Projektrealisierung sind eine Machbarkeitsstudie der GeoDienste GmbH sowie die technischen Detailplanungen des Ingenieurbüros Heidt & Peters aus Celle. Auch aufgrund der Wirtschaftlichkeitsberechnungen entschloss sich der Bauträger Goldbeck auf Bitte der Stadt, das Gebäude in der Grundlast mit Geothermie zu beheizen. Die Realisierung wird im Oberflächennahen Bereich stattfinden. Dafür werden im Untergrund mehrere Bohrlöcher für ein Sondenfeld bis ca. 100 Metern Tiefe erstellt.
Auch am Celler Rathaus wurde bereits eine Erkundungsbohrung bis ca. 100 Metern Tiefe für einen geothermischen „Response-Test“ durch die Celler Brunnenbau GmbH durchgeführt. Dieses Verfahren liefert die notwendigen Daten für die Auslegung einer geothermischen Anlage zum Kühlen der Server im Celler Rechenzentrum.
Um die Zusammenarbeit mit Hochschulen zu intensivieren, wurde im Mai 2011 ein Rahmen-Kooperationsvertrag mit fünf niedersächsischen Universitäten unterzeichnet. Aus dieser Kooperation heraus ist zunächst das Drilling Network Niedersachsen entstanden. Firmenmitglieder aus dem Cluster definieren derzeit gemeinsam mit Wissenschaftlern aus den beteiligten Hochschulen Forschungsprojekte, für die anschließend Forschungsfördermittel beim Bund beantragt werden sollen.
Neben der operativen Tätigkeit des GeoEnergy Celle e. V. für das Clustermanagement der Stadt Celle ist der Verein mittlerweile zunehmend auch in eigener Sache tätig. So hat der Verein im vergangenen Jahr eine Kooperationsvereinbarung mit dem GtV - Bundesverband Geothermie e. V. und der in Süddeutschland ansässigen Wirtschaftsvereinigung Geothermie e. V. geschlossen. Ziel ist die strategische Partnerschaft zur gemeinsamen Interessenvertretung. Mit einer eingerichteten Berlin-Adresse ist der Verein GeoEnergy Celle e. V. auch Ansprechpartner für das Bundesumweltministerium BMU und für Verbände und Politik direkt in der Hauptstadt. Bundesweit werden die Interessen der Celler Clusters im Bundesverband Geothermie GtV vertreten durch die Wahl von Frau Dr. Schmitt zur Vize-Präsidentin und als Sektionssprecherin Tiefe Geothermie ebenso wie im Regionalforum Nord des Bundesverbandes Geothermie GtV durch die Wahl von Herrn Genannt zum Sprecher.
Darüber hinaus ist der GeoEnergy Celle e.V. Mitglied im Bundesverband Erneuerbare Energien mit dem Ziel der Vernetzung und Unterstützung der positiven Entwicklung von Rahmenbedingungen für die Geothermie.
Die weitere Interessenvertretung des Clustermanagements erfolgte u. a. durch Präsentationen und Gespräche beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V., Frau Dr. Flachsbarth (MdB), Herr Lange (MdEP), Frau Lühmann (MdB) und Herr Meyer (MdL).
Im Rahmen der Netzwerkarbeit hat sich das Celler Kompetenznetzwerk im März 2011 bei den 4. Niedersächsischen Energietagen in Goslar mit Vorträgen und in der Ausstellung präsentiert. Ferner wurde das Celler Cluster vorgestellt in Präsentationen und Gespräche u. a. im Niedersächsischen Landwirtschaftsministerium (Staatssekretär Ripke), im Niedersächsischen Umweltministerium (Staatssekretär Birkner, jetzt Umweltminister), im Umweltausschuss der niedersächsischen CDU oder bei Parlamentariertreffen in Berlin.
Das Clustermanagement hat sich maßgeblich für die Einrichtung eines Zentrums für Tiefe Geothermie in Celle eingesetzt, u. a. durch Fachreferate im niedersächsischen Landtag. Vor wenigen Tagen wurde diese Einrichtung ebenfalls im OECN offiziell eröffnet. Einer der vorrangigen Aufgaben ist die Sammlung und Aufbereitung dringend benötigter Untergrunddaten für Projekt im Bereich der Tiefen Geothermie.
Die Förderung des Kooperationsnetzwerks / Clustermanagement „Erdöl, Erdgas, Erdwärme“ aus EFRE-Mitteln läuft zum April 2013 aus. Die Aufgaben und Arbeiten des Kompetenznetzwerkes werden über den Förderzeitraum vom GeoEnergy Celle e.V., der mittlerweile auf über 38 Mitgliedern gewachsen ist, fortgeführt.
