Beschlussvorlage - BV/0050/14
Grunddaten
- Betreff:
-
Antrag Nr. 32/2013 der SPD-Fraktion "Bewerbung der Stadt Celle im Rahmen der internationalen Kampagne "Fairtrade-Towns" von TransFair"
- Status:
- öffentlich (Vorlage abgeschlossen)
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- 04 Beteiligungsmanagement
- Zuständigkeit:
- (Dirk-Ulrich Mende)
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | PA |
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Erledigt
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Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Liegenschaften
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Vorberatung
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04.03.2014
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Erledigt
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Verwaltungsausschuss
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Entscheidung
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Beschlussvorschlag:
Der Fairtrade-Ansatz wird grundsätzlich begrüßt. Die Stadt Celle wird nicht selbst aktiv, um den Status einer Fairtrade-Stadt zu erlangen, sondern wird ggf. einen aus der Mitte der Bevölkerung initiierten Ansatz für ein federführend bürgerschaftlich getragenes Projekt im Rahmen ihrer Möglichkeiten unterstützen.
Sachverhalt:
Eine von TransFair Deutschland in Auftrag gegebene Studie des Centrums für Evaluation (CEval) der Universität des Saarlandes hat ergeben, dass (es folgen zusammenfassende Sätze aus der Studie) “Fairtrade wichtige positive Veränderungen für ländliche Gebiete erwirken kann. Wie die Studie zeigt, kann Fairtrade dadurch die Lebensumstände von Arbeitern und Kleinbäuerinnen verbessern. Auch schafft Fairtrade in vielen Bereichen Voraussetzungen, damit ländliche Entwicklung stattfinden kann. Entscheidend dabei ist, dass sich der Planungshorizont der ländlichen Bevölkerung verlängert. Dies einerseits dank des von Fairtrade garantierten Schutzes vor Preiszerfällen, andererseits aber auch als Folge der besseren vertraglichen Situation von Arbeiterinnen und Arbeitern.“
Faitrade-Produkte, die ursprünglich im Wesentlichen in “Eine-Welt-Läden“ zu erwerben waren, gibt es heutzutage wie selbstverständlich auch in den Regalen von großen Lebensmittelketten. Dadurch ist der Bekanntheitsgrad der Marke aber auch die Nachfrage nach diesen Produkten gestiegen. So wurden z. B. beim Anbau von Bananen die grundsätzlichen Vorgaben kleinbäuerlicher Strukturen aufgeweicht, um die große Nachfrage in Großbritannien überhaupt zu decken. Kritiker einer Ausweitung bis hin zu Discountern merkten seinerzeit an, dass damit die eigentlichen Verursacher der Not in den produzierenden Ländern zu Partnern gemacht würden. Das ist nicht von der Hand zu weisen, denn neben fair produzierten und von den Ketten erworbenen Produkten liegen diejenigen Produkte im Regal, bei denen die Einkaufsmacht für weiteren Preisverfall bei den Erzeugern (z. B. Orangen aus Spanien und Italien) sorgen. Das französische Fernsehen hat für Arte ergänzend recherchiert und den Beitrag auch in Deutschland gesendet. Dabei wurde unter anderem am Beispiel Kaffee ausgeführt, dass nicht die ganze Handelskette fair agiert und der Handel teilweise Fairtrade nutzt, um beim Verbraucher deutlich höhere Preisaufschläge durchzusetzen, als diese aufgrund der Preisgarantie für die Produzenten notwendig wären. Die Kundin bzw. der Kunde müsse also weiterhin kritisch bleiben und sich fragen, wo sie bzw. er Fairtrade einkauft.
Die Verantwortlichen sind aufgefordert, alles dafür zu tun, dass der lobenswerte Ansatz von Faitrade nicht beschädigt wird.
Ein weiterer Ansatz zu mehr Aufmerksamkeit bei Verbrauchern ist aus Sicht der Verwaltung die Kampagne Fairtrade-Towns. Es gibt schon viele Städte, die sich diese Idee zur Stärkung der Marke zu eigen gemacht haben. Sicherlich gehen diese Städte nicht davon aus, dass der Status einer Fairtrade-Stadt ein nennenswertes Argument für die Positionierung im Rahmen des Stadtmarketings ist. Außer in den Städten selbst dürfte auch kaum jemand wissen, dass z. B. Lüneburg und Braunschweig Fairtrade-Städte sind. Eine Annäherung müsse also anders motiviert sein. Im Wesentlichen dürfte der „lupenreine“ Fairtrade-Ansatz gerade in studentisch geprägten Städten breiter verankert sein. Somit dürfte in diesen Städten auch die Bereitschaft zur Mitwirkung eine ganz andere Bedeutung haben.
Die Stadt Celle verfolgt im Rahmen des Stadtmarketings seit 2008 den Ansatz “Nachhaltiges Celle“. http://www.nachhaltiges-celle.de/das-projekt/projekt-info/details-projektinfo
Bei diesem Projekt handelt es sich um ein Kooperationsprojekt zwischen der Stadt Celle und der Celle Tourismus und Marketing GmbH. Das Projekt beruht auf Freiwilligkeit und Eigeninitiative der Teilnehmer und fördert die praxisnahe Verankerung des Prinzips der Nachhaltigkeit. Konkret werden die Vorstellungen des nachhaltigen Wirtschaftens etwa bei der Nutzung von Energie und Wasser, beim Umgang mit Abfall, bei der Mobilität und beim Einkauf.
Das schließt nicht aus, dass die Stadt Celle auch den Fairtrade-Ansatz kommuniziert. Die Stadt sollte aber nicht selbst aktiv werden, um zusätzlich den Status einer Fairtrade-Stadt zu erlangen, sondern sollte ggf. einen aus der Mitte der Bevölkerung initiierten Ansatz für ein federführend bürgerschaftlich getragenes Projekt unterstützen. Die Haushaltslage lässt aus Sicht der Verwaltung nicht zu, dass personelle und finanzielle Kapazitäten eingesetzt werden, um den gesamten Prozess zu initiieren und zu steuern, zumal derzeit der Weg eher in die Richtung führt, dass insbesondere freiwillige Aufgaben kritisch analysiert werden, um Konsolidierungspakete zu schnüren.
Anlagen
| Nr. | Name | Original | Status | Größe | |
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1
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(wie Dokument)
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40,2 kB
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2
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(wie Dokument)
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1,4 MB
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