Beschlussvorlage - BV/0221/14
Grunddaten
- Betreff:
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Betreuung und Integration von Asylbewerbern, Flüchtlingen und Menschen ohne Unterkunft in der Stadt Celle
- Status:
- öffentlich (Vorlage abgeschlossen)
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- FB 4 Bildung, Jugend und Soziales
- Zuständigkeit:
- (Stephan Kassel)
- Ziele:
- Förderung der Integration von Menschen verschiedener Herkunft
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | PA |
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Geplant
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Sozialausschuss
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Vorberatung
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23.07.2014
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Erledigt
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Verwaltungsausschuss
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Entscheidung
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Erledigt
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Rat der Stadt Celle
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Entscheidung
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25.09.2014
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Sachverhalt:
Die Unterbringung und Betreuung von Menschen ohne Unterkunft hat sich in den vergangenen Monaten immer mehr zu einer Schwerpunktaufgabe in unserer Stadt entwickelt. Dazu trägt neben den Problemen vieler junger Menschen, eine Wohnung zu finden, auch die Erhöhung der Quote der Flüchtlinge und Asylbewerber auf nunmehr 152 Personen für die Zeit bis Mitte 2015 bei.
Bei der Stadt Celle findet bereits eine enge Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Stellen (u.a. Ausländerstelle und Fachdienst Soziale Hilfen) statt. Die ordnungsbehördlichen und sozialen Aufgaben werden so zusammengeführt, ohne dass die Selbständigkeit der jeweiligen Bereiche angetastet wird.
Angesichts der erheblichen Zahl der angekündigten Zuweisungen ist eine strukturierte Gestaltung der Begleitung insbesondere der alleinstehenden männlichen Personen unabdingbar. Die Landesaufnahmebehörde Niedersachsen (LAB NI) Standort Braunschweig hat der Verwaltung am 15.7.2014 per Email Folgendes mitgeteilt:
„Sehr viele Personen sind zurzeit aus dem Sudan, Cote dÌvoire, Somalia, Liberia, Eritrea Albanien, Algerien und aus Georgien. Das heißt, auch Celle wird in jedem Fall demnächst mit afrikanischen Flüchtlingen bevölkert werden.“
Die stetig steigenden Zahlen und die aktuelle Quote erfordern daher aus Sicht der Verwaltung einen veränderten Umgang mit diesem Aufgabenbereich.
Neben einem Konzept zur Unterbringung gehört dazu auch eine Ausweitung der sozialpädagogischen Betreuung.
Bisher erfolgt die Betreuung der Flüchtlinge und Asylbewerber durch eine Mitarbeiterin des ASD mit 5 Stunden pro Woche. Die Betreuung von Obdachlosen wird durch die Mitarbeiter/innen des ASD nach Bedarf und auf Anfrage wahrgenommen.
Die bislang geleistete Betreuung reicht bei zunehmenden Zuweisungszahlen, insbesondere von alleinstehenden Personen, nicht mehr aus. Gerade die für diesen Personenkreis notwendige Unterbringung in Wohngemeinschaften birgt im Hinblick auf die oftmals unterschiedlichen Herkunftsländer ein erhöhtes Konfliktpotential. Um diesem entgegen wirken zu können, ist es erforderlich, die Problemlagen schnell zu erkennen und zu lösen. Ein wesentlicher Baustein ist hierfür die Entwicklung einer Tagesstruktur, u.a. durch die Schaffung von Arbeitsgelegenheiten.
Insbesondere die Hilfestellung bei der Suche von angemessenem Wohnraum stellt ein gemeinsames Problem da. Hier ließen sich die vorhandenen guten Kontakte zu den Celler Vermietern für beide Personenkreise gemeinsam nutzen.
Es wird daher vorgeschlagen, im Fachdienst 50 (Soziale Hilfen) zeitnah eine Zentrale Anlaufstelle (ZA) für den genannten Personenkreis einzurichten und als Projekt voran zu treiben. Die ZA wird personell ausgestattet mit zwei Mitarbeiter/innen. Davon sollte eine/r Sozialpädagogin/ Sozialpädagoge sein. Entsprechend dem Projektgedanken sollte die Einrichtung der Stellen nur befristet für zunächst 2 Jahre vorgesehen werden.
Ein Verwaltungsmitarbeiter steht bereits zur Verfügung und hat mehrjährige Erfahrung in der Arbeit mit dieser Klientel. Ein/e Sozialpädagoge/ Sozialpädagogin ist neu einzustellen.
Für die Einrichtung der Zentralen Anlaufstelle entstehen neue Kosten, die aus dem Personalpool der Stadt finanziert werden müssten. Grundlage ist der Personalbedarf des FD 50. Derzeit besteht laut vorgegebenem Berechnungsmuster von FD 11 aufgrund gestiegener Fallzahlen für die reguläre Sachbearbeitung der Hilfefälle ein Personalbedarf von zusätzlich ca. 2 Stellen. FD 50 verzichtet für zunächst 2 Jahre auf eine Neuausweisung zunächst einer Stelle.
Im Gegenzug wird eine Sozialpädagogin für Koordination und sozialpädagogische Betreuung befristet eingestellt. Die Besetzung könnte im Vorgriff auf den Stellenplan 2015 bei Bedarf kurzfristig erfolgen. Das Projekt wird zunächst auf 2 Jahre befristet.
Außerdem werden Fördermöglichkeiten durch Land und Landkreis geprüft, die ggf. vorrangig genutzt werden sollen. Dabei liegt bereits ein Förderbescheid des Landkreises Celle vor. Danach bezuschusst er die Kosten zunächst einer Stelle mit 25 % der dafür entstehenden Personalkosten.
Hauptaufgaben der zentralen Anlaufstelle:
- Koordinierung und Vernetzung
Aufbau eines Netzwerks mit allen relevanten Akteuren wie Migrationsberatungsstellen, Dienststellen (Ausländerbehörde, Sozialverwaltung, Quartiersmanagement u.a.), Job-center, VHS und Kammern zur Unterstützung der Flüchtlinge.
Erschließung soziokultureller Infrastruktur für die Flüchtlingssozialarbeit, wie kulturelle, sportliche und Bildungsangebote,
dafür Aufbau eines Pools an Ehrenamtlichen (ggf. über die Freiwilligenagentur, Wohlfahrtsverbände und städt. Ausschuss).
Kontaktaufnahme zu Vermietern, die bereit sind, an Flüchtlinge Wohnungen zu vermieten.
Die Zentrale Anlaufstelle soll bei Bedarf
- einen einfachen und direkten Zugang zu den Beratungsangeboten vor Ort ermöglichen,
- spezialisierte Betreuungsdienste vermitteln,
- eine sinnvolle Verteilung unter Berücksichtigung von Sprache, Kultur,
- Integration in die Stadtteile unterstützen,
- administrative/ hoheitliche Aufgaben von der sozialen Betreuung trennen,
- neu ankommende Flüchtlinge mit ersten Informationen versorgen („wo finde ich was?“) und bei der Antragstellung von Sozialleistungen unterstützen und begleiten (keine Rechtsberatung),
- traumatisierten Flüchtlingen, insbesondere Kindern, zeitnah professionelle Unterstützung vermitteln,
- Sprachkurse organisieren zum Erlernen von Grundkenntnissen zur Alltagsbewältigung. Ehrenamtliche könnten im Sinne einer zusätzlichen Qualität Unterstützungsangebote machen (eine Kooperation mit der Freiwilligen-Agentur ist denkbar),
- bei Analphabeten: Organisation von Alphabetisierungskursen (z.B. mit der VHS Celle),
- ggf. die Ausbildung von Asylbegleitern oder Integrationslotsen (in Zusammenarbeit z.B. mit Kellu und der VHS oder der Familienbildungsstätte) initiieren,
- den Alltag strukturieren:
Vorrangig soll (insbesondere bei männlichen Einzelpersonen) eine Tagesstruktur über die Schaffung von Arbeitsgelegenheiten organisiert werden;
Weitere Aufgaben sind:
- Aufzeigen von sinnvollen Betätigungsfeldern und Freizeitmöglichkeiten; ggf. Unterstützung bei der Kontaktaufnahme zu der eigenen ethnischen Gemeinde,
- Aufbau einer Kooperation mit Celler Sportvereinen, die Flüchtlinge willkommen heißen und ermäßigt Zugang gewähren,
- Unterstützung der Flüchtlinge nach einem Jahr Aufenthalt bei der Arbeitssuche. Dabei Aufbau einer Kooperation mit dem Jobcenter/Arbeitsagentur und den örtlichen Kammern bzw. Betrieben,
- Unterstützung und Begleitung bei der Anerkennung der ausländischen Abschlüsse, wenn sie welche haben,
- Begleitung der jungen Flüchtlinge im Übergang Schule / Beruf bei der Suche nach dem Ausbildungsplatz mit den zuständigen Beratungsstellen,
- Hilfe bei der Suche nach einer Wohnung, wenn die Voraussetzungen für eine dezentrale Wohnraumversorgung gegeben sind und die Grenzen einer angemessenen Miete nicht überschritten werden,
- Unterstützung bei der Eröffnung eines Bankkontos,
- Öffentlichkeitsarbeit und nachbarschaftliche Kommunikation:
Anbindung der Flüchtlinge an das Quartier durch stadtteilorientierte Arbeit, wie die Einbindung bei Straßenfesten, Kinderfesten, kulturelle Veranstaltungen.
Infoveranstaltungen für Nachbarschaften: die Bewohner sollten sensibilisiert, aufgeklärt und informiert werden, bevor die Flüchtlinge einziehen („Wer kommt aus welchen Gründen zu uns?“).
Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Thematik, z.B. Organisation einer Ausstellung der UNO Flüchtlingshilfe, um das Bewusstsein für die Thematik zu schärfen. Kooperation mit Schulen: UNO-Flüchtlingshilfe bietet Unterrichtsmaterialien und Zeitzeugenbesuch „Mission Impossible“ in der Schule, mit ehemaligen Flüchtlingen.
Anlagen
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(wie Dokument)
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46,7 kB
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