Beschlussvorlage - BV/0228/14
Grunddaten
- Betreff:
-
Kulturerbe Otto Haesler - Leitbild und Herausforderung für die Stadt Celle
- Status:
- öffentlich (Vorlage abgeschlossen)
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- 41 Kultur
- Zuständigkeit:
- (Dr. Susanne Schmitt)
- Ziele:
- Schärfung des kulturellen Profils
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | PA |
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Geplant
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Kulturausschuss
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Vorberatung
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23.10.2014
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Erledigt
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Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Liegenschaften
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Vorberatung
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20.11.2014
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Erledigt
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Verwaltungsausschuss
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Entscheidung
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Beschlussvorschlag:
Der Kulturausschuss empfiehlt dem Verwaltungsausschuss zu beschließen: Die Stadt Celle sieht sich in der Verantwortung, das kulturelle Erbe Otto Haeslers zu pflegen. Sie erarbeitet ein „Leitbild Otto Haesler“ gemeinsam mit der Otto Haesler Stiftung und der otto haesler initiative gemäß den in der Vorlage aufgeführten Aspekten. Sodann sind die daraus folgenden Aufgaben mit dem Ziel einer angemessenen Berücksichtigung im Bauhaus-Jubiläumsjahr 2019 zu definieren und beides den politischen Gremien zur Beschlussfassung vorzulegen.
Sachverhalt:
Otto Haesler zählte zu den bedeutendsten Siedlungsarchitekten weltweit. Dies ist eindrucksvoll belegt durch den Beitrag Philipp Johnsons im Ausstellungskatalog der 1. Amerikanischen Großausstellung der modernen Architektur „International Style“, die 1932 im Museum of Modern Art – New York – stattfand. Philipp Johnson hat dort geschrieben:
„Otto Haesler ist der bedeutendste Siedlungsarchitekt in Deutschland, vielleicht in der Welt, seit Deutschland andere Nationen in der Lösung der Siedlungsprobleme weit überholt hat. Otto Haesler verfügt nicht nur über fundamentale Kenntnisse auf dem Gebiet der Bauwirtschaft und über ein grundlegendes Wissen um die rationellsten Baukonstruktionen, sondern er ist auch ein Architekt mit bestimmten Ideen für ein gesellschaftlich richtiges gesundes Wohnen. Er ist weder ein sozialer Idealist, noch allein ein erfahrener Baumeister. Sein Erfolg beruht auf der Verbindung dieser beiden Eigenschaften. Darüber hinaus hat Haesler einen guten Blick für das Ästhetische der neuzeitlichen Baukunst.
Celle war die Hauptwirkungsstätte Otto Haeslers. 1906 kam er nach Celle, hat hier seine selbständige Tätigkeit begonnen und war bis 1934 in Celle tätig.
In dieser Zeit hat Otto Haesler bedeutende Kunstwerke der Architektur geschaffen, die unsere Stadt bis heute prägen. Sein wohl bedeutendstes Einzelwerk ist die Altstädter Schule, auch „Glasschule“ nebst Rektorenhaus, die noch heute von Architekten und Studenten aus der ganzen Welt besucht wird. Weitere herausragende Werke sind die Siedlungen Blumläger Feld, Italienischer Garten und St. Georg-Garten sowie das Direktorenhaus, die Villa Steinberg und die Wohnhausgruppe Waack. In diesen Zeugnissen des modernen Bauens, aber auch vielen Um- und Ausbauten sowie Inneneinrichtungen hat Haesler die Stadt Celle zu einem Zentrum des Neuen Bauens gemacht, das Fachleute heute gleichwertig neben Dessau, Magdeburg, Berlin und Frankfurt sehen.
Vergleichbare Siedlungsprojekte realisierte Haesler u. a. in Kassel, Karlsruhe und Rathenow. Sein Name fehlte in der nun folgenden Hochphase der Weimarer Republik bei keinem der wichtigsten Wohnungsbauwettbewerbe, bei denen er meistens einen der ersten Plätze belegte. Er gehörte nun zur Avantgarde des neuen Bauens.
Die Stadt Celle gründete im Jahr 1999 die Otto Haesler Stiftung, um das Erbe Otto Haeslers zu bewahren und zu verbreiten. Daneben hat sich mit der otto haesler initiative e.V. eine Privatinitiative von haeslerbegeisterten Menschen gefunden, die sich eben diese Ziele gesetzt haben.
Otto Haesler arbeitete mit einer Reihe von bedeutenden Künstlern wie Kurt Schwitters, Ludwig Vierthaler, Karl Völker und Arthur Köster zusammen, er holte bedeutende Schüler des Bauhaues wie Hermann Bunzel, Catt Both und Walter Tralau nach Celle. Auch deren Einflüsse bzw. Werke prägten und prägen die Stadt bis heute.
Aus Sicht der Otto Haesler Stiftung ist es dringend geboten, seitens der Stadt Celle ein „Leitbild Otto Haesler“ zu entwickeln. Dies soll gemeinsam mit der Otto Haesler Stiftung und der Initiative e.V. entwickelt werden und regeln, wie die Stadt künftig mit diesem kostbaren Erbe umgeht.
Hierfür ist es erforderlich, die besondere kulturelle Bedeutung der Gesamtheit des Werkes Otto Haesler sowie der mit ihm verbundenen Architekten und Künstler darzustellen. Diese wird das Profil Celles als „Zentrum des Neuen Bauens“ schärfen und dazu beitragen, die Bedeutung Otto Haeslers in der öffentlichen Wahrnehmung – auch auf nationaler Ebene – zu steigern. Angesichts der besonderen kulturellen Bedeutung sollen in dem Leitbild Handlungsempfehlungen enthalten sein, wie die Stadt Celle künftig mit dem Erbe Otto Haeslers umgeht, insbesondere wie dieser kulturelle Schatz nachhaltig bewahrt werden kann.
Das Bauhaus-Jubiläum im Jahr 2019 bietet die einmalige Chance, Haesler in den internationalen Fokus zu rücken. Gleichzeitig ist damit ein Zeitrahmen für Leitbildentwicklung, Aufgabendefinition und deren Abarbeitung vorgegeben.
