Hauptmenü
Inhalt
ALLRIS - Vorlage

Mitteilungsvorlage - MV/0167/15

Reduzieren

Beratungsfolge

Reduzieren

Sachverhalt:

 

Schon seit Jahren zeichnet sich in den Depots der Celler Museen eine Situation ab, die eine Erweiterung der derzeitigen Depotflächen immer dringlicher macht. Die Lagerflächen der in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts geschaffenen Depotgebäude sind erschöpft, so dass bereits mehrere, zum Teil ungeeignete Gebäude angemietet bzw. hergerichtet werden mussten, um die Sammlungsbestände aufnehmen zu können.

 

Dies wird langfristig zu einer Zerstörung des dort aufbewahrten Sammlungsgutes führen. Bedroht sind besonders die Lichtkunstbestände, die dringend einer fachgerechten Lagerung bedürfen. Aus diesem Grunde wird auf nachfolgend angeführte nationale und internationale Museumsstandards verwiesen. Diese Standards verdeutlichen, warum eine fach- und sachgerechte Deponierung, Konservierung und Restaurierung von Museumsgut unabdingbar ist.

 

Ein Museum wird nach ICOM (Eine Unterorganisation der UNESCO: International Council of Museums) definiert als eine

 

„gemeinnützige, ständige, der Öffentlichkeit zugängliche Einrichtung,

im Dienste der Gesellschaft und ihrer Entwicklung, die zu Studien-,

Bildungs- und Unterhaltungszwecken materielle Zeugnisse von

Menschen und ihrer Umwelt beschafft, bewahrt, erforscht, bekannt

macht und ausstellt“.

ICOM Ethische Richtlinien für Museen (Code of

Ethics for Museums), deutsche Übersetzung der ICOMNationalkomitees

von Deutschland, Österreich und der Schweiz,

Berlin/Wien/Zürich 2003, Anhang, Artikel 2.1, S. 18.

 

Das Sammeln und Aufbewahren von Dingen gehört also zu den Grundaufgaben von Museen.

 

 

Ein Zitat aus einer Publikation des Deutschen Museumsbundes verdeutlicht die Notwendigkeit des Sammelns und damit auch des Deponierens:

 

„Museen sammeln originale Zeugnisse der Kultur und der Natur. Diese werden zu Forschungs- und Bildungszwecken bewahrt, dokumentiert und künftigen Generationen überliefert. Museumssammlungen sind das gegenständliche kulturelle Gedächtnis der Menschheit und ihrer Umwelt. Die Sammlungen bilden das Rückgrat eines jeden Museums. Die Sammeltätigkeit von Museen lässt ein zielgerichtetes Handeln erkennen. Museales Sammeln ist eine kontinuierliche Aufgabe, die für die Zukunft des Bestandes erfolgt. Die Sammlung eines Museums besteht vorrangig aus originalen Objekten, die sich dauerhaft im Besitz bzw. Eigentum des Museums oder des Trägers befinden.

 

Jedes Museum hat eine eigene Sammlungsstrategie. Ihr zugrunde liegt ein schriftlich formuliertes Sammlungskonzept. Die Sammlungsstrategie des Museums trägt vor allem dem verantwortlichen Umgang mit den Objekten Rechnung und berücksichtigt die Notwendigkeit von Dokumentation, Bewahrung, Konservierung, ggf. Restaurierung und ggf. Ausstellung jedes einzelnen Gegenstandes.

 

Das Sammlungskonzept benennt die Sammlungsbereiche und enthält Richtlinien für den Erhalt der Bestände. Die im ICOM Code of Ethics benannten ethischen Grundsätze des Sammlungserwerbs, z. B. die nationalen und internationalen gesetzlichen Regelungen zum Umgang mit Kulturgut, werden beachtet. Bei Abgabe von Sammlungsgut wird das Positionspapier der Vorstände des Deutschen Museumsbundes und von ICOM-Deutschland (2004) berücksichtigt. Privates Sammeln in Konkurrenz mit dem Museum, Handel oder Erwerb ausgesonderter Museumsbestände stehen in Widerspruch zu den international anerkannten

ethischen und professionellen Grundsätzen für Museumsbeschäftigte.

 

Das Sammlungskonzept enthält folgende Punkte:

 

• Zweck und Ziel der Sammlung

• Bestandsgruppen und Schwerpunkte

• Perspektiven der Weiterentwicklung

 

Bei der Neuorientierung bzw. dem Aufbau einer Sammlung wird eine inhaltliche Abstimmung mit vorhandenen Museen in der Region oder bereits bestehenden vergleichbaren Sammlungen angestrebt. Ziel ist dabei, ein klares Profil zu entwickeln und eigene Schwerpunkte zu setzen. Die Sammlungsstrategie wird regelmäßig überprüft und ggf. aktualisiert.“

Standards für Museen

Herausgeber: Deutscher Museumsbund e.V.

gemeinsam mit ICOM-Deutschland, 2007

 

Eine solche Abstimmung ist insbesondere mit dem Historischen Museum, das vom Profil her vergleichbar ist, geschehen.

 

Mit der Registrierung des Bomann-Museums im Rahmen des Registrierungsverfahrens des Landes Niedersachsen, das vom Niedersächsischen Museumsverband durchgeführt wurde, ist vom Bomann-Museum ein solches Sammlungskonzept erarbeitet und mit dem Museumskonzept insgesamt vom Rat beschlossen worden.

 

Zur Aufbewahrung im Depot heißt es in den Museumsstandards weiter:

 

„Das Museum hat den Auftrag, Zeugnisse der Vergangenheit und der Gegenwart dauerhaft zu erhalten und für die Zukunft zu sichern. Das erfordert besondere Vorkehrungen und spezifische Kenntnisse über Sicherheit, Klima, Materialeigenschaften, Schadensbefund und Schadensprozesse, Handhabung der Objekte sowie Konservierungs- und Restaurierungsverfahren. Diese grundlegenden und dauerhaften Aufgaben werden ausschließlich von fachkundigem Personal übernommen.

 

 

Gibt es im Museum kein entsprechendes Fachpersonal zur Betreuung der Sammlungen, werden externe Spezialisten zu Rate gezogen.

 

Das Bewahren von Museumsgut umfasst die Aspekte:

 

• Vorbeugen

• Konservieren bzw. Präparieren

• Restaurieren

 

Die Sicherheit im Museum ist Voraussetzung für den Erhalt der Sammlungen. Der Vorbeugung kommt eine Schlüsselrolle zu, da sie dazu beiträgt, Schäden an den Objekten zu vermeiden. Kostenintensive Konservierungs- und Restaurierungsmaßnahmen werden somit auf ein unvermeidbares Minimum reduziert. Die Vorbeugung beginnt bereits mit der Auswahl und der Ausstattung eines geeigneten Museumsgebäudes, um den größtmöglichen Schutz vor schädlichen Umwelteinflüssen, Vandalismus, Diebstahl und Naturkatastrophen zu gewährleisten. Für nicht auszuschließende Katastrophen, wie z. B. Feuer, Hochwasser u. ä. liegen festgelegte und eingeübte Notfallpläne vor.

 

Das Museumsgebäude, einschließlich der Ausstellungs- und Depotbereiche, ist ein eigenständiger und gesicherter Bereich. Es entspricht bauphysikalisch und haustechnisch den konservatorischen Anforderungen der Sammlungen. Die Ausstellungsarchitektur garantiert ein für die jeweiligen Objekte angemessenes Mikroklima. Die sorgfältige Auswahl unschädlicher Materialien, Anstrichstoffe und Beleuchtungsmittel wird ebenso wie eine regelmäßige Kontrolle aller bestandsrelevanten Klimafaktoren gewährleistet.

 

Zur Bewahrung gehören die Pflege und der fachgerechte Umgang mit den Objekten. Das schließt die Beobachtung, aktive Schädlingsbekämpfung und das sorgsame Vorgehen bei Verpackung, Transport und Lagerung ein. Die Objekte werden in regelmäßigen Abständen stichprobenartig auf mögliche Schädigungen untersucht. Verantwortliches Handeln minimiert Risiken. Im Schadensfall werden unverzüglich geeignete Maßnahmen veranlasst.

 

Konservatorische Maßnahmen stabilisieren den Zustand eines Objekts und verlangsamen

das Eintreten künftiger Schäden. Bei der Konservierung stehen Materialbeschaffenheit und Geschichte des Objekts im Mittelpunkt. Das „unverfälschende Bewahren“ schließt den Erhalt von Gebrauchsspuren und materialspezifischen Alterungen ein. Die vorgefundene Substanz wird mit möglichst geringen Mitteln gesichert. Das hat zum Ziel, die Spuren von Herstellung, Alterung und Umnutzung des Objekts zu jedem Zeitpunkt nachvollziehen zu können. Restauratorische Maßnahmen sollen die Wahrnehmung, Wertschätzung und das Verständnis für das Objekt fördern. Sie sind auf eine Verbesserung des Objektzustandes, nicht auf dessen Veränderung ausgerichtet. Dementsprechend werden Restaurierungen so weit wie möglich reversibel (d. h. umkehrbar) ausgeführt. Konservierung und Restaurierung von Sammlungsobjekten setzen eine genaue Untersuchung voraus. Die Ergebnisse werden in jedem Fall schriftlich und bildlich festgehalten (Vorzustandsdokumentation und Restaurierungsbericht).“

 

Loading...