Beschlussvorlage - BV/0416/16
Grunddaten
- Betreff:
-
Bildungskonzept zur Integration Geflüchteter
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- 20 Finanzwirtschaft
- Zuständigkeit:
- (Dirk-Ulrich Mende)
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | PA |
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●
Erledigt
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Betriebsausschuss der Celler Zuwanderungsagentur
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Vorberatung
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07.12.2016
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Bezug zu den Fachzielen:
- Sicherung und Schaffung von eigenen kommunalen Strukturen für lebenslanges Lernen
- Erfüllung der Aufgaben als Oberzentrum
- Förderung der Integration von Menschen verschiedener Herkunft („Integration durch Bildung“)
- Übergang in den Beruf unterstützen und Verbleib im Beruf fördern
Beschlussvorschlag:
(1) Der Betriebsausschuss der Stadt Celle stimmt dem Bildungskonzept der Celler Zuwanderungsagentur zu.
(2) Der Betriebsausschuss beauftragt die Celler Zuwanderungsagentur, die professionellen Strukturen für die Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten weiter zu entwickeln. Der Fokus soll dabei insbesondere darauf liegen,
(a) den Bestand an Angeboten zu erheben und transparent zu machen (Ist- Analyse) sowie die Angebote und Anbieter weiter zu vernetzen;
(b) den Einstieg in den Arbeitsmarkt zu unterstützen. Dies geschieht durch eine enge Vernetzung und Zusammenarbeit mit der Arbeitsverwaltung sowie mit den weiteren Akteuren im Feld (s. Konzept in der Anlage 1, Strategiefelder 1 und 3).
Sachverhalt:
Nach Abschluss der kommunalen Erstversorgung der inzwischen rund 1093 Celle zugewiesenen Geflüchteten ist die vordringlichste Aufgabe die „Integration durch Bildung“. Auch angesichts des stetig wachsenden Familiennachzugs gilt es, kluge und nachhaltige Maßnahmen umzusetzen. Ziel sollte sein, die Integration der geflüchteten Männer, Frauen und Kinder zu einem Gewinn für die Stadtentwicklung werden zu lassen. Vor allem die gute Bleibeperspektive der überwiegend jüngeren Celler Flüchtlinge aus den Ländern Irak, Syrien und Afghanistan kann auch unter wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Aspekten zu einer Bereicherung führen. Dies allerdings nur unter der Voraussetzung, dass Geflüchtete zügig in das Stadtleben und in den Arbeitsmarkt integriert werden. Um dies zu gewährleisten, hat die Stadt Celle zum 01.07.2016 im Eigenbetrieb Celler Zuwanderungsagentur die Stelle Bildungsmanagement für Geflüchtete zu je 50 % mit zwei Personen besetzt (vgl. Beschlussvorlage BV/0100/16).
Zu den Aufgaben des Bildungsmanagements gehören:
(1) die Bestandsaufnahme vorhandener Strukturen, daraus abgeleitet
(2) das Einfordern weiterer notwendigen Strukturen und Entwicklungen sowie
(3) das Steuern und Vernetzen zwischen der Stadt, dem Landkreis und den ehren- und hauptamtlichen Akteuren in der Flüchtlingsarbeit.
Darüber hinaus soll die Bildungsarbeit für Geflüchtete in Celle durch innovative Ideen zu bereichert werden. Dazu gehört auch, – gemeinsam mit anderen Akteuren – Fördermittel einzuwerben.
Zielgruppe des städtischen Bildungsmanagement sind alle der Stadt Celle zugewiesenen Geflüchteten (1093 Personen mit Stand 30.10.2016, s. Anlage 2) sowie die durch den kontinuierlichen Familiennachzug Folgenden. In die Bildungsplanung sind auch die bis zu 250 Geflüchteten, die seit Anfang November zeitweise in die Unterkunft an der Hohen Wende aufgenommen werden, mit einzubeziehen. Perspektivisch gilt es, Bildungsangebote – wo möglich – im Sinne der Integration auch für andere Bevölkerungsgruppen zu öffnen.
Die Bildungsmanagerinnen haben mit der Aufgabe „Weiterentwicklung des kommunalen Bildungs- und Qualifizierungsangebots für Flüchtlinge“ begonnen. Das Konzept enthält 11 Eckpunkte, die sich je vier Strategiefeldern zuordnen lassen, wie die folgende Abbildung zeigt. Eine ausführliche Beschreibung findet sich in Anlage 1.

Abb. 1: Eckpunkte Bildungskonzept Celler Zuwanderungsagentur (Stad 11/2016)
Ziel des Bildungsmanagements ist die (Weiter)Entwicklung professioneller Strukturen für die Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten. Dazu gehört die Umsetzung eines Datenmanagements zur Erfassung beruflicher Qualifikationen und Kompetenzen und Dokumentation der Wirksamkeit von Bildungsmaßnahmen (Prozessbegleitung). Ebenso ist die Weiterqualifizierung von haupt- und ehrenamtlichen Akteuren ein Arbeitsfeld.
Um eine bedarfsgerechte und lückenlose Integration durch Bildung („Bildungskette“) zu ermöglichen, sollen gemeinsam mit den ehren- und hauptamtlichen Akteuren Bildungsangebote weiterentwickelt oder zusätzlich geschaffen werden. Für eine Familie mit kleineren und schulpflichtigen Kindern wären das z. B.
- für die Kinder Bildungsangebote wie Schulplätze, Sprachförderung, Kinderbetreuung, Spielnachmittage, Sportmöglichkeiten und Ferienangebote,
- für die Eltern Sprachkurse, Fortbildung bzw. Begleitung in familiären und gesundheitlichen Fragen, berufliche Ausbildung und Praktika sowie erste Erprobungen in der Arbeitswelt.
Besonderes Augenmerk liegt auf Bildungsangeboten für die 244 geflüchteten Frauen in Celle (Genderperspektive als Querschnittsaufgabe). Neben Angeboten für allein geflüchtete oder allein erziehende Frauen gehören dazu alle Maßnahmen für spezifische Bedürfnisse dieser Frauen (Schwangerschaft, Geburt und Kinderversorgung, Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen im Heimat- und Fluchtland). Auch sind Angebote mit Kinderbetreuung erforderlich, um Frauen die Teilnahme an Sprach- und Integrationskursen überhaupt erst zu ermöglichen. Da viele der Celle zugewiesenen Frauen in ihren Heimatländern kaum eine Schul- und Berufsbildung erfahren haben, müssen hier niedrigschwellige und familienfreundliche Strukturen entwickelt werden.
Im Sinne des Ziels, Celle als Oberzentrum weiter zu entwickeln, plant das Bildungsmanagement auch Angebote und Strukturen für hoch qualifizierte Flüchtlinge. Hierbei geht es zum einen darum, gemeinsam mit den in Celle ansässigen Betrieben und der Industrie- und Handelskammer den regionalen Bedarf an Fachkräften durch geeignete Flüchtlinge zu erfüllen. Zum anderen geht es darum, die Attraktivität der Residenzstadt Celle für qualifizierte (Neu-)Bürgerinnen und Bürger zu steigern. Somit können junge Menschen mit guter Bildung und deren Familien für Celle gewonnen bzw. in der Stadt gehalten werden. Hierfür wird an einem Konzept für die Ansiedlung einer akademischen Bildung für Celle gearbeitet.
Die Eckpunkte des Bildungskonzepts für Geflüchtete sind nach Möglichkeit integrativ angelegt, damit ihre Umsetzung auch Vorteile für andere Bevölkerungsgruppen bringt und das städtische Bildungsmanagement als nachhaltiges Modell mit Vorbildfunktion für die Weiterentwicklung des Oberzentrums Celle fungiert. „Bildung verbindet“ – das Bildungsmanagement kann einen Beitrag zu einer offenen, inklusiven Gesellschaft vor Ort liefern.
Um die Ergebnisse der einzelnen Handlungsfelder transparent und nachvollziehbar zu machen, wird eine Evaluation durchgeführt. Dazu werden Daten methodisch erhoben und systematisch dokumentiert und ausgewertet.
Finanzielle Auswirkungen
Für das Bildungsmanagement ist im Stellenplan der Zuwanderungsagentur zunächst kein weiteres Personal vorgesehen. Da die Aufgabe der Bildungsmanagerinnen im Bereich Vernetzen und Steuern liegt, sind zurzeit keine Projekte geplant, die den Haushalt zusätzlich belasten. Für alle Aktivitäten werden Partner gesucht, die die Umsetzung und damit die Kosten übernehmen. Für Vorhaben wie z. B. die Netzwerk-Landkarte (vgl. Anlage 1) wird auf vorhandene Ressourcen und Softwarelösungen der Kernverwaltung zurückgegriffen. Für manche Eckpunkte des Bildungskonzepts (z. B. Akademische Bildung, Werkstätten) werden zusätzliche Fördermittel eingeworben, die schlussendlich der wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Entwicklung der Stadt Celle dienen.
Anlagen
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1
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(wie Dokument)
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453,4 kB
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