Mitteilungsvorlage - MV/0005/17
Grunddaten
- Betreff:
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Mitteilungen der Verwaltung: a) Ausstellung "Zeichen setzen - 500 Jahre Reformation" b) Stadtjubiläum 2017 c) 54. Wettbewerb "Jugend musiziert" d) 2. Celler Kindermusiktage 15. - 18. März 2017 e) Umgestaltung der landesgeschichtlichen Abteilungim Schloss
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Mitteilungsvorlage
- Federführend:
- 41 Kultur
- Zuständigkeit:
- (Susanne McDowell)
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | PA |
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Geplant
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Kulturausschuss
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Kenntnisnahme
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24.01.2017
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Sachverhalt:
a) Ausstellung „Zeichen setzen – 500 Jahre Reformation“
Im Jahr 2017 jährt sich der sogenannte Thesenanschlag Martin Luthers zum 500. Mal. Dieser Jahrestag erinnert an ein Ereignis von welthistorischer Bedeutung. Dass von Celle ganz erhebliche Impulse für die Reformation ausgingen, ist einer breiten Öffentlichkeit heute kaum noch bekannt. Aus diesem Grunde sind der Kirchenkreis Celle und das Bomann-Museum eine Kooperation eingegangen, um das Thema „500 Jahre Reformation in Celle“ gebührend vorzustellen. Dementsprechend wird es im kommenden Jahr vier Ausstellungen geben, um den sehr unterschiedlichen Aspekten des Themas einigermaßen gerecht werden zu können.
Mit einem Kostenvolumen von 600.000 Euro ist es das bisher größte Ausstellungsprojekt des Bomann-Museums. Der Anteil der Stadt Celle an den Gesamtkosten beträgt 40.000 €.
- Von den Anfängen …
Ausstellung im Studio des Bomann-Museums
Wie kam der lutherische Glaube nach Celle? Es begann mit den Prinzen Otto und Ernst: Sie wuchsen ab 1512 unter Aufsicht ihres Onkels Kurfürst Friedrich in Wittenberg auf, studierten dort und begegneten Luther. Sie waren Zeitzeugen der Frühreformation und setzten sie auch in ihrer Heimat durch: in der Residenzstadt Celle 1524, in ihrem Fürstentum Lüneburg 1527. Damit gehörten sie zu den fünf ersten Reichsfürsten der Reformation. Und sie waren Signaturmächte der Confessio Augustana, der maßgeblich bis heute gültigen und von Philipp Melanchthon verfassten Reformationsschrift.
- Und jetzt…?
Ausstellung im großen Ausstellungsraum des Bomann-Museums
"Die Reformation ist nicht beendet, sie wirkt weiter" – aber was feiern wir 2017? Welche Spuren der Reformation sind im heutigen Alltag zu finden und was hat sich verändert? Mit Themen wie Bibel, Bildung, Bestattungskultur oder Religionsvielfalt begibt sich die Ausstellung auf die Suche und fördert Erstaunliches zu Tage. So gab Luther erste Anstöße zu einer Schulbildung für alle – für Jungen und Mädchen. Bis zu einer Gleichstellung der Mädchen sollten jedoch Jahrhunderte vergehen. Schließlich hinterfragt die Schau auch den Mythos um Luther – zwischen Heroisierung und Hype, Legende und Wahrheit.
- Zwischen Macht und Frömmigkeit
Ausstellung in der Gotischen Halle des Celler Schlosses
Die Celler Schlosskapelle ist eines der schönsten Zeugnisse norddeutscher Renaissancekunst und einziger nahezu unverändert erhaltener Kirchenraum Deutschlands aus frühprotestantischer Zeit. Ihre zwischen 1565 und 1576 entstandene Ausstattung mit Gemälden von Marten de Vos und weiteren Künstlern macht sie zu einem Gesamtkunstwerk der Reformation.
Da die Kapelle aus konservatorischen Gründen nur sehr eingeschränkt zu besichtigen ist, werden in einer modernen Präsentation und mittels 3-D-Technik sowie mit hochkarätigen Exponaten ihre Geschichte und Bedeutung lebendig.
- Evangelisch leben heute
Ausstellung in der Stadtkirche
Als authentischer Ort der Reformation will die Stadtkirche in ihrer Ausstellung aufzeigen, wie Christen heute aus dem Geist der Reformation leben. Die Stadtkirche als zentraler geistlicher Ort der damals gut 1500 Einwohner zählenden Residenzstadt wird um 1524 Schauplatz erster reformatorischer Regungen. Zu dieser Zeit focht Wolf Cyclop, Leibarzt von Herzog Ernst, eine heftige Fehde mit den Franziskanern aus und stellte den alten Glauben in Frage, zugleich begann der frühere Mönch Gottschalk Kruse evangelisch zu predigen. Binnen weniger Jahre wurde die Stadtkirche das geistliche Zentrum der Protestanten in Celle.
b) Stadtjubiläum 2017
Wie bereits bekannt ist, begeht Celle in diesem Jahr das 725. Stadt- und das 500. Reformationsjubiläum sowie eine Vielzahl weiterer Jahrestage Celler Institutionen und Initiativen. Damit bot es sich an, die Planung diesbezüglicher Aktivitäten auf eine breite Basis zu stellen.
Das Jubiläum bietet die Gelegenheit, Celles Stärken heraus zu stellen:
- Wir sind breit aufgestellt im Kultur- und Eventbereich.
- Wir verfügen über die Infrastruktur und die Veranstaltungen, jeden Besuch in Celle lohnend auszugestalten.
- Wir haben eine hohes Bürgerengagement: die Cellerinnen und Celler sind in 75 aktiven Kulturvereinen engagiert, lauter starke Partner zur Gestaltung eines Geburtstages.
Das mittlerweile erarbeitete Veranstaltungsprogramm, dessen Printversion gerade entsteht, ist daher auch unter Einbeziehung sehr vieler engagierter Mitakteure in der Stadt entstanden.
Wir haben Veranstaltungen, die die historischen Daten zum Anlass nehmen, über heutiges und künftiges Leben in der Stadtgesellschaft zu reflektieren; wir haben Veranstaltungen, die das Engagement und Potenzial der Bürgerschaft unter Beweis stellen; und wir haben Events, die zum Mitfeiern einladen.
Neben dem flächendeckend und open air beplanten Pfingstwochenende mit Veranstaltungen unterschiedlichster Akteure für unterschiedlichste Zielgruppen machen besondere Theaterpremieren („Reformation Celle“ ab 19.05., „Die Zeitung“ ab 07.04.), einmalig stattfindende Events (NDR Landpartie 20./21.05., Vespa World Days 22. - 25.06., Kinderstadtfest 01.08.), anlassbezogen ausgestaltete Traditionsveranstaltungen und mindestens ein Weltrekordversuch dieses Jahr zu einem besonderen.
Der avisierte Kostenrahmen von 90.000 Euro wird dabei nicht überschritten.
Die Ratsmitglieder sind gebeten, sich Pfingstsamstag, 03.06., 16 Uhr, vorzumerken. Dann findet im Schlosstheater unter Mitwirkung der Celler Partnerstädte der offizielle Festakt zum Stadtjubiläum statt.
c) 2. Celler Kindermusiktage 15. – 18.März 2017
Vom 15. - 18. März 2017 finden nach 2013 zum zweiten Mal Kindermusiktage in Celle statt, diesmal unter dem Motto „zauberhaftes Celle“.
Dabei wird wieder prinzipiell auf das vom Quart@Kindermusiktage e. V. entwickelte Konzept zurückgegriffen, dass sich in Kassel zu einer wahren Erfolgsgeschichte entwickelt hat; denn dort gehen die „Nordhessischen Kindermusiktage“ vom 13. - 17. Februar 2017 bereits in die 13. Auflage.
Grundlage in Celle ist die gemeinsame Arbeit zwischen drei Grundschulen und drei Gymnasien an je einem Musik- oder Theaterstück. Hinzu kommt das von einer Musikpädagogin initiierte „Streicherorchesterprojekt“, an dem erstmals Schüler/-innen aller Schulen aus dem gesamten Landkreis Celle teilnehmen können. Alle Aktivitäten werden instrumental und musikpädagogisch begleitet vom international renommierten und preisgekrönten Vogler Quartett, sodass Celler Grundschulkinder mit einem professionellen Ensemble zusammenarbeiten können. In Celle konnte die Teilnehmerzahl auf rund 200 gesteigert werden, da ein Gymnasium und eine Grundschule mehr beteiligt sind sowie das schulübergreifende Streicherprojekt dazugekommen ist.
Der Lüneburgische Landschaftsverband und Quart@Kindermusiktage e. V. haben eine finanzielle Unterstützung der 2. Celler Kindermusiktage avisiert.
Neben öffentlichen Proben und Generalproben am 15. und 16.03.2017 ergibt sich folgendes Hauptprogramm für die in der Alten Exerzierhalle stattfindenden Schülerkonzerte:
16.03.,
17.00 UhrGS Eicklingen und Gymnasium Ernestinum: „Die bezauberte Rose“
18.00 UhrGS Hehlentor und IKG Lachendorf: “Hänsel und Gretel
– ein modernes Märchen?“
17.03.,
16.30 Uhrschulübergreifendes Streicherorchesterprojekt: Auszüge aus „The Fairy Queen“
17.00 Uhr Katholische Schule und KAV-Gymnasium: „Das Gold von König Karl“
und 18.03.,
11.00 UhrAula Kreismusikschule: Matinee für Kinder mit dem Vogler Quartett
17.00 UhrSchloss, Großer Festsaal, Meisterkonzert des Vogler Quartetts.
d) 54. Wettbewerb „Jugend musiziert“
Der 54. Regionalwettbewerb „Jugend musiziert“ findet am 04.02.2017, Beckmann-Saal, Magnusstraße 4, statt.
In den Kategorien „Klavier solo“ und den „Ensemble-Wertungen“ für Streicher, Holzbläser bzw. Blechbläser liegen insgesamt Anmeldungen von 34 Teilnehmerinnen und Teilnehmern vor. Die Blechbläser werden voraussichtlich am Wettbewerb in Braunschweig teilnehmen und dort gewertet.
Das Preisträgerkonzert und die Urkundenverleihung nimmt in diesem Jahr turnusgemäß wieder der Landkreis Celle am 26.02.2017, 17.00 Uhr, ebenfalls im Beckmann-Saal vor.
e) Umgestaltung der landesgeschichtlichen Abteilung im Schloss
Während der bisherige Teil der Dauerausstellungen im Nordflügel (zwei Etagen) und Ostflügel (eine Etage) sich schwerpunktmäßig der Bau- und Nutzungsgeschichte des Celler Schlosses als Welfenresidenz widmet und das Funktionieren eines solchen Herrschaftssitzes unter Aspekten allgemeiner Herrschaftsgeschichte, Hofgeschichte und Zeremonialgeschichte anschaulich macht (Blick nach innen), ist nun die Erweiterung um einen zweiten Teil geplant, in dem die Einbindung der Residenz in die Wechselbeziehungen zu Hof, Stadt und Umland im Vordergrund stehen soll (Blick nach außen). Im Vordergrund soll nun die Frage stehen, wer bzw. welche sozialen Gruppen mit welchen Motiven und welchen Auswirkungen auf die bestehenden Herrschaftsverhältnisse agierten.
Zeitlich-inhaltlicher Rahmen und Zielsetzung
Dem zeitlichem Rahmen der bisherigen Dauerausstellung entsprechend, soll derjenige der neu zu konzipierenden Ausstellung vom Dreißigjährigen Krieg bis zum Aufgehen Hannovers im preußischen Staat 1866 - mit Ausblicken bis in die Gegenwart - reichen.
Während sich die Landesherren nicht nur in Steuer- und Finanzfragen, sondern auch bei der Landesgesetzgebung sowie der Vermittlung und Durchsetzung zentraler Herrschaftsansprüche gegenüber den Untertanen auf die Mitwirkung der Stände stützten, profitierten diese von der Sicherung ihrer traditionellen Privilegien und grundherrlichen-feudalen Rechte. Mit der Entstehung des frühneuzeitlichen Staates bildeten sich vorparlamentarische Formen der Gewaltenteilung zwischen Landesherrn und Ständen aus, auch wenn sich keine direkte Kontinuitätslinie zum modernen Parlamentarismus ziehen lässt.
An Beispielen historischer Ereignisse, die in der bisherigen Dauerausstellung tendenziell eher aus herrscherbezogener Sicht Erwähnung fanden, soll nun – sozusagen mit „ Blick von unten“ – ein umfassendes Bild entstehen von Prozessen wie beispielsweise der Finanzierung des Hofes, von Projekten des Landesausbaus und vor allem von Aspekten der Herrschaftspraxis und Repräsentation.
Projektstand
In Zusammenarbeit mit verschiedenen Hochschulen liefen bzw. laufen begleitende Forschungsprojekte, die das Ausstellungsvorhaben inhaltlich vorbereiten sollen:
- Forschungsprojekt zur Geschichte des Lüneburgischen Adels
„Herrschaft, Landschaft und Verwandtschaft: Die Lüneburger Ritterschaft zwischen lokaler Machtausübung, obrigkeitlicher Herrschaft und translokaler Netzwerkbildung“ (Wencke Hinz M.A. / Universität Hannover, Lehrstuhl Frau Prof. Hohkamp, Frühe Neuzeit Universität Hannover)
- Forschungsprojekt zur „Silberpolitik“ als dynastische Strategie – Die welfischen Huldigungspräsente und der Aufstieg des jüngeren Hauses Braunschweig-Lüneburg
„Das Huldigungssilber der Welfen des Neuen Hauses Lüneburg 1562-1705. Geschenkkultur und symbolische Interaktion zwischen Landesherrschaft und Untertanen“ (Dr. Ines Elsner / Universität Mainz, Kunsthist. Seminar, Prof. M. Müller / Universität Göttingen, Lehrstuhl für Landesgeschichte, Prof. Arnd Reitemeier )
Außerdem wird zurzeit die Finanzierungslage erkundet, die Konzeptionsarbeit vorangetrieben und die Stellung von Förderanträgen vorbereitet.
