Hauptmenü
Inhalt
ALLRIS - Vorlage

Beschlussvorlage - BV/0319/20

Reduzieren

Beratungsfolge

Reduzieren

Beschlussvorschlag:

Der Rat beschließt den Klimaschutzaktionsplan für die Stadt Celle und bittet die Verwaltung um Umsetzung, Fortschreibung und jährliche Berichterstattung.

 

Reduzieren

Sachverhalt:

Mit dem Beschluss „Klima in Not - Klimaschutz in der Stadt Celle stärken“ (BV/0383/19-1) hat sich die Stadt Celle im November 2019 dazu bekannt, ihren Beitrag zum nationalen Klimaziel, bis 2030 den CO2 Ausstoß um 55% im Vergleich zu 1990 zu senken, zu leisten und sich zugleich zu einer klimafreundlichen und nachhaltigen Kommune weiterzuentwickeln. Ab sofort sollen bei wichtigen Entscheidungen solche Lösungen bevorzugt werden, die sich positiv auf den Klimaschutz auswirken. Die Verwaltung ist beauftragt, ein lokales Maßnahmenpaket zur Einsparung von C02 zu erarbeiten. Ein erster Klimaschutzaktionsplan für die Stadt Celle wird hiermit vorgelegt.

 

Laufende Maßnahmen zum Klimaschutz

Wichtigster Baustein der bisherigen Klimaschutzstrategie der Stadt Celle ist die Förderung von CO2-Minderungsmaßnahmen durch den Klimaschutzfonds der Stadt Celle - insb. in den Bereichen Gebäudemodernisierungen, erneuerbare Energien und Mobilität. Mit einem im Wesentlichen durch die SVO gespeisten jährlichen Mitteleinsatz von rd. 420.000,- EUR können so Maßnahmen mit einem Einsparpotenzial von ca. 1.000 t CO2/a (2019) realisiert werden. Seit der Einführung des Klimaschutzfonds sind ca. 1.250 Anträge eingegangen mit einem CO2-Minderungsvolumen von insgesamt rd. 9.400 t.

 

Im Bereich des jetzigen Eigenbetrieb Stadtentwässerung Celle (SEC) ist bereits vor Jahren ein Klimaschutzteilkonzept erarbeitet und sukzessive umgesetzt worden. Hier soll bis 2022 eine 100 % Eigenstromerzeugung durch Faulgas realisiert werden, sodass kein Zukauf von Fremdstrom erforderlich ist. Bis Ende 2019 konnte insgesamt eine Einsparung von 1.688 t CO2 erzielt werden. Besonders hohe Effekte ergaben sich durch das seit 2018 in Betrieb befindliche neue Blockheizkraftwerk (BHKW) sowie durch die installierte Solaranlage.

 

Weitere umgesetzte Maßnahmen zum Klimaschutz waren u.a. eine Solaroffensive gemeinsam mit den Stadtwerken Celle (u.a. auf Schulgebäuden und dem Parkhaus am Bahnhof) sowie die Erdwärmenutzung beim Neubau der Hauptfeuerwache am Herzog-Ernst-Ring. Über die Stadtwerke Celle bezieht die Stadt Celle zu 100% Ökostrom.

 

In neuen Baugebieten, z. B. „Blaues Land“ Garßen, wird auf klimafreundliche Festsetzungen Wert gelegt. Hier sind unter anderem keine Steingärten zugelassen und die Begrünung von Nebendächern ist vorgesehen.

 

Aktuell wird das Kommunale Klimaschutzkonzept der Stadt Celle ausgewertet und fortgeschrieben. Ein Entwurf soll 2021 vorgelegt werden.

 

Auch die stadteigenen Tochterunternehmen engagieren sich bereits jetzt für den Klimaschutz. Die Stadtwerke Celle SWC vertreiben zu 100% Ökostrom, haben gemeinsam mit der Stadt verschiedenste Photovoltaikanlagen errichtet, das Badeland energetisch optimiert,
E-Ladesäulen installiert und engagieren sich, gemeinsam mit der CTM, im Netzwerk CEN - Celle Nachhaltig.

 

Bei der WBG erfüllt das derzeit neu entstehende Wohnquartier der WBG an der Wittinger Str. mit einer Holzhybrid-Bauweise im KFW 55 Standard, Gründächern, Photovoltaik- und Geothermienutzung sowie Carsharing- und E-Mobilitätsangeboten gleich mehrfach anspruchsvollen Klimaschutzanforderungen.

 

Die Congress Union Celle hat bereits 2011 eine Photovoltaikanlage auf dem Dach des Neubaus der Congress Union erstellt und anschließend u.a. ein Blockheizkraftwerk angeschafft.

 

Der Zweckverband Abfallwirtschaft Celle (ZAC) verwertet und verstromt verschiedenste Rest- und Abfallstoffe und ersetzt dadurch fossile Energieträger – auch durch die Nutzung von Deponiegas. Er bezieht zudem seinen Strom aus regenerativer Stromerzeugung.

Insgesamt wird durch die verschiedensten Maßnahmen bereits heute CO2 in der Größenordnung von deutlich über 10.000 t/a eingespart.

 

Sieben aktuelle Handlungsfelder

Im Vorgriff auf die Fortschreibung des Kommunalen Klimaschutzkonzeptes hat die Verwaltung sieben Handlungsfelder auf dem Weg zu noch mehr Klimaschutz identifiziert, in denen kurz- und mittelfristig verstärkte Klimaschutzmaßnahmen umgesetzt werden sollen.

 

1 Energieeinsparung

Energieeinsparung ist weiterhin das wichtigste Handlungsfeld der CO2-Minderung. Schon in der Vergangenheit sind mit Fördermitteln des kommunalen Klimaschutzes des Bundes Beleuchtungs- und Lüftungsanlagen auf energiesparende Technik umgerüstet worden (u.a. in Sporthallen und geplant bei Flutlicht auf Sportplätzen). Die Stadt Celle bereitet derzeit die Umrüstung der kompletten Straßenbeleuchtung mittels Contracting auf klimafreundliche LED-Technik vor. Auch in der CUC wird aktuell die Lichttechnik auf LED umgestellt.

 

Die WBG wird zum Jahresende ein Programm zur Erneuerung ihrer Wohnungsbestände auch unter energetischen Gesichtspunkten vorlegen. Zur Energieeinsparung trägt auch das geplante Blockheizkraftwerk für die neue Wohnbebauung auf der Allerinsel und das vorgesehene „Biomassekraftwerk“ auf dem neuen Bauhof an der Hohen Wende bei (Holzhackschnitzelheizanlage).

In Bau befindet sich der gemeinsame Verwaltungsneubau der Stadtwerken Celle (SWC) und des Eigenbetriebes Stadtentwässerung Celle (SEC). Hier erfolgt eine Wärmegewinnung aus Abwasser, die eine konventionelle Heizungsanlage überflüssig macht.

 

Die ab 2021 vorgesehene denkmalgerechte Sanierung der Altstädter Schule erfolgt auch unter energetischen Gesichtspunkten.

 

2 Förderung der Erneuerbaren Energien (Solar, Geothermie, Wind)

Die in der Vergangenheit erfolgreich umgesetzten Photovoltaikmaßnahmen (PV) für mehr Solarstrom sollen fortgesetzt werden. Größte Maßnahme ist eine PV-Anlage auf den erneuerten Wagenhallen des neuen Bauhofes an der Hohen Wende gemeinsam mit den Stadtwerken. Auch beim Neubau der WBG an der Wittinger Str. wird Solarenergie eingesetzt. Weitere PV-Anlagen sind in Bau (Feuerwehrgerätehaus Garßen) bzw. in Planung (Grundschule Altencelle). ZAC plant auf der Altdeponie Kiebitzsee ebenfalls eine großflächigen PV-Anlage.

 

Auch die Nutzung der oberflächennahen Geothermie soll weiter gefördert werden; u.a. durch den Klimaschutzfonds. Größere Förderungen betrafen Vorhaben der Südheide und der WBG, die auch im neuen Wohnquartier an der Wittinger Str. Erdwärme einsetzen.

 

Durch die vorgesehenen Änderungen zur Windenergienutzung ergeben sich auch hier neue Möglichkeiten, die nach Vorlage der Erlasse von der Verwaltung geprüft werden.

 

3 Klimafreundliche Wohnsiedlungen

Innenentwicklung ist Klimaschutz durch Nachnutzung ehemals genutzter, aber aktuell brach-liegender oder untergenutzter Flächen und durch kurze Wege zur Verkehrsvermeidung. Das vorhandene Innenentwicklungskataster wird aktuell überarbeitet. Neben der Revitalisierung der Allerinsel für Wohnzwecke sind u.a. Maßnahmen an der Wittinger Str. (WBG), Bahnhofstr. (Südheide), Fuhrberger Str., im Umfeld des Neuen Rathauses (Wehlstr.) sowie an der Braunhirschstr./ Georg-Wilhelm-Str. in Planung bzw. Umsetzung.

 

Die Nachnutzung des 2021 freiwerdenden Grünflächenamtes an der Lüneburger Str. soll mit einer energiesparenden Wohnbebauung erfolgen. In Vorwerk soll zudem ein nachhaltiges Wohnquartier entstehen. Im Wohngebiet nördlich der Lüneburger Str./Lüneburger Heerstr. fördert das Land den Einsatz energiesparender Wärmepumpen. Grundsätzlich soll in allen Neubaugebieten nachhaltige, klimafreundliche und energetische Regelungen getroffen werden. Die Ausgestaltung ist abhängig von der Art des Gebietes.

 

4 Nachhaltige Mobilität

Die schon begonnene Fahrradoffensive der Stadt Celle wird, auf Basis der Vorschläge eines externen Gutachterbüros, mit weiteren Maßnahmen fortgesetzt. Geplant sind weitere Fahrradstraßen und die Prüfung von Fahrradzonen, die Schaffung von durchgehenden Fahrradrouten aus den Ortsteilen in Richtung Altstadt, die Markierung weiterer Schutzstreifen sowie rote Furtmarkierungen an allen großen Knotenpunkten. Für die Förderung des zu Fuß Gehens ist die Erstellung eines Fußverkehrskonzeptes geplant.

 

Zur Aufwertung der Altstadt sollen die Bedingungen für Fußgänger und Radfahrer verbessert und die Straßen und Plätze gestalterisch für mehr Aufenthaltsqualität aufgewertet werden. An einzelnen Plätzen kann auch mehr Grün geschaffen werden.

 

Zur Förderung der E-Mobilität werden weitere Ladesäulen im Zuge moderner Mobilitätskonzepte im Wohnungsbau u.a. auf der Allerinsel und an der Wittinger Str. geschaffen. Auch E-Bikes und E-Scooter kommen vermehrt zum Einsatz. Die Erfolgsgeschichte des kostenlosen Celler Lastenrad - Verleihsystems soll fortgesetzt werden – aktuell mit Fördermitteln der Metropolregion.

 

5 CO2-Bindung durch verstärkte Baumpflanzungen und Moorvernässung

„Die wirksamste Strategie zur Eindämmung des Klimawandels ist die Aufforstung von Wäldern“ (Science 2019). Bäume binden Kohlenstoff und geben Sauerstoff an die Atmosphäre frei. Diese CO2-Bindung kann durch verschiedenste Arten der Baumpflanzungen gefördert werden. In Celle sind ca. 1/3 des Stadtgebietes Waldfläche (rd. 60 qkm). Davon sind 80% mit Nadelwald bewachsen. Vorrangig auf stadteigenen Flächen, aber auch im Zusammenspiel mit anderen Waldeigentümern soll Nadelwald in Laub- und Mischwald umgewandelt werden.

 

Außerdem sollen auf stadteigenen Flächen und denen der Stadtwerke (Wasserwerk Garßen) rund 16.000 neue Bäume gepflanzt werden (Buchen und Eichen). Neben der CO2-Bindung trägt dies auch zur Grundwasserneubildung bei.

 

Auch die Moorvernässung hilft CO2 zu binden. In noch weitgehend intakten Moorgebieten (z.B. Henneckenmoor, Breites Moor) können diese weiter vernässt und somit langfristig gesichert werden. Auch in Zukunft sollen dafür Fördermittel des Landes eingeworben werden.

Im Zuge von Ausgleichs-/Ersatzmaßnahmen soll eine weitere Bündelung von Baumpflanzmaßnahmen erfolgen. Mittelfristig ist auch die Teilhabe von Unternehmen, Organisationen und weiteren Akteure an der Umsetzung denkbar; z.B. durch den Verkauf von Zertifikaten.

 

6 Celle Klimastadt

Mit verschiedenen Maßnahmen der Umwelt- und Klimabildung soll verstärkt über das Thema Klimaschutz aufgeklärt und berichtet werden. Der ursprünglich für 2020 vorgesehene
2. Klimaschutz- und Mobilitätstag Celle wird coronabedingt dann 2021 stattfinden.
In Kontakt mit den Celler Schulen sollen Module zur Klimabildung und zu Energie - Einsparprojekten entwickelt und im Unterricht angewandt werden. Unter dem Titel
„Gute Beispiele Klimaschutzfonds Celle“ sollen geförderte Maßnahmen aus dem Klimaschutzfonds aufbereitet und präsentiert werden.

 

Der vom Oberbürgermeister eingerichtete „Runde Tisch Klimaschutz“ soll weiterhin das Aktionsprogramm begleiten und konkrete Maßnahmen in die laufende Fortschreibung der Handlungsfelder einspeisen.

 

Im Celler Klima-Pakt können wichtige Celler Akteure über eine Selbstverpflichtung zum klimafreundlichen Handeln in das Aktionsprogramm eingebunden werden – z.B. über die verpflichtende Umsetzung einer Klimaschutzmaßnahme pro Jahr abgestimmt mit dem Handlungsprogramm der Stadt Celle.

 

7 Konzeptfortschreibung KSK Celle

Last but not least soll das bestehende Klimaschutzkonzept der Stadt Celle neu aufgelegt werden. Inhalte und Wirkungen werden derzeit ausgewertet und konzeptionell fortge-schrieben. Ein Entwurf soll 2021 vorgelegt werden.

 

Reduzieren

Finanzielle Auswirkungen:

Keine

 

 

Loading...