Beschlussvorlage - AN/0338/19-1
Grunddaten
- Betreff:
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Beantwortung des Antrags der SPD-Fraktion "Verwendung umweltaktiver Farben bei Fassadensanierungen städtischer Liegenschaften"
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- 65 Hochbau und Gebäudewirtschaft
- Zuständigkeit:
- Ulrich Kinder
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | PA |
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Erledigt
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Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Liegenschaften
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Vorberatung
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19.11.2020
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Erledigt
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Verwaltungsausschuss
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Entscheidung
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Sachverhalt:
In den vergangenen Jahren wurden von mehreren Herstellern Produkte entwickelt und in der Praxis getestet, die durch eine sog. „photokatalytisch funktionale Beschichtung“ Stickstoffoxide (NOX) aus der Umgebungsluft filtern und zu Nitrat umwandeln. Die Hauptquellen von Stickstoffoxiden in Ballungsgebieten ist der Straßenverkehr.
Ein Hinweis darauf, dass photokatalytisch funktionale Beschichtungen neben dem Binden von NOX auch CO2 binden und neutralisieren, gibt es nicht.
Die Firma „Sto“ bietet ein breites Spektrum an Fassadenfarben an, unter anderem auch das Produkt „StoColor Photosan“. Die Farbe wird aufgebracht wie jedes andere Farbsystem auch und bedarf keiner zusätzlichen Arbeitsschritte. Die Farbe wandelt durch eine chemische Reaktion Stickstoffoxide unter UV-Strahlung (Sonnenlicht) in Nitrat um. Die Gebäudefassaden sollten entsprechend nicht vollständig und dauerhaft verschattet sein, da die chemische Reaktion UV-Licht benötigt. Das Nitrat läuft an der Fassade herunter und versickert im Boden und gelangt ins Grundwasser oder kristallisiert auf dem Boden aus. Die Konzentration ist, nach Angaben des Herstellers, nicht grundwasserschädlich. Der Einsatz des Produktes macht nur Sinn an Gebäuden, die an einer Hauptverkehrsstraße stehen und eine hohe Schadstoffbelastung der Luft vorliegt. Dabei sind, nach Angaben des Herstellers, auch die der Straße abgewandten Seite noch verwendbar.
Die Dauerhaftigkeit des Produkts soll gleichwertig mit jeder anderen Fassadenfarbe sein. So wie jede andere Fassadenfarbe in der optischen Qualität abnimmt, so nimmt diese Fassadenfarbe in der optischen und funktionalen Qualität ab. Soll der Anstrich erneuert werden, so wird der Altanstrich abgewaschen und dann erst der neue Anstrich aufgebracht.
Die reinen Produktkosten für das Produkt liegen ca. 70 % über dem Standardprodukt des Rahmenvertragspartners der Stadt Celle. Die Verarbeitungskosten dürften sich nicht unterscheiden, da der Aufwand für das ausführende Unternehmen gleichwertig sein soll.
Denkmalpflege:
Für den Umgang mit Baudenkmalen ist wichtig, dass Anstriche wasserdampfdiffusionsoffen und langlebig sind, so dass ein Entfernen und Neuauftragen von Farbe möglichst langfristig vermieden wird, da hierdurch jedes Mal die Substanz geschädigt wird. Daher bevorzugt die Denkmalpflege grundsätzlich Farben auf Leinölbasis. Diese verblassen mit der Zeit in der Farbintensität, können jedoch mehrmals aufgetragen werden, ohne dass der Altanstrich entfernt werden muss. Die „umweltaktiven“ Fassadenfarben sind wasserdampfdurchlässig und für mineralische und organische, nicht elastische Untergründe, geeignet. Die Verwendung auf Fassaden von denkmalgeschützten Gebäuden ist daher grundsätzlich nicht ausgeschlossen.
Förderung durch den Klimaschutzfonds:
Durch den Klimaschutzfonds können Maßnahmen gefördert werden, die zu einer CO2-Einsparung führen, die rechnerisch ermittelt und dargestellt werden muss. Umweltaktive Fassadenanstrich wurden bisher noch nicht durch den Klimaschutzfonds gefördert und die Wirksamkeit in Bezug zu Treibhauspotenzialen würden bei einer Antragsstellung kritisch geprüft werden. Eine eventuelle Neutralisierung von Stickstoffoxiden (NOX) ist aktuell nicht förderfähig.
Fazit:
Ein derartiges Produkt gibt es nach Recherchen seit etwa 2005. Über die Quantität der Verwendung liegen keine Angaben vor. Für die Effizienz des Produkts haben die Hersteller trotz anderslautender Presseartikel keinen Nachweis liefern können. Seitens der Stadt Celle gibt es nicht viele Bestandsgebäude, die direkt an stark befahrenen Straßen in Celle liegen, die für die Verwendung einer umweltaktiven Farbe in Frage kommen würden.
