Schuhstraße
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Der Stromkasten zeigt eine undatierte Postkarte aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Fotograf stand bei der Aufnahme mit dem Rücken zur Kanzleistraße und mit Blick auf die Schuhstraße. Auf der rechten Bildhälfte ist im Vordergrund ein sogenannter „Pipenposten“ (Brunnen) zu sehen. Die Versorgung der Brunnen erfolgte teils durch ausgehöhlte Baumstämme (Holzpipen), daher stammt der Name der Brunnen.
Hinter dem Brunnen steht das Haus „Markt 1“. Dort befand sich bis 2001 das Juweliergeschäft Schnell. Anfänge des Unternehmens gehen bis in die Mitte des 19. Jahrhundert zurück. Schemenhaft ist der Name des Juweliers ebenfalls auf der Postkarte zu entziffern. Über dem dritten Obergeschoss des Gebäudes „Markt 1“ befindet sich ferner ein reich verziertes Glockenspiel. Mit Aufgabe des Juweliergeschäfts kaufte die Stadt Celle dieses Glockenspiel und installierte es an der Fassade des Gebäudes „Markt 14-16“ (Ecke Markt/ Zöllnerstraße und Poststraße).
Linker Hand ist die Kanzleistraße 9 zu sehen. Seit 1904 ist dort bis heute eine Bank zu finden. Die Hannoversche Bank ließ durch den Architekten Bernhard Weise ein Gebäude im Stil der modernen Gotik und mit gelb glasierten Blendziegeln errichtet. An der Hausecke, Übergang Kanzlei- zur Hehlentorstraße, entstand ein zweigeschossiger Erker (vorspringender Vorbau). Der Vorbau mündete in einem spitzzulaufenden Turmbau. Der Erker war sowohl von links als auch rechts von einem weiteren spitzzulaufenden Turm eingerahmt. Auch der ganz rechts befindliche Eingang fügte sich in einen zweigeschossigen Turmbau.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde von der Deutschen Bank ein Neubau verwirklicht. Erhalten blieb der Erker. Hinzukamen drei Vertiefungen unterhalb der Fenster des zweiten Obergeschosses. Dort sind auch heute noch Wappen eingefügt. Die Dachkonstruktion wurde überarbeitet, es entstand ein Doppel-Giebeldach.Text: Stadtarchiv Celle
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Der Stromverteiler am Haus „Schuhstraße 40“ zeigt einen Ausschnitt einer Fotografie der Straßenkreuzung Am Heiligen Kreuz und der Schuhstraße. Fotografiert wurde die Schuhstraße in Blickrichtung Westen.
Auf der Straße sind Straßenbahnschienen zu erkennen. Mithin muss die Fotografie nach 1907 entstanden sein. Ferner sind auf der linken Straßenseite einige Geschäfte mit entsprechenden Aufstellern auszumachen.
In der Schuhstraße 38, das dritte Haus auf der linken Seite, befand sich ab 1903 die Kupferschmiederei bzw. der Installationsbetrieb „Gustav Camp“. Einer der Söhne des Kupferschmiedemeisters übernahm 1932 das Geschäft. Ein weiterer Sohn Gustav Wilhelm Camp (1903-1984) war über viele Jahre in der Kommunalpolitik tätig. Er gehörte von 1952 bis 1973 dem Rat der Stadt Celle an. Ein Jahr später erhielt er das Bundesverdienstkreuz.
Auf der rechten Straßenseite ist ganz vorne das Haus „Schuhstraße 27“, die ehemalige Ratsbadestube. Auch dieses Haus ist nur teilweise zu sehen. Von 1526 bis 1730 befand sich dort die Ratsbadestube. Im Vorderhaus (heute Schuhstraße 27) wohnten der Bader mit seiner Familie und seine Gesellen. Dahinter befand sich die Badestube. Dort konnten Männer und Frauen voneinander getrennt baden. Ein Brunnen im Hof diente zur Wasserversorgung. Der Brunnen ist im Innenhof vom Nordwall 41 zu finden.
Text: Stadtarchiv Celle
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Der Stromverteiler in der Kalandgasse zeigt einen Teil einer Ansichtskarte aus dem Jahr 1906. Die Originalpostkarte zeigt die Straßenkreuzung Brandplatz und Schuhstraße mit Blick in Richtung Kanzleistraße.
Entlang beider Straßenränder sind vereinzelt Menschen zu sehen. Auch ist eine Frau mit Kinderwagen fotografiert.
Rechter Hand ist vorne das Inhaberschild des Geschäfts Möbel Kersting zu erkennen. Der Firmengründer Wilhelm Kersting entschloss sich 1883 in die Schuhstraße 12 zu ziehen. Er baute dort sein Möbelgeschäft auf. Seine Arbeiten reichten von handgemachten Möbel, Fenstern bis Türen. In vierter Generation wirkt das Geschäft Möbel Kersting in Celle fort.
Auch auf der nur teilweise abgebildeten linken Straßenseite waren ebenfalls Geschäfte zu finden. Auf der Originalpostkarte ist das Gewerbe des Schneidermeisters Heinrich Dörscher durch eine Reklametafel sichtbar. In seinem Geschäft in der Schuhstraße 43 bot er Mützen-, Hut-, Schuh- und Wollwaren an. Im Jahr 1906 eröffnete Dörscher dort sein Gewerbe. Weitere Handwerksbetriebe entlang dieser Straßenseite waren unter anderem das Installationsgeschäft Müller für Gas, Wasser und Elektroanlagen in der Schuhstraße 46 oder die Buchbinderei und Bildereinrahmung Riebe in der Schuhstraße 47.
Text: Stadtarchiv Celle
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Der Stromverteiler am Haus „Schuhstraße 41“ zeigt einen sehr kleinen Ausschnitt einer Ansichtskarte. Die undatierte Originalpostkarte zeigt die Straßenkreuzung Brandplatz und Schuhstraße mit Blick in Richtung Kanzleistraße.
Auf der rechten Bildseite sind die Häuser 13 und 14 der Schuhstraße für den Betrachter ersichtlich.
Damals reihten sich mehrere Markisen verschiedener Geschäfte entlang der Straßenseite. Die „Deutsche Maschinen- und Bohrgeräte GmbH“ bezog im Jahr 1920 das Erdgeschoss der Schuhstraße 15.
Der Schriftzug des Geschäfts ist auf der Originalpostkarte zu erahnen. Folglich muss die Fotografie der Ansichtskarte nach 1919 Jahren entstanden sein.
Auf der abgebildeten Straßenseite waren ferner auch die Geschäfte Jagau und Möbel Kersting zu finden.
Das Geschäft Jagau befand sich an der Schuhstraße 8. 1906 eröffnete Hermann Jagau dort sein Geschäft für Eisenwaren, Herde, Ofen und Tischlereibedarf. Nach den beiden Weltkriegen vergrößerte sein Sohn Friedrich den Betrieb räumlich als auch personell. Bis zu 20 Mitarbeiter waren für die Firma tätig. Kurz nach dem 75-jährigen Firmenbestehen schloss das Geschäft Ende 1983.
Wilhelm Kersting siedelte sich 1883 in der Schuhstraße, Hausnummer 12, an. In seinem Möbelgeschäft fertigte er u.a. Möbel, Fenster oder Türen an. Generationsübergreifend wurde das Geschäft geführt und in den 1960 und 1970er Jahren erweitert. Bis heute ist das Möbelhaus in Celle aktiv.Text: Stadtarchiv Celle
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Der Stromverteiler an der Anschrift „Schuhstraße 25“ zeigt eine undatierte Fotografie des Eckgebäudes Am Heiligen Kreuz 30. Dieses Eckgrundstück befindet sich an der Straßenkreuzung Am Heiligen Kreuz und Neue Straße.
Im Erdgeschoss des Gebäudes befand sich bis mindestens September 1927 ein jüdisches Warengeschäft. Auf der Originalglasplatte kann der Inhaber ausfindig gemacht werden: Heinrich Hellmann.
Heinrich Hellmann (1894-1935) war ein jüdischer Kaufmann. Laut den städtischen Adressbüchern bezog er 1926 sein Geschäft am Heiligen Kreuz 30. Hellmann führte dort ein Textil- und Manufakturwarengeschäft. Er bot neben Manufakturwaren auch Aussteuerartikel und Konfektionsware an. Am Heiligen Kreuz 30 befand sich auch eine Schneiderei namens Hartmann für Herren- und Damenmode. Im September 1927 kündigte Hellmann dann per Zeitungsannonce seinen Umzug zur Mauernstraße 38 an.
Auf dem abgebildeten Bild sind ein Mann und ein Kind zu sehen. Der Mann blickt in die Schaufensterauslage des Geschäfts. Auf dem Gehweg fährt ein kleiner Junge mit einem Fahrrad.
Die verwendete Aufnahme ist höchstwahrscheinlich zwischen 1926 und September 1927 entstanden.
Kurz vor Weihnachten 1934 eröffnete der jüdische Geschäftsmann an der Bergstraße 22 einen weiteren Laden. Er verstarb bereits Ende Oktober 1935.
Seine Familie litt unter den damaligen Repressalien gegenüber Juden und deren Geschäftstätigkeit.Text: Stadtarchiv Celle